News aus aller Welt
Start
Lilly Wachowski: »Matrix«-Co-Regisseurin bekommt Film mit trans Cast nicht finanziert
Kultur · 13.08.2026 12:41

Lilly Wachowski: »Matrix«-Co-Regisseurin bekommt Film mit trans Cast nicht finanziert

Kurz: Lilly Wachowski, Co-Regisseurin von »Matrix«, berichtet von massiven Hürden bei der Finanzierung ihres neuen Thrillers »The Hunted« mit reinem trans Cast.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Die renommierte Filmemacherin Lilly Wachowski, die gemeinsam mit ihrer Schwester Lana durch den bahnbrechenden Science-Fiction-Klassiker »Matrix« weltweite Bekanntheit erlangte, steht vor einer erheblichen beruflichen Hürde. Wie Wachowski in einem aktuellen Interview im Branchenpodcast »The Business« des kalifornischen Radiosenders KCRW öffentlich machte, gestaltet sich die Finanzierung ihres neuesten Filmprojekts als äußerst schwierig. Bei dem geplanten Werk handelt es sich um den Thriller »The Hunted«, den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Mickey Ray Mahoney verfasst hat. Trotz des inhaltlichen Interesses potenzieller Partner scheitert das Projekt an der konkreten Umsetzung. Der Grund für die Ablehnung durch die Filmindustrie ist nach Angaben der Regisseurin die Besetzung des Films: Die Rollen sind ausschließlich mit trans Personen besetzt. Wachowski beklagt, dass Hollywood derzeit eine auffällige Zurückhaltung gegenüber trans Themen an den Tag lege und die Möglichkeiten, Geschichten aus der Perspektive unterrepräsentierter Gruppen zu erzählen, in der aktuellen industriellen Landschaft spürbar abnehmen würden. Die Regisseurin sieht sich somit durch die Vorbehalte der Branche in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt.

Die Einzelheiten des Projekts

Das Drehbuch zu »The Hunted« entstand in enger Zusammenarbeit zwischen Lilly Wachowski und ihrem Partner Mickey Ray Mahoney, der selbst ein trans Mann ist. Für das geplante Filmprojekt war ein Budget in Höhe von 10 Millionen US-Dollar veranschlagt. Wachowski betonte in dem Gespräch mit KCRW, dass das Schreiben des Skripts für sie persönlich von enormer Bedeutung gewesen sei. Es habe ihr als ein »unheimlich befreiendes Ventil« gedient, in dem sie ihre Wut, ihren Zorn sowie ihre Frustration über die weltweite Behandlung von trans Menschen kanalisieren konnte. Die Regisseurin berichtete zudem, dass das Skript bei den Treffen mit Entscheidungsträgern inhaltlich durchaus Anklang finde. Die Leute würden den Film zwar mögen, seien jedoch nicht bereit, ihn tatsächlich zu produzieren, sobald die Besetzung mit trans Personen zur Sprache komme. Wachowski stellte klar, dass es sich hierbei um eine bewusste Entscheidung der Branche handele, die sie als ein Zeichen für die derzeit schwierigen Bedingungen innerhalb der Filmindustrie wertet, solche speziellen Stoffe erfolgreich auf den Weg zu bringen.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die Karriere der Wachowski-Geschwister ist eng mit dem Erfolg von »Matrix« aus dem Jahr 1999 verknüpft, der das Kino nachhaltig prägte. In den Jahren danach folgten weitere Großprojekte wie »Speed Racer« (2008), »Jupiter Ascending« (2015) sowie die Zusammenarbeit mit dem deutschen Regisseur Tom Tykwer an der Literaturverfilmung »Cloud Atlas«. Auch für den Streaming-Dienst Netflix entwickelten sie die Science-Fiction-Serie »Sense8«, die zwischen 2015 und 2018 ausgestrahlt wurde. Zuletzt war es um das Duo ruhiger geworden. Während Lana Wachowski im Jahr 2021 den vierten Teil der Matrix-Reihe, »Matrix Resurrections«, verantwortete, war Lilly Wachowski in den vergangenen Jahren eher als ausführende Produzentin bei verschiedenen Projekten tätig. Die persönliche Entwicklung der Schwestern verlief ebenfalls öffentlich: Lilly Wachowski machte im März 2016 ihre Identität als trans Frau öffentlich, nachdem bereits ihre Schwester Lana diesen Schritt einige Jahre zuvor gegangen war. Die damalige Bekanntgabe war von einem unangenehmen Vorfall mit der »Daily Mail« begleitet, deren Reporter sie zu Hause aufsuchten, woraufhin sie ironisch auf die Boulevard-Berichterstattung reagierte.

