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Leichenpräparator Gunther von Hagens gestorben
Schlagzeilen · 27.07.2026 12:59

Leichenpräparator Gunther von Hagens gestorben

Kurz: Der Mediziner und Erfinder der Plastination, Gunther von Hagens, ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Er wurde durch die „Körperwelten“-Ausstellungen bekannt.

Ein Leben zwischen Wissenschaft und öffentlicher Debatte

Der Mediziner Gunther von Hagens, weltweit bekannt als Erfinder der Plastination und Initiator der „Körperwelten“-Ausstellungen, ist verstorben. Wie seine Familie in Heidelberg bekannt gab, verstarb der 81-Jährige am vergangenen Freitag. Von Hagens, der bereits seit mehreren Jahren an Parkinson erkrankt war, hinterlässt ein komplexes Erbe, das sowohl medizinische Innovation als auch ethische Kontroversen umfasst.

Vom Medizinstudium zur Plastination

Geboren wurde der Mediziner 1945 unter dem Namen Gunther Liebchen im heutigen polnischen Posen. Sein Lebensweg war von einschneidenden Ereignissen geprägt: Nach Beginn seines Medizinstudiums in Jena im Jahr 1965 geriet er in politische Gefangenschaft in der DDR. Erst durch einen Freikauf durch die Bundesrepublik konnte er seine akademische Laufbahn fortsetzen.

In den 1970er Jahren entwickelte er in Heidelberg jenes Verfahren, das ihn später weltberühmt machen sollte: die Plastination. Dabei werden Leichen durch eine spezielle Konservierungstechnik in anatomische Präparate umgewandelt. Um diese Technik professionell voranzutreiben, gründete er in den 1990er Jahren das Institut für Plastination.

Die „Körperwelten“: Faszination und Kritik

Mit den „Körperwelten“-Ausstellungen brachte von Hagens die Anatomie des menschlichen Körpers in die breite Öffentlichkeit. Die Präsentation von menschlichen Plastinaten löste weltweit eine intensive Debatte aus. Während Befürworter die pädagogische und wissenschaftliche Bedeutung der Schau hervorhoben, äußerten Kritiker scharfe Bedenken. Sie warfen von Hagens vor, die Menschenwürde durch die Zurschaustellung menschlicher Körper zu verletzen.

Ein zentraler Punkt der Kritik war stets der Umgang mit den Verstorbenen. Von Hagens betonte jedoch stets, dass die ausgestellten Körper von Menschen stammten, die zu Lebzeiten ausdrücklich in die Verwendung ihres Körpers für diesen Zweck eingewilligt hatten.

Umgang mit dem eigenen Vermächtnis

Der Wunsch, den eigenen Körper nach dem Tod der Plastination zur Verfügung zu stellen, war nicht nur ein Kernaspekt seiner beruflichen Tätigkeit, sondern auch sein persönlicher Wille. Wie die Angehörigen in ihrer Mitteilung bestätigten, wird dieser Wunsch nun respektiert und umgesetzt.

Die Nachricht über seinen Tod markiert das Ende einer Ära, die den Blick der Öffentlichkeit auf den menschlichen Körper nachhaltig verändert hat. Die Zukunft der „Körperwelten“-Ausstellungen und die Fortführung der Arbeit seines Instituts werden nun in den Händen seiner Hinterbliebenen liegen, die den eingeschlagenen Weg des Mediziners weiter begleiten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/bronzene-fuchsstatue-mit-rotem-schal-vor-dem-gebaude-35326233/ · Foto: Alexander Popadin
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/gunther-von-hagens-gestorben-100.html