News aus aller Welt
Start
Frankfurter Schönhof-Viertelpark soll Klimawandel trotzen
Regional · 03.09.2026 17:27

Frankfurter Schönhof-Viertelpark soll Klimawandel trotzen

Kurz: Das neue Schönhof-Viertel in Frankfurt setzt auf Klimaanpassung: Ein Park mit Zisternen und hitzeresistenten Bäumen soll als grüne Lunge dienen.

Ein neues grünes Zentrum für den Frankfurter Westen

Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim, auf dem Areal des ehemaligen Siemens-Werksgeländes, hat die Stadt Frankfurt einen bedeutenden Meilenstein für die urbane Lebensqualität erreicht. Am Donnerstag wurde der erste Abschnitt des neuen Schönhof-Viertelparks offiziell eingeweiht. Das Projekt, das sich wie ein grünes Band durch das aufstrebende Quartier zieht, ist weit mehr als eine bloße Grünfläche. Es ist ein integraler Bestandteil der städtebaulichen Planung, der gezielt auf die Herausforderungen des Klimawandels reagiert. Während die ersten Bewohner bereits die Spielplätze mit Klettergerüsten und Sandkästen nutzen, zeigt sich die Anlage noch in einem frühen Stadium ihrer Entwicklung. Die jungen Bäume wirken auf der weitläufigen Fläche derzeit noch zierlich, doch das Konzept dahinter ist ambitioniert. Der Park soll in Zukunft als kühlende Oase fungieren, die nicht nur Erholung bietet, sondern aktiv dazu beiträgt, die Temperaturen in den kommenden Hitzesommern in einem erträglichen Rahmen zu halten. Mit der Eröffnung des östlichen Abschnitts, der eine Fläche von 12.500 Quadratmetern umfasst, ist der erste Schritt getan, um das "Grüne Herz" des Viertels schlagen zu lassen.

Details zur technischen und ökologischen Ausstattung

Die Gestaltung des Parks basiert auf einem durchdachten ökologischen Konzept, das weit über ästhetische Aspekte hinausgeht. Um das Regenwasser effizient zu bewirtschaften, haben die Planer eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von rund 15 Kubikmetern integriert. Ergänzt wird dieses System durch spezielle Rückhaltemulden, die dazu dienen, Niederschläge aufzufangen und das Wasser im Boden zu halten, anstatt es direkt in die Kanalisation abzuleiten. Auch bei der Begrünung wurde nichts dem Zufall überlassen. Insgesamt 181 Bäume, darunter Arten wie Erlen und Schnurbäume, wurden gepflanzt. Diese wurden gezielt aufgrund ihrer Klimaresilienz ausgewählt, um auch bei anhaltender Hitze und Trockenheit Schatten zu spenden und durch Verdunstung zur Kühlung der Umgebung beizutragen. Die Anlage ist zudem mit Stauden und Sträuchern durchsetzt, die nicht nur die Wege säumen, sondern auch die Biodiversität im Quartier fördern sollen. Kleine Hügel verleihen der Landschaft eine natürliche Struktur, während Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen und den Park als sozialen Treffpunkt etablieren sollen.

Der Weg zum Schönhof-Viertel: Ein historischer Wandel

Das Schönhof-Viertel ist ein Paradebeispiel für die Transformation ehemaliger Industrieflächen in modernen Wohnraum. Das Gelände, auf dem einst Siemens produzierte, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. Die Planung für das neue Quartier, in dem in naher Zukunft zwischen 3.500 und 4.000 Menschen ein neues Zuhause finden sollen, folgt dem Anspruch, die Lebensrealitäten der Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Entscheidung, den Park als zentrales Element von Anfang an in die städtebauliche Planung einzubeziehen, ist eine direkte Konsequenz aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Stadtverwaltung hat erkannt, dass dicht bebaute Quartiere in Zeiten des Klimawandels besonders anfällig für Hitzeinseln sind. Daher wurde der Park nicht als bloßes Anhängsel, sondern als notwendige Klimaanpassungsmaßnahme konzipiert. Die Entwicklung des Parks erfolgt in Etappen, um den Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden und gleichzeitig die ökologischen Ziele kontinuierlich umzusetzen. Die schrittweise Fertigstellung ermöglicht es, die Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt in die kommenden Phasen einfließen zu lassen.

Die Akteure hinter dem Großprojekt

An der Gestaltung und Umsetzung des Schönhof-Viertelparks sind verschiedene Dezernate und Entscheidungsträger der Stadt Frankfurt beteiligt. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) betonte bei der Einweihung die Bedeutung eines gemischt genutzten Quartiers, das durch ein grünes Band verbunden wird. Die Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodriguez (Grüne) hob hervor, dass Klimaanpassung heute ein integraler Bestandteil der Stadtentwicklung sein müsse, um die Lebensqualität trotz steigender Temperaturen zu sichern. Auch der Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) unterstrich die soziale Dimension des Projekts. Für ihn ist der Park ein wichtiger öffentlicher Raum, der keine Kosten verursacht und somit allen Bewohnern gleichermaßen offensteht. Neben der Verwaltung sind auch zukünftige Nutzergruppen wie die rund 500 Schülerinnen und Schüler der noch im Bau befindlichen Hybridschule in das Konzept einbezogen. Die Anlage soll für sie als "Grünes Klassenzimmer" dienen, in dem ökologische Zusammenhänge direkt vor Ort erlebbar gemacht werden können. Die städtebauliche Anordnung sorgt zudem dafür, dass die Wege zur Schule für Kinder sicher gestaltet sind und nur wenige befahrene Straßen gequert werden müssen.

Einordnung: Warum dieser Park zukunftsweisend ist

Einzuordnen ist das Projekt als eine notwendige Antwort auf die zunehmende Urbanisierung und die damit einhergehenden klimatischen Belastungen. Den Berichten zufolge ist Frankfurt bestrebt, durch solche Maßnahmen die Aufenthaltsqualität in den Stadtteilen zu erhöhen und gleichzeitig die klimatischen Auswirkungen abzumildern. Die Kombination aus technischer Infrastruktur wie Zisternen und naturbasierten Lösungen wie hitzeresistenten Bäumen gilt als moderner Standard für klimagerechte Stadtplanung. Die bewusste Entscheidung für kostenlose, öffentliche Räume unterstreicht zudem den sozialen Anspruch der Stadtplanung, die den Park als "zweites Wohnzimmer" für die Anwohner versteht. Es ist ein Versuch, die Anonymität in einem Neubaugebiet durch gemeinsame Grünflächen und Begegnungsorte zu durchbrechen. Die Konzentration auf Biodiversität und das "Grüne Klassenzimmer" zeigt zudem, dass die Stadt Frankfurt Bildung und Ökologie eng miteinander verknüpft, um ein Bewusstsein für nachhaltige Stadtentwicklung bei der nächsten Generation zu schaffen.

Offene Fragen und der weitere Zeitplan

Trotz der erfolgreichen Einweihung des ersten Abschnitts bleiben einige Fragen offen, die der aktuelle Stand der Informationen noch nicht beantworten kann. So ist beispielsweise noch nicht im Detail geklärt, wie die langfristige Pflege der klimaresilienten Bäume in extremen Dürreperioden sichergestellt wird, falls die Zisternenkapazitäten einmal erschöpft sein sollten. Auch die genaue Ausgestaltung der geplanten Sportanlagen im noch nicht fertiggestellten westlichen Teil des Parks ist noch Gegenstand künftiger Detailplanungen. Zudem bleibt abzuwarten, wie sich die Akzeptanz des Parks bei der vollständigen Besiedlung des Viertels entwickelt. Der Zeitplan für die weitere Entwicklung ist jedoch bereits abgesteckt: Die Anlage soll sukzessive auf eine Gesamtfläche von 28.000 Quadratmetern anwachsen, was der Größe von vier Fußballfeldern entspricht. Der westliche Parkabschnitt, der weitere Freizeitmöglichkeiten bieten soll, wird derzeit vorbereitet. Die Fertigstellung in weiteren Teilabschnitten ist für das Jahr 2027 vorgesehen, womit das Projekt dann seine volle städtebauliche und ökologische Wirkung entfalten soll.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frankfurter-skyline-bei-sonnenaufgang-mit-lebendiger-skyline-33948420/ · Foto: Sascha Weber
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-frankfurter-schoenhof-viertelpark-soll-klimawandel-trotzen-100.html