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Deutsche Bahn: Bundesverkehrsminister bekommt für Boni-Pläne Zuspruch
Technik · 10.08.2026 09:21

Deutsche Bahn: Bundesverkehrsminister bekommt für Boni-Pläne Zuspruch

Kurz: Bundesverkehrsminister Steffen Bilger plant, Manager-Boni bei der Deutschen Bahn stärker an die Pünktlichkeit zu koppeln. Der Vorstoß findet breite Zustimmung.

Ein neuer Anlauf für leistungsorientierte Vergütung

Der neu ernannte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat eine Debatte über die Vergütungsstruktur bei der Deutschen Bahn neu entfacht. Sein Ziel ist es, die variablen Gehaltsbestandteile für das Management des Staatskonzerns deutlich enger an die operative Leistungsfähigkeit, insbesondere die Pünktlichkeit im Fernverkehr, zu binden. Sollten die vom Bund definierten Zielvorgaben verfehlt werden, sollen Führungskräfte künftig spürbare Einbußen bei ihren Bonuszahlungen hinnehmen müssen.

Dieser Vorstoß ist keine gänzlich neue Idee innerhalb des Ministeriums. Bereits Bilgers Amtsvorgänger Patrick Schnieder hatte in einem Strategiepapier die Notwendigkeit betont, die variable Vergütung des Vorstands und der oberen Führungsebene stärker an das Erreichen konkreter Unternehmensziele zu koppeln. Bilger greift diesen Gedanken nun auf und intensiviert die Forderung nach einer direkten Koppelung an die Zuverlässigkeit des Zugbetriebs.

Breite politische Unterstützung und differenzierte Ansichten

Die Initiative des Bundesverkehrsministers stößt in der politischen Landschaft auf ein ungewöhnlich breites Echo. Über Parteigrenzen hinweg wird das Vorhaben grundsätzlich begrüßt, wenngleich die Begründungen und flankierenden Forderungen variieren.

Aus der SPD kommt deutliche Zustimmung. Isabell Cademartori, Obfrau im Verkehrsausschuss, begrüßte den Vorstoß ausdrücklich. Sie betonte, dass der Bund massiv in die Schieneninfrastruktur investiere und diese Investitionen sich nun zwingend in einer verbesserten Betriebsqualität widerspiegeln müssten. Auch die Grünen signalisieren Unterstützung, verknüpfen diese jedoch mit dem Hinweis auf strukturelle Probleme. Julia Verlinden, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, gab zu bedenken, dass die Ursachen für Verspätungen und Zugausfälle primär in der jahrzehntelangen Unterfinanzierung der Infrastruktur durch den Bund lägen.

Kritischere Töne kommen hingegen aus Thüringen. Der dortige Digital- und Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) äußerte sich skeptisch gegenüber der bisherigen Praxis. Er verwies auf unternehmerische Standards, bei denen Sonderzahlungen erst bei vollständiger Zielerreichung fließen. Schütz kritisierte, dass bei der Bahn offenbar zu niedrige Ziele angesetzt würden, deren Unterschreitung dennoch zu Bonuszahlungen führe.

Die Rolle des Fahrgastverbandes

Auch der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt das Vorhaben. Der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann unterstrich die Verantwortung des Eigentümers, klare Vorgaben zu machen und deren Einhaltung konsequent zu kontrollieren. Gleichzeitig mahnte er an, dass der Bund seinerseits die notwendigen finanziellen Rahmenbedingungen schaffen müsse, damit die Bahn die geforderten Ziele überhaupt erreichen könne.

Die aktuelle Vergütungspraxis unter der Lupe

Die Diskussion entzündet sich an einer Vergütungsstruktur, die bisher als wenig ambitioniert wahrgenommen wurde. Recherchen von ZDF frontal haben offengelegt, dass die Schwellenwerte für Boni im Fernverkehr vergleichsweise niedrig angesetzt sind. Bereits ab einer Pünktlichkeitsquote von 65 Prozent fließen erste Bonuszahlungen. Das Ziel gilt bei 67,5 Prozent als erreicht, bei 70 Prozent Pünktlichkeit sind sogar 150 Prozent des Bonus vorgesehen.

Die Realität im Betrieb sah in den vergangenen Jahren jedoch anders aus. Im Jahr 2025 lag die Pünktlichkeit im Fernverkehr im Schnitt bei etwa 60 Prozent, im Regionalverkehr bei 90 Prozent – beide Werte lagen unter den Zielmarken. Dennoch wurden Bonuszahlungen geleistet, etwa in der Gütersparte Cargo, die ihr Ziel mit 67,7 Prozent knapp erreichte. Insgesamt flossen für das Jahr 2025 knapp drei Millionen Euro an Boni an den Bahn-Vorstand, wovon auf den damaligen Konzernchef Richard Lutz rund 570.000 Euro entfielen.

Ausblick und nächste Schritte

Die Forderung von Minister Bilger zielt darauf ab, diese Diskrepanz zwischen Zielvorgaben und tatsächlicher Leistung aufzulösen. Die Debatte verdeutlicht den wachsenden Druck auf das Bahn-Management, die operative Stabilität des Schienennetzes zu erhöhen. Ob und wie schnell diese Anpassungen in die Verträge der Führungskräfte einfließen werden, bleibt abzuwarten. Die politische Einigkeit über die Notwendigkeit einer strengeren Koppelung deutet jedoch darauf hin, dass die Vergütungsmodelle bei der Deutschen Bahn künftig stärker im Fokus der öffentlichen und politischen Kontrolle stehen werden.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/menschen-zug-offentliche-verkehrsmittel-reise-5617359/ · Foto: Abdel Rahman Abu Baker
Quelle: https://www.golem.de/news/deutsche-bahn-bundesverkehrsminister-bekommt-fuer-boni-plaene-zuspruch-2608-211750.html