Gewinnrückgang im zweiten Quartal
Die Lufthansa-Gruppe blickt auf ein wirtschaftlich schwieriges Frühjahr zurück. Wie das Unternehmen bei der Vorstellung der Quartalszahlen bekannt gab, sank das bereinigte operative Ergebnis im Zeitraum von April bis Juni um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro. Trotz bereits vorgenommener Preisanpassungen bei den Flugtickets konnten die gestiegenen Betriebskosten nicht vollständig ausgeglichen werden. Nach Angaben von Finanzchef Till Streichert deckten die Preiserhöhungen lediglich etwa 60 Prozent der zusätzlichen Ausgaben für Treibstoff ab.
Belastungsfaktoren: Kerosinpreise und Arbeitskämpfe
Das Unternehmen identifiziert zwei Hauptgründe für die schwache Bilanz:
* **Kerosinkosten:** Aufgrund der Auswirkungen des Iran-Krieges musste die Airline im zweiten Quartal rund 750 Millionen Euro mehr für Kerosin aufwenden als ursprünglich kalkuliert.
* **Streiks:** Arbeitskämpfe beim fliegenden Personal, sowohl bei der Kernmarke Lufthansa als auch bei der Tochtergesellschaft Cityline, schlugen mit rund 150 Millionen Euro negativ zu Buche. Diese Streiks fielen in eine Zeit, in der das Unternehmen eigentlich sein 100-jähriges Bestehen feierte.
Strategische Konsequenzen und Anpassungen
Die wirtschaftlichen Belastungen führten zu operativen Einschnitten. Die Regionaltochter Cityline wurde vorzeitig eingestellt, was den Wegfall von rund 20.000 Europaflügen im Sommerflugplan zur Folge hatte. Konzernweit sank die Passagierzahl im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent auf 35,6 Millionen Fluggäste.
Konzernchef Carsten Spohr betonte jedoch, dass sich die Kerosinversorgung mittlerweile stabilisiert habe. Durch eine Anpassung der globalen Lieferketten, unter anderem durch neue Bezugsquellen aus Nigeria und erhöhte Kapazitäten in den Raffinerien, sei das Risiko von Flugausfällen aufgrund von Treibstoffmangel gesunken.
Ausblick: Höhere Preise und veränderte Prognosen
Für die Fluggäste kündigt die Lufthansa eine weitere Verteuerung der Tickets an. Konzernchef Spohr begründete dies mit einer anhaltend hohen Nachfrage, die sich als weniger preissensibel erweise als ursprünglich angenommen. Zudem beobachten die Verantwortlichen ein verändertes Buchungsverhalten: Kunden buchen ihre Reisen zunehmend kurzfristiger.
Aufgrund der aktuellen Entwicklung hat der Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr nach unten korrigiert. Anstelle des ursprünglich angestrebten Wachstums des bereinigten Betriebsgewinns über den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden Euro hinaus, rechnet das Management nun mit einer Spanne zwischen 1,7 und 2,2 Milliarden Euro.
Fokus auf Langstrecke
Die strategische Ausrichtung verschiebt sich infolge der Marktlage. Während das Angebot im laufenden Jahr entgegen ursprünglicher Wachstumspläne von bis zu vier Prozent stagnieren soll, prüft der Konzern eine weitere Reduzierung des Europaangebots um ein Prozent. Die Lufthansa setzt stattdessen verstärkt auf Wachstum im Langstreckensegment. Interessanterweise profitierte der Konzern in den vergangenen Monaten von den geopolitischen Spannungen: Da Wettbewerber aus dem arabischen Raum ihre Drehkreuze zeitweise schließen mussten, konnte die Lufthansa auf den Asienrouten höhere Erlöse erzielen.