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Die Aussagen des Linken-Chefs unter der Lupe
Schlagzeilen · 09.08.2026 17:45

Die Aussagen des Linken-Chefs unter der Lupe

Kurz: Im ZDF-Sommerinterview äußerte sich Linken-Chef Luigi Pantisano zu zentralen politischen Themen. Ein Faktencheck prüft seine Aussagen auf ihre Korrektheit.

Politische Positionen im Fokus

Der Co-Vorsitzende der Linken, Luigi Pantisano, nutzte das ZDF-Sommerinterview, um die aktuelle Bundespolitik der schwarz-roten Koalition zu kritisieren. Dabei standen vor allem die Themen Arbeitsmarkt, Wohnraummangel und die Entwicklung des Verteidigungshaushalts im Mittelpunkt. Die Aussagen des Parteichefs werfen dabei Fragen zur faktischen Genauigkeit auf, die einer genaueren Betrachtung bedürfen.

Arbeitsmarkt: Zwischen Flexibilisierung und Kritik

Ein zentraler Kritikpunkt Pantisanos betraf die Arbeitsmarktpläne der Regierung. Er behauptete, die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz fordere die Menschen dazu auf, 13 Stunden täglich zu arbeiten und krank zur Arbeit zu erscheinen.

Dieser Darstellung widerspricht der Kontext der Regierungspläne. Die Bundesregierung arbeitet an einer Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit, um die bisherige tägliche Höchstgrenze von acht beziehungsweise zehn Stunden anzupassen. Ein konkreter Plan für einen 13-Stunden-Tag existiert seitens der Regierung nicht; die Zahl wird primär von Gewerkschaften als Warnszenario vor einer möglichen Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes angeführt.

Auch die Äußerung zum Thema "krank zur Arbeit" ist als überspitzte Kritik zu werten. Sie bezieht sich auf die geplante Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sowie die Einführung der Teilkrankschreibung ab 2028. Während Sozialverbände wie der VdK vor Druck auf Beschäftigte warnen, sieht die DAK Bayern in der Teilkrankschreibung eine Chance für eine schrittweise Rückkehr in den Beruf.

Wohnungsbau: Potenzial und Hindernisse beim Umbau

Als Lösungsansatz gegen den Wohnungsmangel schlug Pantisano die Umnutzung leerstehender Büroflächen vor. Der Umbau von Gewerbeimmobilien in Wohnraum ist ein in der Fachwelt diskutiertes Thema. Studien des ifo-Instituts zufolge könnten in den sieben größten deutschen Städten durch solche Maßnahmen bis zu 60.000 Wohnungen entstehen.

Allerdings ist das Vorhaben mit hohen Hürden verbunden. Der Umbau gilt als kostspielig und technisch komplex, da Wohnraum strengeren Auflagen hinsichtlich Brandschutz und Belichtung unterliegt als Büroflächen. Experten wie Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) bezweifeln zudem, dass die aktuelle staatliche Förderung von bis zu 30.000 Euro pro Wohnung ausreicht, um die hohen Umbaukosten zu decken.

Rüstungsausgaben: Ein Blick auf die Haushaltszahlen

Besonders deutlich fiel die Diskrepanz zwischen Pantisanos Aussagen und den offiziellen Haushaltsdaten beim Thema Rüstung aus. Der Linken-Chef behauptete, jeder dritte Euro im kommenden Haushalt werde für Rüstung ausgegeben.

Die Regierungsentwürfe für den Haushalt 2027 zeichnen ein anderes Bild:

* Der Verteidigungsetat umfasst laut Entwurf 109,7 Milliarden Euro.

* Das Gesamtvolumen des Haushalts ist auf 554,4 Milliarden Euro taxiert.

* Dies entspricht einem Anteil von etwa 19,75 Prozent, also knapp jedem fünften Euro.

Selbst unter Einbeziehung des Sondervermögens Bundeswehr und der geplanten Ukraine-Hilfen wird die von Pantisano genannte Marke von 33 Prozent nicht erreicht. Auch Prognosen für das Jahr 2030, die in Medienberichten diskutiert wurden, liegen mit etwa 29 Prozent unter der von ihm genannten Schwelle. Die endgültige Verabschiedung des Haushalts 2027 erfolgt im Rahmen der parlamentarischen Beratungen, die im Herbst 2026 beginnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schwarz-und-weiss-schwarzweiss-buch-zeitschrift-5491019/ · Foto: Nothing Ahead
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/sommerinterview-pantisano-faktencheck-100.html