Ein Meilenstein für die 737-MAX-Familie
Nach einer langwierigen Wartezeit, die sich über mehrere Jahre erstreckte, hat Boeing einen wichtigen Erfolg erzielt: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat die Zertifizierung für die 737 MAX 7 erteilt. Damit ist der Weg frei für die Auslieferung des kleinsten Modells aus der erfolgreichen Flugzeugfamilie an die Kunden. Die Nachricht wurde an den Finanzmärkten positiv aufgenommen; der Aktienkurs des US-Konzerns reagierte mit einem Anstieg von rund fünf Prozent.
Die Zulassung markiert das Ende einer Phase, die ursprünglich bereits Ende 2022 hätte abgeschlossen sein sollen. In den vergangenen Monaten hatte Boeing intensiv an der Zertifizierung gearbeitet, wobei insbesondere die Überarbeitung des Anti-Eis-Systems der Triebwerke im Fokus stand. Laut Branchenexperten des Analysehauses Cirium sind bereits etwa 30 Maschinen dieses Typs fertiggestellt, während insgesamt über 280 Bestellungen für das Modell vorliegen.
Technische Eckdaten und Kapazitäten
Die 737 MAX 7 ist als kompaktes Modell konzipiert, das je nach gewählter Kabinenkonfiguration zwischen 135 und 160 Passagieren Platz bietet. Mit einer Reichweite von bis zu 7.000 Kilometern ist das Flugzeug für eine Vielzahl von Streckenprofilen ausgelegt. Für Boeing ist die nun erfolgte Freigabe essenziell, um den bestehenden Auftragsstau abzubauen und die Auslieferungsziele für das laufende Jahr zu erreichen.
Der Blick auf die 737 MAX 10
Während die MAX 7 nun einsatzbereit ist, steht die Zulassung für die größere Variante, die 737 MAX 10, noch aus. Vertreter der FAA äußerten sich jedoch optimistisch, dass die Zertifizierung für dieses Modell unmittelbar folgen könnte. Boeing strebt eine Zulassung bis Ende 2026 an. Der Zeitdruck ist spürbar, da bereits neun Maschinen des Typs MAX 10 auf ihre Auslieferung warten.
Herausforderndes Umfeld für den Flugzeugbauer
Die Zulassung fällt in eine Zeit, in der Boeing mit verschiedenen wirtschaftlichen und operativen Herausforderungen kämpft. Der Konzern steht unter finanziellem Druck, was sich unter anderem in den Quartalszahlen widerspiegelt. Insbesondere die Kostensteigerungen beim Projekt für das neue US-Präsidentenflugzeug, die sogenannte Air Force One, belasten die Bilanz erheblich. Im zweiten Quartal mussten hierfür erneut Abschreibungen in Höhe von 280 Millionen Dollar vorgenommen werden. Dies führte dazu, dass der bereinigte Verlust je Aktie deutlich über den Erwartungen der Analysten lag.
Sicherheitsgeschichte und Qualitätssicherung
Die Geschichte der 737-MAX-Reihe ist zudem von einer intensiven Aufarbeitung geprägt. Nach zwei Abstürzen, die weltweit für Entsetzen sorgten und 346 Todesopfer forderten, waren die Maschinen zwischen März 2019 und November 2020 für rund 20 Monate mit einem behördlichen Flugverbot belegt. Erst nach umfassenden Software-Updates und neuen Trainingsvorgaben durften die Flugzeuge wieder abheben.
In jüngster Zeit sah sich Boeing zudem mit verschiedenen Berichten über Qualitätsprobleme konfrontiert, die den Zertifizierungsprozess für neue Modelle zusätzlich verkomplizierten. Ein Vorfall im Januar 2024, bei dem sich ein Kabinenteil einer 737 MAX 9 während des Fluges löste, sowie weitere Zwischenfälle bei verschiedenen Fluggesellschaften, haben die öffentliche Aufmerksamkeit für die Sicherheitsstandards bei Boeing geschärft. Die erfolgreiche Zulassung der MAX 7 wird nun als ein notwendiger Schritt gewertet, um das Vertrauen in die Modellreihe langfristig zu stabilisieren und die operative Stabilität des Unternehmens zu erhöhen.