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Geschwindigkeitsrekord im All: Dieser Stern ist 100.000-mal schneller als ein Flugzeug
Technik · 21.08.2026 11:55

Geschwindigkeitsrekord im All: Dieser Stern ist 100.000-mal schneller als ein Flugzeug

Kurz: Astronomen haben mit S301 den schnellsten Stern der Milchstraße entdeckt, der mit 8 Prozent der Lichtgeschwindigkeit um das zentrale Schwarze Loch rast.

Ein neuer Geschwindigkeitsrekord im Herzen der Milchstraße

In den Tiefen unserer Galaxie haben Wissenschaftler ein astronomisches Phänomen von bemerkenswerter Dynamik identifiziert. Der Stern, der unter der wissenschaftlichen Bezeichnung S301 katalogisiert wurde, hat sich als das schnellste bekannte Objekt seiner Art innerhalb der Milchstraße herausgestellt. Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von etwa 25.000 Kilometern pro Sekunde bewegt sich dieser Himmelskörper durch das All. Um diese enorme Zahl greifbar zu machen: Dies entspricht rund acht Prozent der Lichtgeschwindigkeit und übertrifft die Geschwindigkeit eines herkömmlichen Verkehrsflugzeugs um den Faktor 100.000. Diese Entdeckung, die kürzlich in einer Publikation des renommierten Fachmagazins Nature detailliert beschrieben wurde, markiert einen Meilenstein in der modernen Astrophysik. Die Beobachtungen wurden durch die Europäische Südsternwarte (ESO) koordiniert und werfen ein neues Licht auf die extremen Bedingungen, die in unmittelbarer Nähe des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxie, bekannt als Sagittarius A*, herrschen. Die enorme kinetische Energie von S301 macht ihn zu einem einzigartigen Forschungsobjekt, das die Grenzen dessen, was wir über stellare Umlaufbahnen zu wissen glaubten, neu definiert und die Wissenschaftsgemeinschaft weltweit in Staunen versetzt.

Die technischen Details der Beobachtung und die Rolle von Gravity+

Die Identifizierung von S301 war nur durch den Einsatz modernster astronomischer Instrumentierung möglich. Das Forschungsteam nutzte das Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der Europäischen Südsternwarte, das sich am Paranal-Observatorium in Chile befindet. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg war das Instrument Gravity, welches im Rahmen eines umfassenden Infrastruktur-Upgrades zu Gravity+ weiterentwickelt wurde. Die technologische Brillanz des VLTI liegt in der Fähigkeit, das einfallende Licht von vier einzelnen 8-Meter-Teleskopen präzise zu kombinieren. Dadurch wird ein virtuelles Teleskop geschaffen, das eine räumliche Auflösung erreicht, die 15-mal höher ist als die eines einzelnen 8-Meter-Spiegels. Frank Eisenhauer, der als wissenschaftlicher Leiter von Gravity+ und Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) fungiert, betonte in der offiziellen Pressemitteilung, dass der Standort Paranal aufgrund dieser spezifischen technischen Konfiguration weltweit einzigartig sei. Ohne diese beispiellose Kombination aus Lichtbündelung und interferometrischer Präzision wäre es nicht möglich gewesen, die exzentrische und extrem enge Umlaufbahn von S301 mit einer solchen Genauigkeit zu vermessen und die physikalischen Parameter des Sterns zweifelsfrei zu bestimmen.

Der wissenschaftliche Kontext: Einsteins Theorie auf dem Prüfstand

Die Bedeutung von S301 für die Wissenschaft geht weit über den reinen Geschwindigkeitsrekord hinaus. Im Zentrum der Milchstraße befindet sich Sagittarius A*, ein supermassereiches Schwarzes Loch, von dem Astronomen annehmen, dass es um seine eigene Achse rotiert. Gemäß der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein führt ein rotierendes Schwarzes Loch zu einem Phänomen, bei dem die Raumzeit in unmittelbarer Nähe mitgerissen und verzerrt wird. Dieser als Frame-Dragging bekannte Effekt beeinflusst die Bahnen von Objekten, die dem Schwarzen Loch sehr nahe kommen. S301 ist hierfür das ideale Untersuchungsobjekt, da er eine außergewöhnlich enge Umlaufbahn aufweist. Er benötigt lediglich 8,7 Jahre für eine vollständige Umkreisung und nähert sich Sagittarius A* bis auf das Zwölffache der Distanz zwischen Erde und Sonne an. Felix Mang, Doktorand am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München, hebt hervor, dass eine solche Konstellation ohne Beispiel ist. Die Hoffnung der Forscher besteht darin, durch die präzise Beobachtung dieses Sterns innerhalb der nächsten zehn Jahre den Spin, also die Rotation des Schwarzen Lochs, direkt messen zu können, was einen direkten Test für Einsteins Theorien darstellt.

