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Kommentar zur Eröffnung der Buchmesse: Bros und Dudes, wo sind die Frauen?
Regional · 07.10.2026 19:02

Kommentar zur Eröffnung der Buchmesse: Bros und Dudes, wo sind die Frauen?

Kurz: Das offizielle Gruppenfoto der Frankfurter Buchmesse sorgt für Kritik: Elf Männer und nur eine Frau stehen unter dem Motto 'This changes everything'.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, eines der bedeutendsten kulturellen Ereignisse in Deutschland, wurde in diesem Jahr von einer visuellen Darstellung begleitet, die für erhebliches Aufsehen und Kritik sorgte. Im Zentrum der Debatte steht das offizielle Gruppenfoto, das im Rahmen der feierlichen Eröffnungszeremonie aufgenommen wurde. Auf diesem Bild sind insgesamt zwölf Personen zu sehen, die als Repräsentanten der Branche und der Politik fungieren. Die Zusammensetzung dieses Gremiums ist dabei auffällig einseitig: Elf Männer und lediglich eine einzige Frau bilden die Gruppe, die sich unter dem diesjährigen, fast schon ironisch wirkenden Messe-Motto „This changes everything“ (Das verändert alles) versammelt hat. Die Autorin Grete Götze thematisiert in ihrem Kommentar die Diskrepanz zwischen diesem Anspruch auf Fortschrittlichkeit und der gelebten Realität auf der Bühne. Die Frankfurter Buchmesse, die sich selbst als Ort des intellektuellen Austauschs und der gesellschaftlichen Reflexion versteht, sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, ob eine solche Inszenierung noch zeitgemäß ist. Die Kritik richtet sich dabei nicht nur an die Veranstalter der Messe selbst, sondern auch an die beteiligten politischen Institutionen, die durch ihre hochrangigen Vertreter auf dem Foto präsent sind. Es stellt sich die grundlegende Frage, wie eine Branche, die für sich beansprucht, progressiv und zukunftsorientiert zu sein, eine derart männlich dominierte Repräsentation zulassen kann, während die gesellschaftliche Realität in Deutschland, in der mehr Frauen als Männer leben, völlig anders aussieht. Die Symbolik des Fotos steht in einem scharfen Kontrast zum inhaltlichen Anspruch der Veranstaltung.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und Orte

Das besagte Gruppenfoto wurde am 7. Oktober 2026 im Kontext der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse aufgenommen. Die Liste der abgebildeten Personen verdeutlicht die hohe politische und institutionelle Ebene, auf der die Veranstaltung stattfindet. In der ersten Reihe, von rechts nach links, sind der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef, der hessische Kunstminister Timon Gremmels, der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Sebastian Guggolz, der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der tschechische Kulturminister Oto Klempíř sowie der scheidende Direktor der Buchmesse Juergen Boos zu sehen. Die einzige Frau, die auf diesem offiziellen Bild vertreten ist, wird als die tschechische Projektleiterin Jana Hájková identifiziert. Die Bildrechte liegen bei der Frankfurter Buchmesse, fotografiert wurde das Motiv von Gian-Luca Heiser. Die Aufzählung der männlichen Akteure ließe sich laut der Autorin noch weiter fortsetzen, was die strukturelle Dominanz unterstreicht. Im Gegensatz dazu erinnert der Kommentar an frühere Jahre, in denen die personelle Zusammensetzung deutlich vielfältiger war. So werden Namen wie die ehemalige hessische Kunstministerin Angela Dorn, die ehemalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth und die ehemalige Vorsteherin des Börsenvereins Karin Schmidt-Friderichs genannt. Auch die ehemalige Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth, wird als Beispiel für eine souveräne weibliche Präsenz angeführt, die sich in einem von Männern dominierten Umfeld behaupten konnte. Die aktuelle Konstellation wirkt vor diesem historischen Hintergrund wie ein Rückschritt in der Repräsentationskultur der Messe.

