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Gefangen in der Zeitschleife: Warum Sterne am Schwarzen Loch an Leuchtkraft verlieren
Technik · 23.08.2026 13:24

Gefangen in der Zeitschleife: Warum Sterne am Schwarzen Loch an Leuchtkraft verlieren

Kurz: Ein Forschungsteam der Syracuse University klärt, warum Sterne bei wiederkehrenden Begegnungen mit Schwarzen Löchern stetig an Leuchtkraft verlieren.

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Ein Forschungsteam der Syracuse University im US-Bundesstaat New York hat ein langjähriges Rätsel der Astrophysik gelöst. Es geht um das Phänomen, dass Sterne, die ein supermassereiches Schwarzes Loch auf einer elliptischen Umlaufbahn umkreisen, bei jedem Vorbeiflug Lichtausbrüche erzeugen, deren Intensität jedoch mit der Zeit stetig abnimmt. Lange Zeit war unklar, warum diese Leuchterscheinungen – in der Fachsprache als Tidal-Disruption-Events bekannt – bei wiederholten Begegnungen schwächer werden. Die Wissenschaftler um die Erstautorin und Doktorandin Ananya Bandopadhyay konnten nun nachweisen, dass die Eigendrehung der Sterne eine entscheidende Rolle spielt. Wenn ein Stern mit einer extrem hohen Rotationsgeschwindigkeit in den gravitativen Einflussbereich eines Schwarzen Lochs gerät, verändert dies den Masseverlust bei jedem weiteren Umlauf maßgeblich. Diese Erkenntnis, die kürzlich im Fachmagazin The Astrophysical Journal veröffentlicht wurde, liefert eine schlüssige physikalische Erklärung für ein Verhalten, das bei etwa vier von zehn bisher identifizierten wiederkehrenden Systemen beobachtet wurde. Die Studie verdeutlicht, wie komplexe gravitative Wechselwirkungen und die innere Dynamik von Sternen das Schicksal dieser Himmelskörper bei ihrer gefährlichen Reise in der Nähe eines galaktischen Zentrums bestimmen.

Die Einzelheiten – Zahlen und Fakten

Die Forschungsgruppe, bestehend aus Ananya Bandopadhyay, Benjamin Amend und Eric Coughlin, hat ihre Ergebnisse auf Basis hydrodynamischer Simulationen gewonnen. Supermassereiche Schwarze Löcher, die in den Zentren der meisten Galaxien zu finden sind, besitzen eine millionen- bis milliardenfache Sonnenmasse. Wenn ein Stern diesen Objekten zu nahe kommt, führen die enormen Gezeitenkräfte zu einer partiellen oder vollständigen Zerstörung des Sterns. Das dabei freigesetzte Material fällt in Richtung des Schwarzen Lochs und setzt dabei Energie in Form von hellen Lichtblitzen frei, die über Zeiträume von Tagen bis hin zu Monaten anhalten können. Die Untersuchung stützt sich auf Daten von breit angelegten Himmelsdurchmusterungen, die kontinuierlich nach Helligkeitsveränderungen suchen. Von den bisher etwa zehn bekannten Systemen, in denen Sterne wiederholt an einem Schwarzen Loch vorbeiziehen, zeigten vier eine kontinuierliche Abnahme der Helligkeit. Die Forscher betonen, dass die innere Struktur des Sterns entscheidend ist: Während massearme Sterne eher wie ein lockeres Geflecht reagieren und den Kräften schutzlos ausgeliefert sind, bewahren massereichere Sterne mit einer schalenförmigen, zentralisierten Struktur ihren Kern, verlieren jedoch bei jedem Umlauf äußere Schichten, was das Leuchten bei jedem weiteren Durchgang reduziert.

Hintergrund – Die Entstehung des Rätsels

Die Wissenschaft stand vor der Herausforderung, dass bisherige Computermodelle die beobachteten Daten nicht vollständig erklären konnten. Zwar war bekannt, dass Sterne bei jedem Vorbeiflug Masse verlieren, doch der spezifische Helligkeitsverlust der Flares blieb über zwei Jahre hinweg ein Rätsel. Die Forscher rätselten, warum der Masseverlust zwar logisch erscheint, die Lichtausbrüche aber nicht in der erwarteten Weise korrelierten. Frühere Modelle gingen davon aus, dass das Schwarze Loch durch zusätzliche Drehmomente die Rotation des Sterns bei jedem Vorbeiflug weiter beschleunigt. Die aktuelle Studie zeigt jedoch, dass die Sterne bereits mit einer sehr hohen Eigengeschwindigkeit in das System eintreten müssen. Wenn diese Rotationsgeschwindigkeit annähernd konstant bleibt, verkürzt sich die Zeitspanne nicht, in der das abgerissene Material in das Gravitationszentrum zurückfällt. Da bei jedem Durchlauf schlichtweg weniger Masse abgetragen wird, verringert sich folglich die Leuchtkraft der Ausbrüche. Die Herkunft dieser hohen Eigengeschwindigkeit konnte ebenfalls geklärt werden, indem man den sogenannten Hills-Mechanismus in die Analyse einbezog, der erklärt, wie Sterne aus engen Doppelsternsystemen überhaupt erst in diese gefährliche Umlaufbahn gelangen.

Die Beteiligten – Institutionen und Personen

Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit steht das Team der Syracuse University im US-Bundesstaat New York. Die Erstautorin Ananya Bandopadhyay, die als Doktorandin maßgeblich an der Studie beteiligt war, arbeitete eng mit ihren Kollegen Benjamin Amend und Eric Coughlin zusammen. Ihre Forschung wurde im renommierten Fachmagazin The Astrophysical Journal publiziert, was die wissenschaftliche Relevanz der Ergebnisse unterstreicht. Neben den beteiligten Forschern spielen auch die Institutionen eine Rolle, die durch ihre technologische Infrastruktur, wie etwa die breit angelegten Himmelsdurchmusterungen, die notwendigen Beobachtungsdaten liefern. Diese Daten sind essenziell, um die theoretischen Modelle der Physiker mit der Realität abzugleichen. Die Studie bezieht sich zudem auf Erkenntnisse, die durch Simulationen gewonnen wurden, welche die gravitativen Prozesse in der Nähe von supermassereichen Schwarzen Löchern visualisieren. Die Arbeit der Forschergruppe aus Syracuse stellt somit eine Brücke zwischen theoretischer Astrophysik und beobachtender Astronomie dar, indem sie die Dynamik von Sternenpopulationen in extremen Umgebungen neu bewertet und für die Fachwelt greifbar macht.

Einordnung – Die Bedeutung der Erkenntnisse

Einzuordnen ist das so: Die Studie liefert nicht nur eine Erklärung für weit entfernte, exotische Phänomene im Universum, sondern hat auch eine hohe Relevanz für unsere eigene galaktische Umgebung. Den Berichten zufolge könnte dieser Prozess eine bislang unterschätzte Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Sternpopulationen spielen, die das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum unserer Milchstraße umkreisen. Die Herkunft dieser Sterne war bisher nicht vollständig geklärt, doch die neuen Berechnungen aus Syracuse bieten einen plausiblen Erklärungsansatz. Die Forscher zeigen auf, dass die Kopplung in Doppelsternsystemen – ähnlich wie die gebundene Rotation des Mondes zur Erde – eine extreme Eigendrehung erzwingt. Wenn der Hills-Mechanismus ein solches System zerreißt, wird der eingefangene Partnerstern mit diesem enormen Drehimpuls in die Nähe des Schwarzen Lochs geschleudert. Dies verändert das Verständnis darüber, wie Sterne in galaktischen Zentren überleben oder zerstört werden. Die Arbeit ist somit ein wichtiger Baustein, um die komplexe Dynamik in den Herzen von Galaxien besser zu verstehen und die beobachteten Lichtphänomene präziser zu interpretieren.

Offene Fragen – Was noch geklärt werden muss

Obwohl die Studie eine schlüssige Erklärung für das Abklingen der Leuchtkraft bei wiederkehrenden Tidal-Disruption-Events liefert, bleiben einige Aspekte der Forschung offen. Der Quelltext benennt nicht, wie viele solcher Systeme im gesamten Universum existieren könnten, da die bisherigen Beobachtungen nur einen kleinen Bruchteil der möglichen Ereignisse abdecken. Auch bleibt unklar, welche Rolle die chemische Zusammensetzung der Sterne bei der Zerstörung spielt, da die Studie primär auf der Struktur und der Rotation basiert. Zudem wird nicht explizit beantwortet, ob es neben dem Hills-Mechanismus noch andere physikalische Prozesse gibt, die zu einer derart hohen Eigendrehung führen könnten, oder ob dieser Mechanismus der alleinige Treiber für alle beobachteten Fälle ist. Die Frage, wie lange ein Stern diesen Prozess überstehen kann, bevor er vollständig zerfällt oder aus dem System geschleudert wird, wird ebenfalls nicht detailliert quantifiziert. Die Wissenschaftler haben zwar den Mechanismus des Leuchtkraftverlusts identifiziert, doch die langfristige Entwicklung der betroffenen Sterne bleibt ein Feld für weitere, detailliertere Untersuchungen und Beobachtungen durch kommende Teleskopgenerationen.

Wie es weitergeht – Ausblick und Forschung

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe aus Syracuse bilden eine Grundlage für künftige Beobachtungen und Modellierungen. Die Forscher gehen davon aus, dass ihre Berechnungen in Zukunft dazu dienen werden, die Populationen von Sternen in der Nähe von Sagittarius A* präziser zu klassifizieren. Da die astronomische Gemeinschaft kontinuierlich neue Daten aus Himmelsdurchmusterungen erhält, wird es möglich sein, die Theorie der hohen Eigendrehung an weiteren, neu entdeckten Systemen zu testen. Die Arbeit der Wissenschaftler zeigt auf, dass die präzise Einordnung lokaler Phänomene in der Milchstraße durch die Anwendung dieser neuen Modelle massiv verbessert werden kann. Es ist davon auszugehen, dass weitere Studien folgen werden, die untersuchen, wie sich die Rotation auf die langfristige Stabilität von Sternen in gravitativen Extremsituationen auswirkt. Die Fachwelt wird nun prüfen, ob die in der Studie beschriebenen Prozesse auch in anderen Galaxien mit ähnlichen Schwarzen Löchern nachweisbar sind. Damit bleibt die Forschung an der Schnittstelle von Gravitationsphysik und Sternentwicklung ein hochdynamisches Feld, das durch die Arbeit von Bandopadhyay und ihrem Team einen wesentlichen Impuls erhalten hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/originaler-apple-macintosh-computer-im-australian-national-communication-museum-ausgestellt-29075296/ · Foto: Harry Tucker
Quelle: https://t3n.de/news/schwarze-loecher-sterne-rotation-lichtausbrueche-1759416/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed