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Infantino mit Rundumschlag gegen Kritik an sich und der WM
Sport · 27.07.2026 12:02

Infantino mit Rundumschlag gegen Kritik an sich und der WM

Kurz: FIFA-Präsident Gianni Infantino weist Kritik an der WM 2026 und seiner Amtsführung scharf zurück. Er wirft Kritikern Hass vor und verteidigt umstrittene Entsche

Eine Abrechnung via Social Media

Nach dem Abschluss der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko hat sich FIFA-Präsident Gianni Infantino in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Über seinen bevorzugten Kommunikationskanal Instagram veröffentlichte er eine Serie von 15 Bildern, in denen er die Kritik an seiner Person sowie an der Durchführung des Turniers scharf zurückwies. Anstatt auf die inhaltlichen Kernpunkte der Vorwürfe einzugehen, wählte Infantino eine konfrontative Rhetorik gegenüber seinen Kritikern, denen er vorwarf, von „Hass“ geleitet zu sein und die Freude am Turnier verpasst zu haben.

Umstrittene Disziplinarurteile und der Fall Balogun

Ein zentraler Punkt der Kritik betraf die Disziplinarpolitik der FIFA, insbesondere die ausgesetzte Sperre gegen den US-Stürmer Folarin Balogun. Trotz einer roten Karte wurde die eigentlich obligatorische Sperre von der FIFA-Disziplinarkammer zur Bewährung ausgesetzt. Infantino bezeichnete solche Entscheidungen als „Alltag“ in den großen Profiligen der Welt und warf den europäischen Verbänden, darunter dem DFB, Doppelmoral vor. Er behauptete, dass Länder, die selbst ähnliche Praktiken anwendeten, nun unberechtigterweise Kritik übten.

Experten und europäische Verbände zeigten sich über diese Einschätzung verwundert. Die FIFA hatte in der Vergangenheit stets mit Sanktionen gedroht, sollten Sperren nicht konsequent umgesetzt werden, um die Autorität der Unparteiischen zu schützen. Besonders brisant bleibt der Hintergrund des Falls: Berichten zufolge hatte US-Präsident Donald Trump in einem Telefonat mit Infantino um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Obwohl beide eine direkte Einflussnahme bestritten, hinterließ der Vorgang Fragen zur Unabhängigkeit der FIFA-Gremien.

Einreisefragen und die Rolle der US-Behörden

Auch zu den Bedenken hinsichtlich der Einreisebestimmungen und der Rolle der US-Einwanderungsbehörde ICE nahm Infantino Stellung. Während vor dem Turnier Sorgen über die Praktiken der Behörden geäußert wurden, betonte der FIFA-Präsident die Sicherheit und das friedliche Miteinander während der Spiele. Er verwies auf Millionen zufriedener Fans und bezeichnete die Kritik an verweigerten Visa als Versuch, das Turnier zu diskreditieren.

Dem widersprechen Beobachter wie Ronan Evain vom Fanbündnis Football Supporters Europe. Laut Evain gab es kaum Belege dafür, dass Ticketinhaber aus Afrika und Asien tatsächlich Einreisevisa erhielten. Die im Stadion sichtbare Vielfalt sei primär auf lokale Diaspora-Gemeinschaften oder Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft zurückzuführen, die keine Visa benötigten. Selbst ein von der FIFA nominierter Schiedsrichter erhielt demnach keine Einreiseerlaubnis.

Diplomatie im Schatten des Konflikts

Ein weiteres Spannungsfeld bildete die Teilnahme des Iran, während die USA und das Land sich in einer politisch hochgradig angespannten Lage befanden. Infantino stilisierte die FIFA dabei als Friedensstifterin, die „unermüdlich“ daran gearbeitet habe, die Teilnahme des iranischen Teams zu ermöglichen. Die Realität war jedoch von strengen Auflagen geprägt, inklusive der Verlegung eines Trainingscamps nach Mexiko. Auch innerhalb der Stadien kam es zu Spannungen, als Regimegegner vorrevolutionäre Flaggen zeigten, was den iranischen Verband zu Drohungen mit einem Spielabbruch veranlasste. Infantino betonte dazu lediglich, dass es im Fußball um Einheit und nicht um Politik gehe.

Strategische Kommunikation vor der Wiederwahl

Die Art und Weise der Stellungnahme unterstreicht Infantinos Strategie, direkte Kommunikation über soziale Medien der klassischen Pressearbeit vorzuziehen. Seit 2023 gab es kaum offene Pressekonferenzen. Medienberichten zufolge investiert die FIFA Millionen in Agenturen, die den Instagram-Auftritt des Präsidenten betreuen, mit dem erklärten Ziel, die Wahrnehmung der FIFA zu verändern.

Mit Blick auf die Wiederwahl im Jahr 2027 scheint Infantinos Machtposition gefestigt. Es gibt bisher keine Gegenkandidaten, und die finanzielle Unterstützung für die Nationalverbände im Rahmen kommender Turniere, wie der WM 2030, sichert ihm breite Rückendeckung. Trotz der Kritik aus Europa zeichnet sich derzeit kein ernsthafter Widerstand gegen seine weitere Amtszeit ab.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-spielen-gras-sport-9367719/ · Foto: Omar Ramadan
Quelle: https://www.sportschau.de/fussball/fifa-wm-2026/infantino-mit-rundumschlag-gegen-kritik-an-sich-und-der-wm,wm-infantino-kritik-100.html