Ein ungewöhnlicher Fund im Valle Grande
Der Nasa-Rover Curiosity hat bei seiner Erkundung des Mars-Tals „Valle Grande“ eine Entdeckung gemacht, die bei den beteiligten Wissenschaftlern für Staunen sorgt. Die Sonde stieß auf ein weitläufiges Areal, das von polygonalen Brüchen durchzogen ist. Diese Strukturen erinnern in ihrer geometrischen Anordnung stark an die Waben von Honigbienen. Laut Angaben der Nasa erstreckt sich dieses Feld in alle Richtungen, soweit der Rover blicken kann, was durch ein von Curiosity aufgenommenes 360-Grad-Panorama dokumentiert wurde.
Ashwin Vasavada, der leitende Projektwissenschaftler der Mission, beschrieb den Anblick als beeindruckend. Zwar habe man im Laufe der Mission bereits zahlreiche faszinierende Landschaften auf dem Roten Planeten dokumentiert, doch dieses „Meer aus Polygonen“ sei in seiner Ausdehnung und Dichte bisher einmalig.
Geometrie mit Rätselcharakter
Die einzelnen Wabenstrukturen weisen einen Durchmesser von vier bis acht Zentimetern auf. Während polygonale Brüche dem Team um Curiosity nicht gänzlich unbekannt sind, ist die schiere Menge an einem einzigen Ort neu. Auf der Erde entstehen vergleichbare Formationen häufig durch thermische Kontraktionen, also durch das Zusammenziehen von Material bei Temperaturveränderungen.
Ob dieser Prozess auch für die Mars-Strukturen verantwortlich ist, bleibt derzeit noch Spekulation. In der Vergangenheit identifizierte das Team ähnliche, wenn auch weniger umfangreiche Formationen als Schlammrisse. Ob die aktuellen Funde im Valle Grande ebenfalls auf Austrocknungsprozesse oder andere geologische Phänomene zurückzuführen sind, müssen nun weitere Analysen klären.
Wissenschaftliche Einordnung und nächste Schritte
Die Forschungsgruppe hat bereits damit begonnen, die Formen und die chemische Zusammensetzung der polygonalen Brüche präzise zu vermessen. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist, dass die gesammelten Daten Aufschluss über die Entstehungsgeschichte dieser Formationen geben. Bisher fehlen jedoch eindeutige Beweise, die eine zweifelsfreie Erklärung liefern könnten.
Die Untersuchung solcher geologischen Merkmale ist ein zentraler Bestandteil der Curiosity-Mission. Der Rover hat in der Vergangenheit bereits diverse Entdeckungen gemacht, darunter Schwefelkristalle und Meteoriten. Diese Funde helfen dabei, die Geschichte des Mars besser zu verstehen. So konnte bereits belegt werden, dass der Planet in seiner Frühzeit deutlich feuchter war und chemische Bedingungen bot, die theoretisch mikrobielles Leben ermöglicht hätten.
Kontext der Mars-Erforschung
Die Suche nach Spuren von Leben oder vergangenen Lebensformen auf dem Mars bleibt ein treibender Faktor der aktuellen Weltraumforschung. Neben den Beobachtungen von Curiosity gibt es weitere Hinweise auf eine dynamische Vergangenheit des Planeten. So berichtete ein Forschungsteam der University of Arkansas im vergangenen Jahr von Anzeichen, die auf einen einstigen großen Ozean auf dem Mars hindeuten.
Auch andere Missionen liefern immer wieder neue Puzzleteile für das Verständnis des Mars. Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) entdeckte beispielsweise kürzlich im Kaiser-Krater Strukturen, die wie metallisch schimmernde Wellen wirken. Die Entdeckung der Wabenstrukturen durch Curiosity fügt sich in eine Reihe von geologischen Überraschungen ein, die verdeutlichen, wie komplex und geologisch aktiv der Mars in seiner Geschichte gewesen sein muss. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die Daten aus dem Valle Grande die Theorie der thermischen Kontraktion stützen oder ob die Wissenschaftler ihre Modelle zur Mars-Geologie anpassen müssen.