Die Langlebigkeit von E-Auto-Batterien in der Praxis
Für Interessenten am Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge stellt der Zustand der Antriebsbatterie einen zentralen Unsicherheitsfaktor dar. Da ein Batterietausch mit erheblichen Kosten verbunden ist, gewinnt die Frage nach der realen Degradation – also dem schleichenden Kapazitätsverlust – zunehmend an Bedeutung. Eine Datenauswertung des schwedischen Gebrauchtwagenhändlers Carla bietet nun einen Einblick in den Zustand von knapp 10.000 E-Auto-Akkus, die zwischen 2022 und 2026 getestet wurden.
Obwohl es sich hierbei nicht um eine wissenschaftlich begutachtete Studie handelt, liefern die Daten wertvolle Hinweise darauf, wie sich unterschiedliche Fahrzeugmodelle und Batterietechnologien unter realen Alltagsbedingungen über eine Distanz von mehr als 100.000 Kilometern schlagen.
Spitzenreiter und Modellunterschiede
Die Auswertung zeigt, dass bestimmte Hersteller bei der Akkuhaltbarkeit besonders gut abschneiden. An der Spitze des Rankings finden sich zwei technisch eng verwandte Fahrzeuge aus dem koreanischen Konzernverbund: Der Kia e-Niro mit seinem 64-kWh-Akku erreichte nach einer Laufleistung von über 100.000 Kilometern einen durchschnittlichen State of Health (SoH) von 97,3 Prozent. Der Hyundai Kona Elektro, der auf die gleiche Batteriekapazität setzt, liegt mit 97,2 Prozent nahezu gleichauf.
Auch andere Modelle zeigen solide Werte. So erreichen der Kia EV6 sowie der Volvo XC40 Recharge und der Polestar 2 SoH-Werte von über 94 Prozent. Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht bei der Interpretation: Da die Datenbasis keine detaillierten Angaben zur Stichprobengröße oder zur statistischen Streuung der einzelnen Werte macht, lassen sich aus den Momentaufnahmen keine abschließenden Rückschlüsse auf eine generelle Überlegenheit der Akkutechnik einzelner Marken ziehen.
Der Verlauf der Degradation
Die Analyse verdeutlicht zudem ein typisches Muster bei der Batteriealterung. Über das gesamte Testkollektiv hinweg zeigt sich, dass der Kapazitätsverlust zu Beginn der Fahrzeugnutzung am stärksten ausgeprägt ist. Bei einer Laufleistung von bis zu 10.000 Kilometern liegt der SoH im Schnitt noch bei 98,6 Prozent. Mit zunehmender Kilometerzahl verlangsamt sich der Prozess jedoch: Bei 50.000 Kilometern liegt der Wert bei 94,4 Prozent, nach 100.000 Kilometern bei 92,4 Prozent.
Die Bedeutung der Zellchemie
Ein besonders aufschlussreicher Aspekt der Auswertung ist der direkte Vergleich innerhalb einer Baureihe. Am Beispiel des Tesla Model 3 wird deutlich, dass die Wahl der Zelltechnologie einen erheblichen Einfluss auf die langfristige Kapazität hat. Während eine Version mit CATL-LFP-Zellen einen SoH von 93,3 Prozent erreichte, lag eine Variante mit LG-Chem-Zellen bei 91,5 Prozent. Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei den Panasonic-Varianten aus, die mit 89,8 beziehungsweise 88,2 Prozent mehr als fünf Prozentpunkte unter dem Spitzenwert der LFP-Variante liegen.
Methodik und Grenzen der Daten
Die für die Auswertung genutzten Diagnosedaten stammen vom österreichischen Anbieter Aviloo. Das Unternehmen setzt für seine Analysen verschiedene Verfahren ein, darunter einen sogenannten Flash-Test, der laut Anbieter eine Abweichung von maximal drei Prozentpunkten aufweist. Da jedoch nicht für jedes Fahrzeug transparent gemacht wurde, welches Testverfahren Anwendung fand, bleibt eine gewisse methodische Unschärfe bestehen.
Zudem stößt die Datenbasis bei hohen Laufleistungen an ihre Grenzen. Für Fahrzeuge mit mehr als 120.000 Kilometern standen lediglich 39 Tests zur Verfügung. Eine wissenschaftlich fundierte Hochrechnung auf sehr hohe Kilometerstände, wie sie für eine langfristige Prognose der Lebensdauer notwendig wäre, lässt sich auf dieser Grundlage daher nicht seriös durchführen. Die Ergebnisse dienen somit primär als Orientierungshilfe für den aktuellen Zustand von Gebrauchtwagen und unterstreichen die Notwendigkeit, bei der Bewertung eines Elektroautos stets die spezifische Batteriekonfiguration zu berücksichtigen.