News aus aller Welt
Start
Junge Menschen trinken seltener Alkohol - Rauschtrinken weiter beliebt
Schlagzeilen · 03.09.2026 15:44

Junge Menschen trinken seltener Alkohol - Rauschtrinken weiter beliebt

Kurz: Die Drogenaffinitätsstudie 2025 zeigt: Junge Menschen in Deutschland trinken seltener Alkohol, doch Rauschtrinken bleibt bei jungen Männern ein großes Problem.

Ein Rückgang des Konsums bei jungen Menschen

Die aktuelle Drogenaffinitätsstudie 2025, die vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) veröffentlicht wurde, liefert neue Erkenntnisse zum Trinkverhalten der jungen Generation in Deutschland. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Während der allgemeine Alkoholkonsum unter Minderjährigen und jungen Erwachsenen einen erfreulichen Abwärtstrend zeigt und regelmäßiges Trinken so unbeliebt ist wie nie zuvor, bleibt ein spezifisches Phänomen weiterhin besorgniserregend. Das sogenannte Rauschtrinken, bei dem innerhalb kurzer Zeit große Mengen Alkohol konsumiert werden, ist nach wie vor weit verbreitet. Besonders auffällig ist dabei die Diskrepanz zwischen den Geschlechtern. Während die Häufigkeit des Trinkens insgesamt sinkt und das Einstiegsalter für den ersten Alkoholkonsum gestiegen ist, hält sich die Neigung zu exzessivem Alkoholkonsum, insbesondere bei jungen Männern, auf einem konstant hohen Niveau. Die Studie basiert auf einer umfangreichen Datenerhebung, die zwischen April und Juli 2025 durchgeführt wurde und 7.001 junge Menschen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren umfasste. Die Daten legen nahe, dass die gesellschaftliche Entwicklung beim Umgang mit Alkohol zwar in eine positive Richtung weist, jedoch noch lange kein Grund für eine Entwarnung besteht.

Die statistischen Details der Erhebung

Die Zahlen der Studie sind eindeutig und belegen einen historischen Tiefstand beim regelmäßigen Alkoholkonsum seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1973. Unter den jungen Männern gaben 34,7 Prozent an, in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal wöchentlich Alkohol konsumiert zu haben. Bei den jungen Frauen liegt dieser Wert deutlich niedriger bei 14,3 Prozent. Betrachtet man die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen, so trinken 9,2 Prozent der Jungen und 4,1 Prozent der Mädchen mindestens einmal pro Woche Alkohol. Auch das Einstiegsalter hat sich nach hinten verschoben. Im vergangenen Jahr hatten 60,7 Prozent der männlichen und 57 Prozent der weiblichen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken. Dies entspricht einem Rückgang von rund einem Drittel gegenüber dem Jahr 2001. Die Definition des Rauschtrinkens in der Studie ist präzise: Es handelt sich um den Konsum von mindestens fünf Gläsern Alkohol bei einer einzigen Gelegenheit innerhalb der 30 Tage vor der Befragung. Trotz des allgemeinen Rückgangs beim regelmäßigen Trinken zeigt sich hier die Persistenz des Problems: Fast die Hälfte aller jungen Männer neigt zeitweise zu exzessivem Konsum.

Der Hintergrund der aktuellen Entwicklung

Die Drogenaffinitätsstudie 2025 ist Teil einer regelmäßig durchgeführten Erhebungsreihe des BIÖG, die das Ziel verfolgt, die Trends beim Substanzkonsum junger Menschen in Deutschland präzise abzubilden. Der Vergleich zu früheren Erhebungsjahren verdeutlicht die Dynamik des Trinkverhaltens. Ein Blick auf die Historie zeigt, dass das Rauschtrinken bei jungen Männern zwischen 18 und 25 Jahren im Jahr 2023 noch bei 46,2 Prozent lag, während der Wert für 2025 mit 45,8 Prozent nur minimal gesunken ist. Einzig während der Corona-Pandemie im Jahr 2021 gab es einen deutlichen Einbruch auf 37,8 Prozent, was vermutlich auf die eingeschränkten sozialen Kontaktmöglichkeiten zurückzuführen ist. Bei jungen Frauen ist hingegen ein deutlicherer Rückgang des Rauschtrinkens zu verzeichnen: Hier sank der Anteil von 32,0 Prozent im Jahr 2023 auf 26,1 Prozent im Jahr 2025. Diese historischen Datenreihen ermöglichen es den Experten, die Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen und gesellschaftlichen Veränderungen besser einzuschätzen, wobei die Daten zeigen, dass die Fortschritte bei den Frauen derzeit schneller voranschreiten als bei den Männern.

Die Akteure und ihre Einschätzungen

Im Zentrum der politischen Debatte steht der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck. Der CDU-Politiker bewertet die Ergebnisse der Studie als ein wichtiges Signal, warnt jedoch eindringlich vor einer verfrühten Entspannung der Lage. Streeck betont, dass die sinkenden Zahlen beim regelmäßigen Konsum zwar ermutigend seien, aber keinesfalls dazu führen dürften, die gesundheitlichen Risiken des Rauschtrinkens zu unterschätzen. Er spricht sich dezidiert für eine Verschärfung der Jugendschutzregeln aus. Ein zentraler Punkt seiner Agenda ist die Abschaffung des sogenannten begleiteten Trinkens für Jugendliche ab 14 Jahren, eine Maßnahme, die er als längst überfällig bezeichnet. Die Bundesregierung unterstützt diesen Kurs mit dem Ziel der verstärkten Suchtprävention. Die Institutionen, allen voran das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), liefern mit der Drogenaffinitätsstudie die wissenschaftliche Basis für diese politischen Entscheidungen. Die Akteure sind sich einig, dass der Jugendschutz dort am konsequentesten sein muss, wo die gesundheitlichen Gefahren am größten sind, was den Fokus auf das Rauschtrinken erklärt.

Einordnung der Studienergebnisse

Einzuordnen ist das Ergebnis so: Die Studie zeigt eine gespaltene Realität. Einerseits ist ein kultureller Wandel erkennbar, bei dem Alkohol für eine wachsende Zahl Jugendlicher an Bedeutung verliert oder zumindest seltener konsumiert wird. Den Berichten zufolge ist das Bewusstsein für die Risiken gestiegen, was sich in der Verschiebung des Einstiegsalters widerspiegelt. Andererseits zeigt die Beharrlichkeit des Rauschtrinkens bei jungen Männern, dass exzessiver Konsum weiterhin fest in bestimmten sozialen Kontexten verankert ist. Die Zahlen deuten darauf hin, dass die bisherigen Präventionsmaßnahmen zwar den moderaten Konsum erfolgreich senken, aber bei der Zielgruppe der jungen Männer, die zu exzessivem Trinken neigen, noch nicht die gewünschte Wirkung entfalten. Die hohe Prävalenz des Rauschtrinkens trotz sinkender allgemeiner Konsumzahlen ist ein Indikator dafür, dass Alkohol bei jungen Männern weiterhin als Mittel zur sozialen Interaktion oder zur Grenzüberschreitung genutzt wird, was eine spezifische Herausforderung für die Suchtprävention darstellt.

Offene Fragen und verbleibende Lücken

Obwohl die Drogenaffinitätsstudie 2025 sehr detaillierte Daten liefert, bleiben einige Fragen unbeantwortet. Der Quelltext gibt beispielsweise keine Auskunft darüber, welche spezifischen sozialen oder psychologischen Motive die jungen Männer dazu bewegen, trotz des allgemeinen Trends weiterhin exzessiv zu trinken. Ebenso bleibt unklar, welche konkreten Faktoren für den deutlichen Rückgang des Rauschtrinkens bei jungen Frauen zwischen 2023 und 2025 verantwortlich sind. Es wird nicht explizit analysiert, ob veränderte Freizeitangebote, ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein oder andere sozioökonomische Faktoren den Ausschlag gegeben haben. Auch die genauen Auswirkungen der geplanten Gesetzesänderungen auf das tatsächliche Verhalten der Jugendlichen können zum jetzigen Zeitpunkt nur prognostiziert werden. Die Studie liefert eine Bestandsaufnahme, lässt jedoch offen, wie genau die Präventionsarbeit in Zukunft gestaltet werden soll, um speziell die männliche Zielgruppe effektiver zu erreichen und das Rauschtrinken nachhaltig zu senken.

Wie es weitergeht

Die politische Marschrichtung ist durch die Bundesregierung bereits vorgegeben. Das erklärte Ziel ist die Abschaffung des sogenannten begleiteten Trinkens für Jugendliche ab 14 Jahren. Diese Maßnahme soll als präventiver Schritt in den Jugendschutz integriert werden. Die Debatte um diese Änderung ist bereits in vollem Gange, wobei Akteure wie der Suchtbeauftragte Hendrik Streeck die Dringlichkeit unterstreichen. Es ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse der Drogenaffinitätsstudie 2025 als wissenschaftliche Grundlage für die weitere Gesetzgebung dienen werden. Die Bundesregierung wird die nächsten Schritte zur Umsetzung der geplanten Verschärfungen im Jugendschutz einleiten, um die gesundheitlichen Risiken für Minderjährige zu minimieren. Weitere Studien des BIÖG werden in den kommenden Jahren zeigen müssen, ob diese gesetzlichen Anpassungen in Kombination mit der bestehenden Präventionsarbeit ausreichen, um den exzessiven Alkoholkonsum, insbesondere bei jungen Männern, auf ein niedrigeres Niveau zu bringen. Die Entwicklung bleibt somit ein zentraler Punkt der gesundheitspolitischen Agenda.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/mann-im-roten-rundhalsausschnitt-t-shirt-mit-klarem-trinkbecher-3800043/ · Foto: Andrea Piacquadio
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/alkoholkonsum-jugendliche-studie-100.html