Die Akteure und Institutionen hinter der Entdeckung

Die Entdeckung von S301 ist das Ergebnis einer internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Maßgeblich beteiligt ist das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching, das durch Experten wie Frank Eisenhauer, Stefan Gillessen und Felix Mang vertreten wird. Während Eisenhauer die wissenschaftliche Leitung des Gravity+-Projekts innehat, fungiert Stefan Gillessen als leitender Wissenschaftler am MPE und Mitautor der Studie. Die Europäische Südsternwarte (ESO) stellt mit ihrem Paranal-Observatorium in Chile die notwendige Infrastruktur bereit, ohne die eine derartige Beobachtung nicht möglich wäre. Auch externe Experten wie der Astrophysiker Ziri Younsi vom University College in London, der nicht direkt an der Studie beteiligt war, ordnen die Ergebnisse als einen bedeutenden Durchbruch ein. Younsi betonte gegenüber dem Guardian die Wichtigkeit der Entdeckung und bezeichnete die beobachteten Geschwindigkeiten als schlichtweg außergewöhnlich. Die Zusammenarbeit dieser verschiedenen Institutionen und die Vernetzung von theoretischer Physik mit hochspezialisierter Beobachtungstechnik bilden das Rückgrat dieser bahnbrechenden astrophysikalischen Arbeit.

Einordnung der Ergebnisse und die Natur Schwarzer Löcher

Einzuordnen ist diese Entdeckung als ein entscheidender Schritt zum Verständnis der galaktischen Entwicklung. Die Forscher betonen, dass S301 trotz seiner extremen Nähe zu Sagittarius A* nicht Gefahr läuft, den Ereignishorizont zu überschreiten – jene Grenze, ab der ein Entkommen aus dem gravitativen Sog physikalisch unmöglich wäre. Stefan Gillessen und sein Team räumen mit dem populärwissenschaftlichen Bild auf, Schwarze Löcher seien eine Art „kosmische Staubsauger“, die wahllos Materie verschlingen. Stattdessen handelt es sich um massereiche Objekte, die ihre Umgebung durch Gravitation und Raumzeitkrümmung prägen, während sie selbst Teil einer stabilen Umlaufdynamik sind. Den Berichten zufolge bietet S301 eine perfekte Kombination aus einer stark exzentrischen und einer sehr engen Umlaufbahn, die es erlaubt, die Auswirkungen der allgemeinen Relativitätstheorie in einem extremen Umfeld zu beobachten. Dies ist ein entscheidender Test für unser Verständnis der Gravitation, da die beobachteten Effekte umso stärker hervortreten, je näher ein Objekt einem schnell rotierenden Schwarzen Loch kommt. Die Bestimmung der Rotation von Sagittarius A* durch die Bahn von S301 wäre somit ein fundamentaler Baustein für die moderne Kosmologie.

Offene Fragen und die Zukunft der Forschung

Obwohl die Entdeckung von S301 weitreichende Möglichkeiten bietet, bleiben einige Aspekte der Forschung offen. Der Quelltext liefert keine Informationen darüber, wie S301 ursprünglich in diese extrem enge Umlaufbahn gelangt ist oder ob es in der Vergangenheit zu Wechselwirkungen mit anderen Objekten in der Nähe des galaktischen Zentrums kam. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Messung des Spins des Schwarzen Lochs innerhalb des anvisierten Zeitrahmens von zehn Jahren tatsächlich mit der gewünschten Präzision gelingen wird, da dies von der weiteren Stabilität der Beobachtungsbedingungen und der technischen Performance von Gravity+ abhängt. Auch wird nicht explizit thematisiert, ob es weitere Sterne mit ähnlichen Eigenschaften in der Umgebung von Sagittarius A* gibt, die als Vergleichsobjekte dienen könnten. Die konkreten Auswirkungen der gemessenen Raumzeitverzerrung auf die langfristige Stabilität der Umlaufbahn von S301 über Zeiträume von mehr als einem Jahrzehnt hinaus sind ebenfalls nicht detailliert ausgeführt. Diese Lücken im aktuellen Kenntnisstand unterstreichen, dass die Entdeckung von S301 zwar einen Meilenstein darstellt, die wissenschaftliche Arbeit in diesem Bereich jedoch gerade erst an Fahrt aufnimmt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/hande-smartphone-laptop-arbeiten-20044367/ · Foto: Airam Dato-on
Quelle: https://t3n.de/news/geschwindigkeitsrekord-im-all-stern-100000-mal-schneller-als-flugzeug-1759038/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed