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Mit 92 Jahren: Ikone der Frauenbewegung Gloria Steinem gestorben
Kultur · 03.09.2026 13:46

Mit 92 Jahren: Ikone der Frauenbewegung Gloria Steinem gestorben

Kurz: Die US-amerikanische Feministin, Journalistin und Autorin Gloria Steinem ist im Alter von 92 Jahren in New York verstorben. Sie prägte den Feminismus über Jahrz

Ein Leben im Zeichen des Wandels: Gloria Steinem verstorben

Die Welt der Frauenrechtsbewegung verliert eine ihrer prägendsten Stimmen. Wie die Stiftung der US-amerikanischen Journalistin und Autorin Gloria Steinem am Donnerstag über den Kurznachrichtendienst Instagram bekannt gab, ist die Ikone der zweiten Welle des Feminismus am Mittwoch im Alter von 92 Jahren verstorben. Steinem, die über mehr als sechs Jahrzehnte hinweg das gesellschaftliche Bild von Frauenrechten in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus maßgeblich mitgestaltet hat, starb in ihrem Zuhause in New York. Laut den Angaben ihrer Stiftung war sie in ihren letzten Momenten von geliebten Menschen umgeben. Die Nachricht von ihrem Tod löste weltweit Anteilnahme aus, da Steinem als eine der bedeutendsten Vordenkerinnen für die rechtliche Gleichstellung, die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen sowie das Recht auf reproduktive Selbstbestimmung galt. Ihr Wirken erstreckte sich von investigativen journalistischen Arbeiten bis hin zur Gründung einflussreicher politischer Organisationen, die bis heute Bestand haben. Trotz ihres hohen Alters blieb sie bis zuletzt aktiv und lud regelmäßig Aktivistinnen und Aktivisten zu einem Austausch in ihr New Yorker Heim ein, um den Diskurs über soziale Gerechtigkeit lebendig zu halten.

Journalismus als Waffe gegen Ungerechtigkeit: Die Anfänge

Gloria Marie Steinem wurde am 25. März 1934 in Toledo, Ohio, geboren. Ihre Kindheit war geprägt von familiären Herausforderungen, insbesondere durch die Trennung ihrer Eltern und die jahrelange Pflege ihrer psychisch erkrankten Mutter. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss in Politikwissenschaften am Smith College in Massachusetts im Jahr 1956 legte sie den Grundstein für ihre spätere Karriere. Ein Stipendium ermöglichte ihr einen Aufenthalt in Indien, wo sie wertvolle Einblicke in die politische Basisarbeit gewann, die ihre spätere Herangehensweise an den Aktivismus stark beeinflussen sollten. Zurück in New York etablierte sie sich als freie Journalistin. Nationale Bekanntheit erreichte sie 1963 durch eine aufsehenerregende Undercover-Reportage für das Magazin „Show“. In dieser arbeitete sie als „Playboy Bunny“ im New Yorker Playboy Club und entlarvte durch ihre persönlichen Erfahrungen die prekären Arbeitsbedingungen der dort angestellten Frauen. Diese Arbeit markierte den Beginn ihres unermüdlichen Einsatzes für die Sichtbarkeit von Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft und legte den Grundstein für ihr Profil als eine der profiliertesten Journalistinnen ihrer Zeit.

Die Geburt einer Bewegung: Von „Ms.“ bis zum politischen Caucus

Ende der sechziger Jahre war Steinem maßgeblich an der Gründung des „New York Magazine“ beteiligt, wo sie sich als Autorin mit komplexen politischen und gesellschaftlichen Konflikten auseinandersetzte. Ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben war das Jahr 1969, als sie an einer Veranstaltung über die Erfahrungen von Frauen mit illegalen Abtreibungen teilnahm. Steinem, die selbst im Alter von 22 Jahren während eines Aufenthalts in London eine illegale Abtreibung hatte vornehmen lassen, erkannte die Dringlichkeit, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen. In ihren 2015 veröffentlichten Erinnerungen „My Life on the Road“ thematisierte sie diesen persönlichen Einschnitt offen. 1971 gründete sie gemeinsam mit Mitstreiterinnen wie Bella Abzug, Shirley Chisholm und Betty Friedan den National Women’s Political Caucus, um Frauen gezielt den Weg in politische Ämter zu ebnen. Im selben Jahr initiierte sie die feministische Zeitschrift „Ms.“, die zunächst als Beilage des „New York Magazine“ erschien und ab 1972 als eigenständige Publikation Themen wie häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung und Abtreibungsrechte in den öffentlichen Diskurs brachte.

Ein Leben für die Gemeinschaft: Die Rolle der Verbündeten

Steinem verstand sich zeitlebens primär als Schriftstellerin, doch ihr Wirken ging weit über das geschriebene Wort hinaus. Sie war eine zentrale Figur bei der Gründung zahlreicher Organisationen, darunter die Women’s Action Alliance und das Women’s Media Center. Ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit war dabei stets die Inklusivität: Sie drängte darauf, die Perspektiven und Erfahrungen schwarzer Frauen sowie anderer Minderheiten stärker in die feministische Bewegung zu integrieren. Auch in ihrem Privatleben blieb sie ihrer Überzeugung treu. Im Jahr 2000 heiratete sie den südafrikanischen Unternehmer und Umweltaktivisten David Bale, der jedoch bereits 2003 verstarb. Ihre Rolle als Mentorin und Netzwerkerin behielt sie bis ins hohe Alter bei. Ihre Stiftung betonte, dass die von ihr initiierten Gesprächsrunden in ihrem New Yorker Haus auch in Zukunft fortgeführt werden sollen, ganz im Sinne ihres Wunsches, den Austausch zwischen den Generationen von Aktivisten zu fördern. Diese Treffen waren ein Spiegelbild ihres Lebenswerkes: der Vernetzung von Menschen, um gemeinsam für eine gerechtere Gesellschaft einzutreten.

Einordnung: Eine historische Zäsur für den Feminismus

Einzuordnen ist das Wirken Gloria Steinems als eine der tragenden Säulen der zweiten Welle des Feminismus. Den Berichten zufolge war sie nicht nur eine Beobachterin, sondern eine aktive Gestalterin der gesellschaftlichen Transformation in den USA. Durch ihre journalistische Arbeit gelang es ihr, Themen, die zuvor als rein private Angelegenheiten abgetan wurden, in den Fokus der politischen Debatte zu rücken. Die Verleihung der Presidential Medal of Freedom durch US-Präsident Barack Obama im Jahr 2013 unterstreicht die historische Bedeutung, die ihr für die amerikanische Gesellschaft zugeschrieben wurde. Sie gilt als eine der wenigen Persönlichkeiten, die es schafften, den Feminismus aus akademischen Zirkeln in den Mainstream zu tragen. Dabei blieb sie jedoch stets kritisch gegenüber den eigenen Strukturen und forderte eine ständige Weiterentwicklung der Bewegung. Ihre Fähigkeit, persönliche Erfahrungen, wie ihre eigene Abtreibung, als politisches Instrument zu nutzen, machte sie zu einer authentischen und nahbaren Identifikationsfigur für Millionen von Frauen weltweit.

Offene Fragen und der Blick nach vorn

Obwohl das Leben und Wirken von Gloria Steinem umfassend dokumentiert ist, bleiben nach ihrem Tod einige Fragen unbeantwortet. So wurde von offizieller Seite keine spezifische Todesursache genannt, was Raum für Spekulationen lässt, die jedoch angesichts ihres hohen Alters von 92 Jahren in den Hintergrund treten. Zudem bleibt abzuwarten, wie ihre Stiftung die angekündigten Gesprächsrunden in ihrem New Yorker Haus konkret weiterführen wird und welche Rolle ihre persönlichen Archive für die künftige Forschung zur Geschichte der Frauenbewegung spielen werden. Die Lücke, die eine solch prägende Persönlichkeit hinterlässt, ist kaum zu schließen. Dennoch ist der Weg für die Zukunft vorgezeichnet: Die von ihr mitbegründeten Organisationen wie das Women’s Media Center und der National Women’s Political Caucus setzen ihre Arbeit fort. Die ausstehenden Entscheidungen über die Nachlassverwaltung und die dauerhafte Bewahrung ihres Erbes werden in den kommenden Wochen und Monaten durch ihre Stiftung getroffen werden, während die Welt Abschied von einer der einflussreichsten Frauen des 20. Jahrhunderts nimmt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-gebaude-architektur-25053933/ · Foto: detait
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gloria-steinem-ist-tot-us-feministin-stirbt-mit-92-jahren-accg-201188158.html