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Eva Karl Faltermeier: „Mir wurde in Mexiko klar, wie furchtbar spießig ich bin“
Kultur · 29.07.2026 10:31

Eva Karl Faltermeier: „Mir wurde in Mexiko klar, wie furchtbar spießig ich bin“

Kurz: Die Kabarettistin Eva Karl Faltermeier spricht über ihr Debüt bei „München Mord“, ihre Liebe zum Krimi und warum sie ein analoges Leben bevorzugt.

Ein neues Gesicht bei München Mord

Eva Karl Faltermeier, bekannt als Kabarettistin, erweitert ihr künstlerisches Spektrum. Demnächst ist sie in der ZDF-Krimireihe „München Mord“ in der Rolle der Kriminalrätin Dr. Linda Hösl zu sehen. Die Figur beschreibt sie als eine Art „Sphinx“, deren wahre Absichten und Charakterzüge sich dem Zuschauer erst nach und nach erschließen. Die Vorbereitung auf die Rolle erforderte dabei eine präzise Auseinandersetzung mit regionalen Identitäten: Obwohl sie selbst aus der Gegend um Regensburg stammt, musste sie sich in die spezifische Mentalität einer Frau aus Schwandorf hineindenken – eine Herausforderung, die sie mit der notwendigen Detailgenauigkeit anging.

Die Zusammenarbeit mit dem Ensemble empfand Faltermeier als bereichernd. Besonders die Erinnerung an den im Mai verstorbenen Schauspieler Alexander Held, der die Reihe über Jahre prägte, bleibt bei ihr präsent. Sie beschreibt ihn als einen feinen Charakter und einen humorvollen Kollegen, der ihr den Einstieg durch seine offene Art erleichterte.

Zwischen Krimi-Leidenschaft und Gartenarbeit

Die Affinität zum Krimi-Genre ist bei Faltermeier tief verwurzelt. Bereits in ihrer Kindheit prägten gemeinsame Fernsehabende mit ihrem Großvater, bei denen Klassiker wie „Edgar Wallace“ oder „Miss Marple“ geschaut wurden, ihr Interesse. Diese frühen Erlebnisse haben eine bleibende Wirkung hinterlassen: Auch heute noch empfindet sie beim Lesen von Drehbüchern in der Badewanne ein gewisses Gruseln.

Um den beruflichen Stress und die Reizüberflutung des Alltags auszugleichen, setzt die Kabarettistin auf bewusst analoge Aktivitäten. Die Gartenarbeit dient ihr dabei als eine Art Gewaltprävention und Ruhepol. Ein T-Shirt mit der Aufschrift „Gardening – because murder is wrong“ trägt sie dabei fast täglich. Diese Form der Erdung ist für sie essenziell, nachdem sie in der Vergangenheit offen über ihre Erfahrungen mit Depressionen und Angststörungen gesprochen hat. Sie möchte damit anderen Betroffenen Mut machen und zeigt, dass es möglich ist, auch schwierige medizinische Prozesse mit Humor zu betrachten.

Rückzug aus der digitalen Welt

Ein zentrales Thema in Faltermeiers Leben ist die bewusste Mediennutzung. Sie hat sich weitgehend von sozialen Medien distanziert und beschränkt deren Nutzung auf ein Minimum. Die ständige Aufgeregtheit der digitalen Welt identifiziert sie als einen ihrer größten Stressfaktoren. Auch bei der Erziehung ihrer Kinder verfolgt sie einen kritischen Ansatz: Apps werden nur nach ausführlichen Gesprächen über Datenschutz und Hintergründe zugelassen. Stattdessen fördert sie das gemeinsame Erleben, etwa durch Podcasts oder das Lesen von Büchern.

Diese Haltung entwickelte sich unter anderem durch ihre Erfahrungen während eines Auslandsaufenthaltes in Mexiko als Studentin. Dort stellte sie fest, dass sie in einem anderen kulturellen Kontext plötzlich als „furchtbar spießig“ und regelkonform wahrgenommen wurde – ein Spiegelbild, das ihr eigenes Selbstverständnis als chaotische Kreative nachhaltig veränderte.

Gesellschaftliche Beobachtungen auf der Bühne

In ihrer kabarettistischen Arbeit fokussiert sich Faltermeier weniger auf tagesaktuelle politische Ereignisse als vielmehr auf gesellschaftliche Phänomene. Sie beobachtet, wie sich das Leben im ländlichen Raum verändert und wie sich politische Strömungen im Kleinen, etwa in der Nachbarschaft, widerspiegeln. Dabei betrachtet sie die aktuelle globale politische Lage, etwa unter dem Einfluss von Milliardären mit wenig sozialer Verantwortung, mit Sorge. Ihr Ziel bleibt es, diese komplexen Beobachtungen in ihre Programme zu integrieren und dabei trotz aller Ernsthaftigkeit den Blick für das Absurde und Komische nicht zu verlieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fenster-museum-estland-touristenziel-4285173/ · Foto: Una Laurencic
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/fernsehfilm/interview-mit-kabarettistin-eva-karl-faltermeier-accg-201068604.html