Die Beteiligten und ihre Rollen

Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht Lilly Wachowski, die als Regisseurin und Drehbuchautorin versucht, ihre Vision gegen den Widerstand der Filmstudios durchzusetzen. An ihrer Seite agiert Mickey Ray Mahoney, ihr Lebensgefährte und Co-Autor des Drehbuchs. Beide sind gemeinsam von der Notwendigkeit überzeugt, diese Geschichte zu erzählen, um auf die gesellschaftliche Situation von trans Menschen aufmerksam zu machen. Auf der Gegenseite stehen die Entscheidungsträger in Hollywood, die das Budget von 10 Millionen US-Dollar für »The Hunted« nicht freigeben wollen. Zwar nennt Wachowski keine spezifischen Namen von Studios oder Produzenten, doch ihre Aussagen im Podcast »The Business« richten sich allgemein gegen die aktuelle Haltung der Filmindustrie. Die Institutionen, die über die Vergabe von Budgets entscheiden, werden von ihr als Hindernis wahrgenommen, da sie die Besetzung mit trans Personen als zu riskant oder nicht marktfähig betrachten, was Wachowski als Ausdruck einer allgemeinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zurückhaltung gegenüber trans Themen einordnet.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist das so: Die Schilderungen von Lilly Wachowski werfen ein Schlaglicht auf die strukturellen Probleme bei der Finanzierung von Filmen, die explizit trans Perspektiven in den Mittelpunkt stellen. Den Berichten zufolge ist die Ablehnung nicht in der Qualität des Drehbuchs begründet, sondern in einer bewussten Entscheidung gegen die Besetzung. Dies deutet darauf hin, dass in Hollywoods Entscheidungsgremien derzeit die Sorge überwiegt, dass Projekte mit einem rein trans Cast kommerziell nicht erfolgreich sein könnten oder auf Widerstände im Publikum stoßen könnten. Wachowski selbst bewertet die aktuelle Zeit als »leider nicht die beste« für solche Vorhaben. Dass sie diese Erfahrungen öffentlich macht, unterstreicht eine wachsende Frustration über die schrumpfenden Möglichkeiten, Geschichten mit »unterrepräsentierten Stimmen und randständigen Perspektiven« zu erzählen. Es handelt sich hierbei um eine kritische Bestandsaufnahme einer Filmemacherin, die einst den Mainstream maßgeblich mitgeprägt hat und nun feststellen muss, dass ihre aktuellen künstlerischen Ambitionen an den ökonomischen und ideologischen Grenzen der Branche scheitern.

Offene Fragen und wie es weitergeht

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für den weiteren Verlauf des Projekts entscheidend sein könnten. So bleibt unklar, welche spezifischen Produktionsfirmen oder Investoren das Projekt konkret abgelehnt haben und ob es noch laufende Verhandlungen gibt. Auch ist nicht bekannt, ob es alternative Finanzierungsmodelle gibt, die Wachowski in Erwägung zieht, oder ob sie plant, das Projekt in einer anderen Form, etwa als Independent-Produktion, zu realisieren. Wie es weitergeht, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, doch Wachowski zeigt sich entschlossen, alternative Wege zu suchen, um die Geschichte von »The Hunted« einem Publikum zugänglich zu machen. Ein erster Schritt in diese Richtung fand bereits Anfang des Monats statt: Sie organisierte eine öffentliche Lesung aus dem Drehbuch in einem Theater in Los Angeles. Dies deutet darauf hin, dass die Regisseurin bereit ist, »kreativ zu werden«, um ihre Vision auch ohne die Unterstützung der großen Filmstudios zu verwirklichen. Ob und wann der Film tatsächlich produziert wird, bleibt jedoch abzuwarten, da eine gesicherte Finanzierung für das 10-Millionen-Dollar-Projekt weiterhin aussteht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/interaktion-bei-kunstausstellung-mit-vielfaltigen-besuchern-36220308/ · Foto: Alec Adriano
Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/kino/matrix-co-regisseurin-lilly-wachowski-keine-finanzierung-fuer-film-mit-trans-cast-a-fcfd7ffe-5060-4e5c-a840-9b4c1d1117b8#ref=rss