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Testlabor für KI-Anwendungen von NTT Data in München eröffnet
Technik · 07.10.2026 18:02

Testlabor für KI-Anwendungen von NTT Data in München eröffnet

Kurz: NTT Data hat in München-Lohhof ein neues KI-Labor eröffnet. Unternehmen können dort Anwendungen unter Realbedingungen in einer souveränen Umgebung testen.

Ein neues Zentrum für KI-Innovationen in München

Im bayerischen München-Lohhof wurde ein neues Testlabor für Künstliche Intelligenz offiziell eingeweiht. Der globale Datencenter-Anbieter NTT Data hat damit eine spezialisierte Einrichtung geschaffen, die es Unternehmen ermöglichen soll, ihre KI-Anwendungen unter realen Bedingungen zu erproben, bevor diese in den produktiven Betrieb überführt werden. Die Eröffnung fand im Beisein des bayerischen Digitalministers Fabian Mehring statt, was die Bedeutung der Investition für den Wirtschaftsstandort Bayern unterstreicht. Das Labor ist explizit auf die Bedürfnisse von Firmen zugeschnitten, die KI- und Hochleistungsanwendungen in einer sicheren, skalierbaren und datensouveränen Umgebung entwickeln und validieren möchten. Die Einrichtung schließt eine Lücke in der aktuellen Entwicklungslandschaft, da viele Unternehmen zwar über interne Kapazitäten oder Cloud-Ressourcen verfügen, jedoch häufig an den Grenzen stoßen, wenn es darum geht, die Performance und Sicherheit ihrer Lösungen unter realen Hardware-Bedingungen umfassend zu prüfen. Durch dieses Angebot erhalten Unternehmen die Möglichkeit, ihre Projekte gezielt zu optimieren, um sowohl zeitliche als auch finanzielle Risiken bei der Implementierung neuer Technologien signifikant zu minimieren.

Technische Ausstattung und Flexibilität im Fokus

Die technische Infrastruktur des neuen Labors ist darauf ausgelegt, ein breites Spektrum an Anforderungen abzudecken. Als Basis für die Software-Umgebungen dient das französische KI-Modell Mistral, welches mit Open Weights zur Verfügung steht, ergänzt durch die Plattform OpenShift von Red Hat. Die physische Infrastruktur wird maßgeblich durch die AI Factory von Dell bereitgestellt. Ein besonderes Merkmal des Konzepts ist die hohe Flexibilität: Kunden sind nicht zwingend an die vorgegebene Konfiguration gebunden. Es besteht die Option, eigene Umgebungen mitzubringen oder sogar eigene Racks im Rechenzentrum aufzustellen, wobei lediglich die Stromversorgung und Kühlung des Standorts genutzt werden. Für den Zugriff auf die Systeme bietet NTT Data verschiedene Szenarien an, die von einer Anbindung über das Internet bis hin zu einer vollständig vom Netz isolierten Umgebung reichen. Diese Wahlfreiheit ist ein wesentlicher Bestandteil des Versprechens, dem Kunden die volle Souveränität über seine Daten und Anwendungen zu garantieren. Die Hardware-Palette ist beeindruckend und umfasst unter anderem Blackwell-Systeme von Nvidia, die in Dell Pro Max Workstations verbaut sind. Für Projekte mit einem Fokus auf Open-Source-Ansätze stehen AMD-Chips wie die Instinct MI355X und EPYC-Prozessoren bereit. Ergänzt wird das Angebot durch Axelera-Europa-Komponenten auf Pro-Slim-Plus-Rechnern von Dell, die speziell für Inferenz-Aufgaben konzipiert sind.

Hintergrund und strategische Ausrichtung

Die Entstehung dieses Labors ist das Ergebnis der wachsenden Notwendigkeit für Unternehmen, KI-Lösungen nicht nur theoretisch zu entwerfen, sondern deren Leistungsfähigkeit unter kontrollierten Bedingungen zu verifizieren. In der Vergangenheit sahen sich viele Entwicklungsabteilungen mit der Herausforderung konfrontiert, dass ihre in-house gehosteten oder in der Cloud betriebenen Anwendungen zwar funktionierten, aber bei der Skalierung auf reale Hardware-Anforderungen unvorhergesehene Probleme auftraten. NTT Data reagiert mit dem Standort in München-Lohhof auf diesen Bedarf. Das Rechenzentrum ist baulich und technisch speziell auf die hohen Anforderungen von KI-Workloads und Hochleistungsrechnen (HPC) abgestimmt. Dies betrifft insbesondere die Stromversorgung und die Kühlkapazitäten, die für den Betrieb moderner Beschleuniger-Hardware essenziell sind. Die Entscheidung, ein solches Labor in Deutschland zu etablieren, korrespondiert mit dem Wunsch vieler europäischer Firmen nach mehr Datensouveränität. Durch die räumliche Nähe und die Möglichkeit, Hardware-Komponenten während der Testphase flexibel zu tauschen, können Unternehmen ihre Architekturen iterativ verbessern und so fundierte Entscheidungen für ihre langfristige IT-Strategie treffen.

Die Akteure und ihre Rollen

Bei der Eröffnung des Labors traten verschiedene Akteure in Erscheinung, die das Projekt maßgeblich vorantreiben. Der Anbieter NTT Data fungiert als Betreiber und stellt neben der physischen Infrastruktur auch ein umfassendes Service-Portfolio bereit, das Consulting, Metriken und Referenzarchitekturen umfasst. Zudem werden KI-Agenten angeboten, die bei der Provisionierung und dem laufenden Betrieb unterstützen sollen. Der bayerische Digitalminister Fabian Mehring unterstrich durch seine Anwesenheit die politische Relevanz der Ansiedlung für die digitale Infrastruktur des Bundeslandes. Auf technischer Seite sind namhafte Industriepartner involviert: Dell liefert die Hardware-Basis, Red Hat stellt die Plattform-Software bereit und Nvidia sowie AMD steuern die für KI-Workloads notwendigen Rechenchips bei. Auch Axelera Europa ist als Partner für spezielle Inferenz-Hardware gelistet. Die Anwenderinnen und Anwender, also die Kunden aus verschiedenen Industriezweigen, sind die primären Akteure, die das Labor nutzen, um ihre eigenen Anwendungen zu testen. Sie tragen die Verantwortung für die Governance und die Sicherheit ihrer Daten, während NTT Data die notwendigen Rahmenbedingungen für einen sicheren Betrieb zur Verfügung stellt.

Einordnung der Bedeutung des Standorts

Einzuordnen ist das neue Labor als eine Antwort auf die zunehmende Komplexität bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmensumgebungen. Den Berichten zufolge dient die Einrichtung als eine Art „Sandkasten“ für die Industrie, in dem Performance, Sicherheit und Governance unter Laborbedingungen bewertet werden können. Die Möglichkeit, Hardware-Komponenten während der Testphase zu wechseln, ist dabei ein entscheidender Vorteil gegenüber festen Cloud-Instanzen, da sie es erlaubt, die optimale Hardware-Konfiguration für spezifische Anwendungsfälle zu finden, ohne hohe Investitionskosten für eigene Hardware tragen zu müssen. Die explizite Betonung der Datensouveränität durch die Möglichkeit der Netzisolierung lässt darauf schließen, dass NTT Data besonders Unternehmen aus regulierten Branchen wie dem Finanzsektor oder der Industrie anspricht, bei denen der Schutz geistigen Eigentums und sensibler Daten oberste Priorität hat. Die Kombination aus spezialisierter Hardware, professionellem Consulting und einer physisch gesicherten Umgebung positioniert das Labor als eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, die den Übergang von der KI-Experimentierphase zur produktiven Anwendung vollziehen wollen.

Offene Fragen und Lücken im Informationsstand

Obwohl die grundlegende Ausrichtung und die technische Ausstattung des neuen Labors detailliert beschrieben wurden, lässt der Quelltext einige Fragen offen. Es wird beispielsweise nicht spezifiziert, welche konkreten Kostenmodelle für die Nutzung des Labors vorgesehen sind oder ob es sich um ein exklusives Angebot für Bestandskunden von NTT Data handelt. Auch bleibt unklar, wie lange die Testphasen im Durchschnitt dauern dürfen und ob es Kapazitätsgrenzen gibt, falls die Nachfrage nach den spezialisierten Ressourcen wie den Nvidia-Blackwell-Systemen sprunghaft ansteigen sollte. Zudem werden keine Angaben dazu gemacht, welche spezifischen Sicherheitszertifizierungen das Rechenzentrum in München-Lohhof vorweisen kann, um die versprochene Datensouveränität für hochsensible Kundenkreise zu untermauern. Auch Details zur Skalierbarkeit für sehr große KI-Modelle, die über die Kapazität einzelner Workstations hinausgehen, werden nicht explizit thematisiert. Die Informationen konzentrieren sich primär auf die Hardware-Komponenten und das Service-Angebot, während die organisatorische Einbindung der Kunden in den laufenden Betrieb des Labors eher vage bleibt. Es fehlen zudem Informationen darüber, ob das Labor auch für akademische Forschungseinrichtungen zugänglich ist oder ob es sich rein um ein kommerzielles Angebot für die Privatwirtschaft handelt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-skyline-gebaude-reise-23106809/ · Foto: Ehsan Haque
Quelle: https://www.heise.de/news/Testlabor-fuer-KI-Anwendungen-von-NTT-Data-in-Muenchen-eroeffnet-11479710.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag