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Etliche Auslandseinsätze von Priestern nach Missbrauchsvorwürfen
Schlagzeilen · 03.08.2026 06:02

Etliche Auslandseinsätze von Priestern nach Missbrauchsvorwürfen

Kurz: Eine Umfrage unter deutschen Bistümern enthüllt: Dutzende Priester wurden nach Missbrauchsvorwürfen ins Ausland versetzt, teils mit Wissen der Kirchenverantwort

Systematische Versetzungspraxis aufgedeckt

Eine umfassende Umfrage unter 27 deutschen Bistümern bringt ein düsteres Kapitel der kirchlichen Personalpolitik ans Licht. In mindestens 47 Fällen wurden Priester, gegen die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs vorlagen, in das Ausland versetzt. Diese Praxis, die über Jahrzehnte hinweg – vom Zeitraum der NS-Zeit bis in die 2010er-Jahre – angewandt wurde, ermöglichte es beschuldigten Geistlichen, ihre Tätigkeit in anderen Ländern fortzusetzen, oft mit direktem Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die für das ARD Radiofeature erhoben wurden, zeigen, dass die Bistümer in 20 dieser Fälle bereits vor der Versetzung über die Anschuldigungen informiert waren. In den übrigen Fällen blieb unklar, ob die Vorwürfe zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits in den Akten dokumentiert waren oder den Verantwortlichen unbekannt blieben.

Ein internationales Netzwerk der Vertuschung

Die Anwältin Bettina Janssen, die bereits mehrere Aufarbeitungsstudien für die katholische Kirche begleitete, bewertet dieses Vorgehen als ein klares Muster. Laut Janssen nutzte die Kirche ein internationales Netzwerk, bestehend aus Ordensgemeinschaften und Hilfswerken, um belastete Priester aus dem Heimatbistum zu entfernen. Diese „transnationalen Priesterbiografien“ hätten eine gezielte Vertuschung erst möglich gemacht, da die Gemeinden im Ausland häufig nicht über die Hintergründe der neuen Seelsorger informiert wurden.

Fallbeispiele verdeutlichen das Ausmaß

Besonders drastisch zeigt sich die Problematik an Einzelfällen, wie etwa dem Erzbistum Bamberg. Dort wurde der Direktor eines katholischen Internats, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, nach Bekanntwerden der Taten in eine deutsche Gemeinde in Namibia versetzt. Aus den Unterlagen geht hervor, dass kirchliche Verantwortungsträger von den Vorwürfen wussten, den Mann jedoch nicht den Behörden meldeten, sondern seine Versetzung aktiv unterstützten. Das Erzbistum bezeichnet dieses Vorgehen aus heutiger Sicht als „falsches Verhalten“.

Ein weiterer gravierender Fall betrifft das Bistum Eichstätt. Hier wurde ein Priester, gegen den bereits ein Haftbefehl wegen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung vorlag, ins Ausland in die Mission geschickt. Kirchenverantwortliche waren über die polizeilichen Ermittlungen und die Suche durch Interpol informiert, halfen jedoch dabei, den Aufenthaltsort des Beschuldigten zu verschleiern.

Globale Dimension und Aufarbeitung

Die Umfrage verdeutlicht, dass Südamerika mit 20 dokumentierten Fällen das Hauptziel der Versetzungen war. Die Problematik beschränkt sich jedoch nicht auf Deutschland. Auch spanische Jesuiten wurden nach Missbrauchsvorwürfen in Bolivien eingesetzt, wo es zu weiteren Übergriffen auf zahlreiche Kinder kam. Aktuell prüft die Ombudsstelle des katalanischen Parlaments die Verantwortung des Jesuitenordens in Europa für diese Vorfälle.

Die Deutsche Bischofskonferenz räumt ein, dass es eine signifikante Zahl solcher Fälle gegeben habe und erkennt ein generelles Fehlverhalten kirchlicher Verantwortungsträger an. Derzeit lässt das katholische Auslandssekretariat der Bischofskonferenz seine Akten durch externe Experten durchleuchten, um das volle Ausmaß der Versetzungspraxis zu erfassen. Auch einzelne Bistümer, darunter Bamberg, haben sich zu einer weiteren Aufarbeitung verpflichtet, die bis ins Jahr 2027 andauern soll.

Für die Betroffenen bleibt das Wissen um diese Praxis schwer erträglich. Sie kritisieren, dass die Kirche durch die Versetzungen nicht nur ihre eigene Reputation schützen wollte, sondern durch die bewusste Inkaufnahme weiterer Übergriffe im Ausland ihre moralische Verantwortung gegenüber den Opfern vollständig ignorierte.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/innenraum-einer-kirche-mit-buntglasfenstern-34688517/ · Foto: JUSTIN JOSEPH
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/missbrauchsvorwuerfe-priester-versetzung-100.html