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Kospi verliert 10,8 Prozent: Halbleiter-Beben in Fernost
Wirtschaft · 28.07.2026 14:10

Kospi verliert 10,8 Prozent: Halbleiter-Beben in Fernost

Kurz: Ein massiver Ausverkauf bei Halbleiterwerten erschüttert die asiatischen Börsen. Besonders der südkoreanische Kospi leidet unter der wachsenden Konkurrenz aus C

Einbrüche an den asiatischen Handelsplätzen

Die Finanzmärkte in Fernost stehen unter erheblichem Druck. Ein flächendeckender Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat zu deutlichen Kursverlusten geführt, die weit über die Region hinaus für Unruhe sorgen. Besonders hart traf es den südkoreanischen Leitindex Kospi, der einen Absturz von fast 11 Prozent verzeichnete und damit auf ein Drei-Monats-Tief fiel. Auch der japanische Nikkei-Index musste Federn lassen und notierte zeitweise auf einem Stand, der zuletzt vor zwei Jahren erreicht wurde.

Der Kospi gilt aufgrund der starken Gewichtung von Technologieunternehmen als ein zentraler Indikator für die Dynamik des KI-Sektors in Asien. Im Zentrum der aktuellen Entwicklung stehen dabei die Schwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix. Beide Konzerne dominieren den Markt für DRAM-Chips, jene Arbeitsspeicher, die in modernen elektronischen Geräten unverzichtbar sind und derzeit durch den massiven Ausbau von KI-Servern eine hohe Nachfrage erfahren.

Der Schatten aus China

Die Nervosität der Anleger speist sich primär aus der Sorge, dass die bisherigen Investitionen in Künstliche Intelligenz ihre Rentabilität nicht wie erhofft unter Beweis stellen könnten. Ein wesentlicher Katalysator für die aktuelle Marktkorrektur ist jedoch die Entwicklung in China. Der spektakuläre Börsengang des chinesischen Halbleiterherstellers CXMT hat die Befürchtung verstärkt, dass die Volksrepublik den globalen Markt mit preisgünstigeren Speicherchips fluten könnte.

Analysten wie Han Ji-young von Kiwoom Securities verweisen zudem auf Berichte über technologische Fortschritte in China. Demnach sollen chinesische Unternehmen eigene Deep-Ultraviolet (DUV)-Lithografie-Anlagen entwickeln. Sollte es gelingen, diese Anlagen zur Serienreife zu bringen, könnte dies die Marktstellung des niederländischen Konzerns ASML gefährden, der bislang den Markt für leistungsfähige DUV-Maschinen kontrolliert. Experten wie Fan Liwen von Shenzhen New Thinking Investment Management gehen davon aus, dass China in naher Zukunft in der Lage sein wird, den Weltmarkt mit hochwertigen Speicherchips zu deutlich niedrigeren Preisen zu versorgen.

Globale Auswirkungen der Chip-Krise

Die Turbulenzen beschränken sich nicht auf den asiatischen Raum. Auch in den USA zeigt sich, dass die Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz an Schwung verliert. Das Branchenbarometer Philadelphia Semiconductor Index liegt inzwischen rund 21 Prozent unter seinem Höchststand vom 22. Juni. Auch der KI-Sektor-Primus Nvidia musste zuletzt deutliche Kursverluste an der Nasdaq hinnehmen.

Diese internationale Entwicklung hinterlässt auch am deutschen Aktienmarkt Spuren. Der DAX, der zunächst noch von positiven Unternehmensmeldungen – etwa von Mercedes und Rheinmetall – profitieren konnte, verlor im Tagesverlauf an Fahrt. Die Unsicherheit im Halbleitersektor belastet insbesondere deutsche Unternehmen wie Infineon, die im Zuge der globalen Marktbewegungen unter Druck geraten sind.

Hintergründe und Marktdynamik

Die aktuelle Situation verdeutlicht die Abhängigkeit der globalen Tech-Branche von einer stabilen Preisstruktur bei Halbleitern. Paradoxerweise haben sich viele Hersteller im Zuge des KI-Booms so stark auf Hochleistungschips konzentriert, dass bei klassischen DRAM-Speichern Engpässe entstanden sind. Von diesen Preissteigerungen profitierten südkoreanische Unternehmen zuletzt massiv. Sollte nun jedoch durch den Kapazitätsausbau in China ein Überangebot entstehen, könnte sich die Ertragslage der großen Halbleiterproduzenten fundamental verändern.

Für Investoren bleibt die Lage volatil. Die Frage, ob die technologische Aufholjagd Chinas den globalen Wettbewerb nachhaltig transformiert, wird die kommenden Quartalsberichte der Branche maßgeblich beeinflussen. Während die Märkte auf weitere Signale aus China und den USA warten, bleibt die Stimmung unter den Anlegern angespannt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geld-wahrung-euro-stillleben-9043046/ · Foto: Goran Grudić
Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktbericht-einbruch-asien-kospi-100.html