Hintergrund – Vorgeschichte und bisheriger Verlauf

Der aktuelle Zustand ist das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über Jahre hinweg verändert hat. In der Vergangenheit war die Frankfurter Buchmesse ein Ort, an dem Frauen in einflussreichen Positionen deutlich sichtbarer waren. Der Kommentar verweist explizit auf das Jahr 2020, ein Jahr, das durch die Corona-Pandemie geprägt war, in dem jedoch bei der Eröffnung mit Karin Schmidt-Friderichs und Monika Grütters zwei einflussreiche Frauen eine zentrale Rolle einnahmen. Diese Zeiten, in denen eine paritätische oder zumindest diversere Besetzung der Bühne möglich war, scheinen nun in der Wahrnehmung der Autorin der Vergangenheit anzugehören. Die Kritik richtet sich auch gegen die veränderte politische Kultur. Während etwa Monika Grütters als Kulturstaatsministerin ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zur Verlagsbranche pflegte, wird dem amtierenden Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ein eher distanziertes Verhältnis attestiert. Ihm wird vorgeworfen, sich in die Berliner Kulturförderung einzumischen, anstatt die Freiheit der Kunst zu wahren. Auch der Vergleich zu Claudia Roth, die als Grüne Politikerin eine allumarmende und präsente Rolle einnahm, fällt negativ aus, da Weimer bei wichtigen Terminen wie dem Berliner Theatertreffen durch Abwesenheit glänzte. Diese personellen und kulturellen Verschiebungen innerhalb der Institutionen haben dazu geführt, dass die Sichtbarkeit von Frauen in der ersten Reihe der Buchmesse drastisch abgenommen hat, was nun in der aktuellen Kritik gipfelt.

Die Beteiligten – Wer ist betroffen und wer entscheidet?

Die Liste der Beteiligten umfasst sowohl die Akteure auf dem Foto als auch die Institutionen, die diese repräsentieren. Auf der politischen Ebene sind dies der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef, der hessische Kunstminister Timon Gremmels sowie der Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Auf der institutionellen Seite stehen der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, vertreten durch seinen neuen Vorsteher Sebastian Guggolz, und die Frankfurter Buchmesse, repräsentiert durch den scheidenden Direktor Juergen Boos. Auch der tschechische Kulturminister Oto Klempíř und die Projektleiterin Jana Hájková sind als internationale Akteure Teil dieser Konstellation. Die Entscheidung, wer bei einer solchen Eröffnung auf der Bühne steht, liegt bei den planenden Institutionen. Die Autorin Grete Götze, als Kulturredakteurin der hessenschau, fungiert hier als kritische Beobachterin, die die Verantwortung bei den Institutionen und Parteien verortet. Sie betont, dass es sich nicht um ein individuelles Versagen der einzelnen Männer handelt – sie hebt explizit hervor, dass etwa Sebastian Guggolz einen exzellenten Job mache –, sondern um ein strukturelles Problem der Planung. Die Parteien, die den Anspruch erheben, Volksparteien zu sein, stehen in der Pflicht, die gesellschaftliche Vielfalt in ihren Repräsentationsgremien abzubilden. Die betroffene Gruppe ist somit die gesamte Branche und die Öffentlichkeit, die durch diese Bilder ein bestimmtes Signal über die Machtverhältnisse im Kulturbetrieb erhält.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das so: Das Foto ist ein Symptom für eine mangelnde Sensibilität bei der Besetzung von Schlüsselpositionen und bei der Planung öffentlicher Auftritte. Den Berichten zufolge ist die Kritik der Autorin als Appell zu verstehen, dass Geschlecht und Herkunft in einer modernen Gesellschaft keine Rolle bei der Besetzung von Führungspositionen spielen sollten. Die Diskrepanz zwischen dem Motto „This changes everything“ und der Realität des Fotos wird als eklatanter Widerspruch wahrgenommen. Die Autorin bewertet die aktuelle Situation als einen Rückschritt im Vergleich zu früheren Jahren, in denen Frauen wie Angela Merkel, Monika Grütters oder Petra Roth eine selbstverständliche und gestaltende Rolle in der ersten Reihe einnahmen. Die Kritik ist dabei nicht als Angriff auf die Kompetenz der anwesenden Männer zu verstehen, sondern als Forderung nach einer bewussteren Planung. Es geht um die Signalwirkung: Wenn bei einer derart prominenten Veranstaltung fast ausschließlich Männer zu sehen sind, wird ein Bild von Macht und Einfluss vermittelt, das nicht mehr der Lebensrealität in Deutschland entspricht. Die Branche, die sich selbst als progressiv definiert, muss sich laut dem Kommentar an ihren eigenen Ansprüchen messen lassen. Die fehlende Diversität auf dem Foto wird als verpasste Chance gewertet, ein modernes und inklusives Bild der Buchbranche zu vermitteln, das der Vielfalt der Gesellschaft gerecht wird.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige Fragen offen, die für das Verständnis der Hintergründe hilfreich wären. Es wird nicht explizit dargelegt, nach welchen Kriterien die Auswahl der Personen für das Gruppenfoto getroffen wurde. Ob es sich um ein rein protokollarisch festgelegtes Gremium handelt oder ob es Spielräume bei der Auswahl gab, wird nicht geklärt. Zudem bleibt unklar, ob im Vorfeld der Veranstaltung interne Diskussionen über die Zusammensetzung der Gruppe stattgefunden haben und ob es Bemühungen gab, mehr Frauen einzuladen, die möglicherweise gescheitert sind. Auch die Rolle der internationalen Gäste, insbesondere der tschechischen Delegation, wird nicht in Bezug auf die Auswahlkriterien erläutert. Es wird nicht beantwortet, ob die Unterrepräsentanz von Frauen ein rein deutsches Phänomen innerhalb der Messeorganisation ist oder ob internationale Protokolle die Zusammensetzung der Gruppe maßgeblich beeinflusst haben. Der Text enthält keine Informationen darüber, wie die betroffenen Institutionen auf die Kritik reagieren oder ob sie sich der Problematik der mangelnden Diversität auf dem Foto überhaupt bewusst sind. Auch die Frage, ob der neue Buchmesse-Direktor Joachim Kaufmann, der bereits in den Startlöchern steht, eine andere Strategie für die Außendarstellung verfolgen wird, bleibt unbeantwortet, da der Text lediglich seine bevorstehende Amtsübernahme erwähnt, aber keine konkreten Pläne oder Visionen des Nachfolgers thematisiert.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Entscheidungen

Für die Zukunft der Frankfurter Buchmesse steht ein personeller Wechsel an der Spitze bevor. Der scheidende Direktor Juergen Boos wird durch Joachim Kaufmann ersetzt, der bereits als neuer Direktor in den Startlöchern steht. Dies markiert einen potenziellen Wendepunkt für die strategische Ausrichtung der Messe. Ob dieser Wechsel auch eine Veränderung in der Repräsentationskultur und bei der Planung von öffentlichen Auftritten mit sich bringen wird, bleibt abzuwarten. Der Kommentar von Grete Götze dient hier als ein öffentlicher Aufruf an die Institutionen, bei künftigen Veranstaltungen eine heterogenere Besetzung sicherzustellen, die der tatsächlichen Gesellschaft entspricht. Es gibt keine konkreten Termine für weitere Entscheidungen zur Repräsentationsstrategie, doch der Druck, die Planung für zukünftige Messe-Eröffnungen anzupassen, ist durch die öffentliche Debatte gestiegen. Die Erwartungshaltung der Autorin ist klar formuliert: Sie hofft auf bessere Zeiten, in denen die Zusammensetzung solcher Gruppen wieder die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt, damit sie ihrer Tochter glaubhaft versichern kann, dass Geschlecht und Herkunft keine Rolle bei der Karriereentwicklung spielen. Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob die Verantwortlichen in den Parteien und im Börsenverein des Deutschen Buchhandels bereit sind, ihre Planungsprozesse im Sinne einer stärkeren Diversität zu überdenken und anzupassen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-turm-deutschland-27022135/ · Foto: Wolfgang Weiser
Quelle: https://www.hessenschau.de/kultur/kommentar-zur-eroeffnung-der-buchmesse-bros-und-dudes-wo-sind-die-frauen-v1,buchmesse-eroeffnung-maennerbild-100.html