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Ehemaliger Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth gestorben
Regional · 10.08.2026 14:58

Ehemaliger Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth gestorben

Kurz: Der langjährige Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Ein Rückblick auf sein Wirken und seine politische Laufbahn.

Ein prägender Kopf der Frankfurter Kulturpolitik

Die Stadt Frankfurt trauert um Felix Semmelroth. Wie die Stadtverwaltung am Montag bekannt gab, ist der ehemalige Kulturdezernent im Alter von 76 Jahren verstorben. Semmelroth, der zwischen 2006 und 2016 die kulturellen Geschicke der Mainmetropole lenkte, hinterlässt ein Erbe, das eng mit der baulichen und inhaltlichen Entwicklung der Stadt verknüpft ist.

Vom Literaturwissenschaftler zum Dezernenten

Der am 30. August 1949 in Kassel geborene Semmelroth kam 1989 nach Frankfurt. Der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann erkannte sein Potenzial und holte den promovierten Literaturwissenschaftler als Referenten für Literatur und Grundsatzfragen in sein Team. Semmelroths akademischer Hintergrund – er hatte Anglistik, Literatur- und Politikwissenschaft studiert und war als Honorarprofessor in Darmstadt tätig – bildete das Fundament für seine spätere politische Karriere. Nach einer Station im Büro der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wurde er 2006 selbst zum Kulturdezernenten gewählt. Interessantes Detail am Rande: Vor seinem Wechsel zur CDU war Semmelroth Mitglied der SPD gewesen.

Gestaltungswille und Museumsentwicklung

Während seiner zehnjährigen Amtszeit setzte Semmelroth deutliche Akzente. Er verstand Kultur nicht als bloßes Beiwerk, sondern als essenziellen Bestandteil einer offenen Gesellschaft. Sein Fokus lag unter anderem auf der Stärkung des Frankfurter Museumsufers. Zu den Projekten, die in seine Ära fielen, gehören:

* Die Erweiterung des Jüdischen Museums

* Der Neubau des Historischen Museums

* Die Förderung des Romantikmuseums

* Die Unterstützung der Frankfurter Volksbühne von Michael Quast

Obwohl er aufgrund knapper städtischer Budgets nicht jedes Vorhaben realisieren konnte – etwa den geplanten Neubau des Weltkulturenmuseums –, blieb sein Einsatz für die ästhetische Bildung und die Freiheit der Künste stets erkennbar.

Ein Abschied im Zeichen politischer Umbrüche

Das Ende seiner Amtszeit im Jahr 2016 war von politischen Spannungen geprägt. Nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition im Frankfurter Römer verlor die CDU das Kulturdezernat an die SPD. Semmelroth trat vorzeitig zurück. In Interviews ließ er damals keinen Zweifel daran, dass dieser Schritt nicht freiwillig erfolgte. Er äußerte sich verärgert darüber, dass seine Partei die einflussreichen Dezernate Kultur und Planung ohne nennenswerten Widerstand aufgegeben hatte.

Engagement über das Amt hinaus

Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Kommunalpolitik blieb Semmelroth gesellschaftlich engagiert. Bis zu einer schweren Erkrankung widmete er sich insbesondere der Erinnerungskultur und dem Kampf gegen Antisemitismus. Von 2016 bis 2019 fungierte er als Antisemitismusbeauftragter der hessischen Landesregierung. Diese Tätigkeit unterstrich seine Überzeugung, dass eine offene Gesellschaft aktiv verteidigt werden muss.

Würdigung durch Weggefährten

Der aktuelle Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) hob in einer Mitteilung hervor, dass Semmelroth der Stadt tief verbunden war. Er habe nicht nur in Gebäude investiert, sondern maßgeblich dazu beigetragen, Persönlichkeiten und Programme zu entwickeln, die Frankfurt kulturell geprägt haben. Auch seine Nachfolgerin, Ina Hartwig (SPD), betonte Semmelroths Diskussionsfreude und Beharrlichkeit. Sie erinnerte insbesondere an die Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an Judith Butler im Jahr 2024, bei der Semmelroth trotz heftiger öffentlicher Debatten an der Ehrung festhielt – ein Akt, den Hartwig als Bekenntnis zu Frankfurt als Ort des freien Austauschs wertete.

Mit dem Tod von Felix Semmelroth verliert Frankfurt eine Persönlichkeit, die das kulturelle Profil der Stadt über ein Jahrzehnt hinweg maßgeblich mitgestaltet hat.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-architektur-zeit-deutschland-19429096/ · Foto: Masood Aslami
Quelle: https://www.tagesschau.de/inland/regional/hessen/hr-ehemaliger-frankfurter-kulturdezernent-felix-semmelroth-gestorben-100.html