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Forscher finden weitere Hinweise auf tektonische Aktivitäten auf der Venus
Technik · 27.07.2026 16:52

Forscher finden weitere Hinweise auf tektonische Aktivitäten auf der Venus

Kurz: Neue wissenschaftliche Simulationen deuten darauf hin, dass die Venus tektonisch aktiver ist als bisher angenommen. Riesige Grabenbrüche verändern sich stetig.

Ein geologisch lebendiger Nachbar

Lange Zeit galt die Venus in der planetaren Forschung als geologisch weitgehend inaktiver Himmelskörper. Doch diese Sichtweise wandelt sich grundlegend. Ein Forschungsteam unter der Leitung des Geophysikers Taras Gerya hat neue Erkenntnisse gewonnen, die darauf hindeuten, dass der Nachbarplanet der Erde eine ausgeprägte tektonische Dynamik aufweist. Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift *Nature Geoscience* veröffentlicht wurden, stützen sich auf hochaufgelöste dreidimensionale Computermodelle, die das thermomechanische Verhalten der Venuskruste simulieren.

Grabenbrüche als Indikatoren für Aktivität

Im Zentrum der Untersuchung stehen gewaltige Grabensysteme auf der Venus, die sich über Längen von bis zu 10.000 Kilometern erstrecken. Diese Strukturen sind in ihrer Dimension mit irdischen Formationen wie dem Ostafrikanischen Graben oder dem Oberrheingraben vergleichbar. Während die Wissenschaft bisher davon ausging, dass diese Systeme ein Alter von über 100 Millionen Jahren aufweisen und somit geologisch inaktiv seien, zeichnen die neuen Simulationen ein anderes Bild.

Die Forscher berechneten in ihren Modellen das Zusammenspiel von Temperatur, Gesteinsfestigkeit und Verformung. Dabei zeigte sich, dass junge Grabenbrüche durch steile und breite Erhebungen an ihren Flanken – sogenannte Riftflanken – gekennzeichnet sind. Diese Formationen entstehen durch anhaltende tektonische Spannungen. Sobald die Aktivität nachlässt, baut sich die Spannung in der Kruste ab, was zu einer Absenkung und Abflachung dieser Flanken führt.

Abgleich mit historischen Daten

Ein entscheidender Beleg für die Theorie der Forscher lieferten die Archivdaten der NASA-Sonde Magellan, die bereits in den 1990er-Jahren die Venusoberfläche kartierte. Auf den Aufnahmen der Sonde sind exakt jene hohen und breiten Riftflanken zu erkennen, die das Computermodell als Anzeichen für aktuelle geologische Prozesse identifiziert hat. Die Simulationen legen nahe, dass sich diese Gräben mit einer Geschwindigkeit von drei bis zehn Zentimetern pro Jahr öffnen, was die Venus als einen bis heute tektonisch aktiven Planeten ausweist.

Herausfordernde Bedingungen für die Erforschung

Die Untersuchung der Venus stellt die Wissenschaft vor enorme technische Herausforderungen. Auf der Oberfläche herrschen extreme Bedingungen: Temperaturen von über 450 Grad Celsius und ein atmosphärischer Druck von 92 Bar – vergleichbar mit einer Wassertiefe von 900 Metern auf der Erde. Trotz dieser Hürden haben verschiedene Datenauswertungen der Magellan-Mission in den vergangenen Jahren bereits Hinweise auf vulkanische Aktivitäten geliefert.

Zukünftige Missionen zur Venus

Die Erkenntnisse von Gerya und seinem Team sind von hoher Relevanz für die Planung kommender Weltraummissionen. Da die Venus als erdnächster Planet zunehmend in den Fokus der Forschung rückt, sind mehrere Projekte in Vorbereitung, um die geologischen Prozesse vor Ort detaillierter zu untersuchen:

* **Envision:** Eine europäische Mission, deren Start für das Jahr 2031 geplant ist. Gerya ist bereits in die Entwicklung der wissenschaftlichen Instrumente für diese Sonde involviert.

* **Internationale Vorhaben:** Sowohl Indien als auch die USA planen eigene Missionen zur Venus.

* **Vorbeiflüge:** Die Vereinigten Arabischen Emirate beabsichtigen, eine Sonde auf ihrem Weg zum Asteroidengürtel an der Venus vorbeifliegen zu lassen, um zusätzliche Beobachtungsdaten zu sammeln.

Diese kommenden Missionen sollen dazu dienen, die tektonischen Abläufe auf der Venus präziser einzuordnen und die Dynamik des Planeten besser zu verstehen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-die-computer-auf-tisch-benutzt-3862140/ · Foto: ThisIsEngineering
Quelle: https://www.heise.de/news/Forscher-finden-weitere-Hinweise-auf-tektonische-Aktivitaeten-auf-der-Venus-11379393.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag