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EU-Elektrifizierungsplan mit Vorschlag für V2G-Pflicht für neue E-Autos
Technik · 03.08.2026 10:36

EU-Elektrifizierungsplan mit Vorschlag für V2G-Pflicht für neue E-Autos

Kurz: Die EU plant mit ihrem neuen Electrification Action Plan eine V2G-Pflicht für E-Autos ab 2027, um das Stromnetz zu stabilisieren und fossile Importe zu senken.

Ein neuer Kurs für Europas Mobilität

Die Europäische Union verfolgt mit dem neu vorgestellten „Electrification Action Plan“ ein ambitioniertes Ziel: Europa soll zum ersten vollständig elektrifizierten Kontinent werden. Angesichts der Tatsache, dass der Verkehrssektor aktuell für rund 25 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich ist und dabei zu über 90 Prozent auf fossile Energieträger setzt, ist der Handlungsdruck hoch. Die Kommission strebt bis 2040 einen Stromanteil von 46 Prozent am Endenergieverbrauch an, was die jährlichen Ausgaben für fossile Importe um schätzungsweise 260 Milliarden Euro senken könnte.

Bidirektionales Laden als neuer Standard

Ein zentraler Baustein des Plans ist die Integration von bidirektionalem Laden (Vehicle-to-Grid, kurz V2G) in die Fahrzeugzulassung. Die EU-Kommission plant, bis Ende 2027 einen konkreten Vorschlag für eine V2G-Pflicht für alle neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge vorzulegen. Damit sollen Elektroautos aktiv zur Netzstabilität beitragen können, indem sie Energie bei Bedarf in das Stromnetz zurückspeisen.

Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) begrüßt diesen Vorstoß grundsätzlich, mahnt jedoch technische Anpassungen an. Um die Technologie massentauglich zu machen, sei eine Hardware-Integration direkt im Fahrzeug notwendig. Aktuell sind bidirektionale Wallboxen mit Kosten von mindestens 4.000 Euro deutlich teurer als unidirektionale Ladepunkte, die bereits für rund 500 Euro erhältlich sind. Ohne eine serielle Ausstattung der Fahrzeuge mit bidirektionalen Onboard-Ladern sei eine flächendeckende Skalierung der V2G-Technik kaum realistisch.

Reform der Netzentgelte und Smart-Meter-Pflicht

Parallel zur Fahrzeugtechnik nimmt die Kommission die Strommärkte in den Blick. Eine geplante Änderung der EU-Strommarktverordnung soll Netzbetreiber dazu verpflichten, verstärkt auf „Non-Wire-Solutions“ zu setzen. Dazu zählen neben Batteriespeichern und Flexibilitätsdienstleistungen auch die Digitalisierung und die Nutzung von V2G-Technologien. Verbraucher sollen zudem durch Anreizsysteme motiviert werden, ihr Ladeverhalten an netzdienliche Zeiten anzupassen.

Ein weiterer Hebel ist der verpflichtende Ausbau von Smart Metern. Die EU-Mitgliedstaaten müssen verbindliche Zielmarken erreichen: Bis 2031 soll eine Abdeckung von 50 Prozent der Haushalte erreicht sein, bis 2034 sind mindestens 65 Prozent vorgesehen. Bisherige Ausnahmeregelungen bei negativen Kosten-Nutzen-Analysen werden stark eingeschränkt. Deutschland steht hierbei vor einer besonderen Herausforderung, da die Verbreitung intelligenter Messsysteme laut Daten der Bundesnetzagentur aktuell noch deutlich unter den Zielwerten liegt.

Fokus auf Schwerlastverkehr und alternative Antriebe

Der Aktionsplan beschränkt sich nicht auf Pkw. Auch der Güterverkehr, Busse sowie die Schifffahrt und Luftfahrt stehen im Fokus:

* **Schwerlastverkehr:** Bis 2040 soll die Infrastruktur für 40 Prozent der EU-Lkw-Flotte elektrifiziert sein. Ein De-Risking-Mechanismus soll privates Kapital für den Ausbau öffentlicher Ladepunkte mobilisieren.

* **Öffentlicher Nahverkehr:** Die Clean-Vehicles-Directive soll bis Ende 2027 verschärft werden, um die Beschaffung von Null-Emissions-Bussen voranzutreiben.

* **Schifffahrt und Luftfahrt:** Für Häfen ist ein Ausbau der Landstromversorgung geplant, um bis 2040 ein Drittel der europäischen Fähren batterieelektrisch zu betreiben. In der Luftfahrt sind Pilotprogramme für elektrisches Fliegen vorgesehen.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen soll nicht nur die Klimaziele unterstützen, sondern auch die wirtschaftliche Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren. Während die Industrie den Bedarf an einer besseren Infrastruktur betont, bleibt abzuwarten, wie schnell die regulatorischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Mitgliedstaaten in die Praxis umgesetzt werden können.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/laden-von-elektroautos-in-einer-modernen-indoor-anlage-34800677/ · Foto: smart-me AG
Quelle: https://www.heise.de/news/EU-Elektrifizierungsplan-mit-Vorschlag-fuer-V2G-Pflicht-fuer-neue-E-Autos-11394906.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag