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Kommt der Abgesang auf Trump zu früh?
Schlagzeilen · 06.11.2026 02:23

Kommt der Abgesang auf Trump zu früh?

Kurz: Nach dem Wahldebakel der Republikaner bei den US-Midterms stellt sich die Frage: Ist Donald Trumps politische Karriere am Ende oder beginnt eine gefährliche Pha

Ein unerwarteter Machtwechsel und seine Folgen

Die politische Landschaft der Vereinigten Staaten hat sich nach den jüngsten Midterm-Wahlen grundlegend gewandelt. In der ZDF-Sendung „maybrit illner“ wurde das Ergebnis analysiert, das viele Beobachter in dieser Deutlichkeit nicht erwartet hatten. Besonders überraschend war für viele Experten, dass der amtierende US-Präsident Donald Trump die Wahlniederlage seiner Partei offiziell anerkannt hat. Dieser Schritt, der in der politischen Arena als ungewöhnlich wahrgenommen wurde, markiert einen potenziellen Wendepunkt in der Ära Trump. Politikwissenschaftler Frank Sauer äußerte sich in der Sendung positiv überrascht über den regulären Ablauf des Machtwechsels. Dennoch bleibt die Sorge, dass der sogenannte Trumpismus und die MAGA-Bewegung (Make America Great Again) auch nach dem Ausscheiden des Präsidenten aus dem direkten Machtzentrum als gesellschaftliche und politische Kraft bestehen bleiben. Die Frage, die nun im Raum steht, ist, ob Trumps politischer Zenit überschritten ist oder ob er in seiner verbleibenden Amtszeit eine neue, unberechenbare Strategie verfolgen wird, die die internationale Sicherheit gefährden könnte.

Die Akteure und ihre Rollen im politischen Gefüge

An der Diskussion nahmen hochkarätige Experten teil, die unterschiedliche Perspektiven auf die aktuelle US-Politik warfen. Zu den Gästen zählten der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, der Linken-Politiker Jan van Aken, der US-General a.D. Ben Hodges, der Militärexperte Frank Sauer sowie die Expertin für internationale Sicherheit, Souad Mekhennet. Während Sauer den geordneten Machtwechsel hervorhob, betonte Souad Mekhennet, dass man Trump keinesfalls als „Lame Duck“ – also als politisch handlungsunfähigen Amtsträger – unterschätzen dürfe. Trump habe bereits angekündigt, seine Veto-Macht gezielt einzusetzen, um seinen politischen Spielraum zu wahren. Innerhalb der republikanischen Partei hat nach dem Wahldebakel ein intensives „Blame-Game“ begonnen. Vizepräsident JD Vance distanzierte sich öffentlich von Trump, was als klares Signal dafür gewertet wird, dass die Autorität des Präsidenten innerhalb der eigenen Reihen bröckelt. Auch andere Parteimitglieder suchen nun nach Wegen, sich von der bisherigen Führungslinie zu lösen, um ihre eigenen politischen Karrieren nicht zu gefährden.

Hintergrund: Vom Wahlsieg zum internen Zerwürfnis

Die Vorgeschichte dieser Entwicklung ist geprägt von einer zunehmenden Polarisierung innerhalb der republikanischen Partei. Lange Zeit galt Trump als unantastbares Oberhaupt, dessen Einfluss auf die Basis und die Parteiführung kaum infrage gestellt wurde. Doch die Ergebnisse der Midterms haben dieses Machtgefüge erschüttert. Norbert Röttgen stellte fest, dass die Zeit, in der sich kaum jemand gegen Trump zu stellen wagte, nun endgültig vorbei sei. Die Suche nach den Verantwortlichen für das schlechte Abschneiden bei den Wahlen hat zu einer Dynamik geführt, in der sich ehemalige Verbündete nun gegenseitig beschuldigen. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen wies darauf hin, dass es im neuen US-Parlament zwar keine Mehrheit für ein Impeachment gegen Trump selbst geben werde, wohl aber Amtsenthebungsverfahren gegen Personen aus seinem direkten Umfeld drohen könnten. Diese Entwicklung zwingt viele Republikaner dazu, sich strategisch neu zu positionieren, wobei Bauernopfer, etwa auf Ministerebene wie bei Verteidigungsminister Pete Hegseth, als wahrscheinlich gelten.

Die außenpolitische Dimension und das Risiko einer Eskalation

Ein zentraler Punkt der Debatte war die Frage, wie sich Trump außenpolitisch verhalten wird. Es besteht die Befürchtung, dass er seine Energie nun verstärkt auf die Außenpolitik konzentriert, um von innenpolitischen Schwierigkeiten abzulenken. Frank Sauer warnte davor, dass Trumps erratisches und jähzorniges Wesen die Lage im Iran weiter eskalieren lassen könnte. Auch die Situation in der Ukraine bereitet den Experten Sorge. Während der ukrainische Präsident Selenskyj optimistisch bleibt und die Unterstützung durch die Demokraten betont, sieht General Ben Hodges eine gefährliche Abhängigkeit: Er äußerte die Vermutung, dass Trump von Wladimir Putin unter Druck gesetzt werde und möglicherweise sogar „gekauft“ sei. Die Sorge ist groß, dass Trump versuchen könnte, ein Erbe als „Friedenspräsident“ zu hinterlassen, indem er einen faulen Kompromiss mit dem iranischen Regime oder anderen Akteuren schließt, der langfristig die Stabilität der Regionen gefährdet.

Einordnung: Das Ende einer politischen Ära?

Einzuordnen ist die aktuelle Situation als ein Prozess der schleichenden Entmachtung. Die „politische Physik“, wie sie Frank Sauer nannte, hat sich verändert. Die Autorität, die Trump einst ausstrahlte, wird nicht mehr respektiert. Den Berichten zufolge ist der Nimbus des ehemaligen Präsidenten stark beschädigt. Dennoch warnen die Experten davor, die Gefahr zu unterschätzen, die von einem politisch isolierten, aber noch immer mächtigen Trump ausgeht. Die Distanzierung von Politikern wie JD Vance ist ein Indiz für einen Generationenwechsel oder zumindest eine Neuausrichtung der Republikaner. Ob dies zu einer gemäßigteren Politik führt oder lediglich zu einer neuen Form des Populismus, bleibt abzuwarten. Die Rolle des Kongresses wird dabei entscheidend sein; Experten wie Röttgen und Hodges erwarten, dass die Legislative wieder eine stärkere Kontrollfunktion einnehmen wird, insbesondere bei der Unterstützung der Ukraine und der Eindämmung von Trumps Alleingängen im Nahen Osten.

Offene Fragen und Unsicherheiten

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für die weitere Entwicklung der USA von Bedeutung sind. Unklar bleibt beispielsweise, wie genau die iranische Führung auf die veränderte politische Lage in den USA reagieren wird. Während einige Experten vor einer Eskalation warnen, sehen andere die Chance für eine Rückkehr zur Diplomatie, doch konkrete Anzeichen für eine solche Entwicklung fehlen. Auch die genauen Auswirkungen der internen republikanischen Grabenkämpfe auf die Gesetzgebung im Kongress sind noch nicht absehbar. Ebenso bleibt offen, welche konkreten „Bauernopfer“ Trump tatsächlich bringen wird, um seine eigene Position zu retten, und ob diese Strategie innerhalb der Partei aufgehen wird. Die Rolle des Pentagons, in dem laut Berichten Chaos herrscht, bleibt ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor, der die außenpolitische Handlungsfähigkeit der USA in den kommenden Monaten massiv beeinflussen könnte. Die Frage, ob Trump tatsächlich als „Friedenspräsident“ in die Geschichte eingehen will oder ob er lediglich nach einer Bühne für seine Inszenierung sucht, bleibt Spekulation.

Wie es weitergeht: Ausblick auf die kommenden Monate

Die kommenden Monate werden für die USA und die internationale Gemeinschaft entscheidend sein. Im US-Parlament steht die Arbeit an, wobei der Kongress als politische Kraft wieder erwachen dürfte, um Trumps Umgang mit Russland und anderen Mächten kritisch zu begleiten. Für Politiker, die ihre Ambitionen auf das Weiße Haus nicht aufgeben wollen, wie etwa Außenminister Marco Rubio, wird die Zeit knapp: Ein Rücktritt könnte für sie der notwendige Schritt sein, um sich von der Ära Trump zu distanzieren und ein eigenes Profil zu schärfen. Militärexperten wie Lange betonen, dass das Zeitfenster für diplomatische Lösungen, etwa in der Ukraine, begrenzt ist. Es müsse jetzt über einen Energie-Waffenstillstand verhandelt werden, da sonst die Chance auf eine tragfähige Vereinbarung schwinden könnte. Die internationale Gemeinschaft beobachtet derweil genau, ob die US-Politik nach den Midterms zu einer stabileren Linie zurückfindet oder ob die „Rumpelstilzchen-Jahre“ Trumps erst den Anfang einer noch turbulenten Phase markieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/modernes-gebaude-mit-deutscher-flagge-im-winter-29864758/ · Foto: Cristiano Junior
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/illner-usa-midterms-trump-100.html