Ein Arbeitsplatz mit historischem Erbe
Im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel findet sich eine Tätigkeit, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Simon Völker, stellvertretender Wassermeister bei Hessen Kassel Heritage (HKH), trägt die Verantwortung für ein Spektakel, das seit dem 18. Jahrhundert Besucher aus aller Welt anzieht. Die historischen Wasserspiele sind nicht nur ein touristisches Highlight, sondern ein komplexes technisches Zusammenspiel, das ohne moderne Pumpen auskommt.
Physik statt Technik: Das Prinzip des Landgrafen
Die Wasserspiele funktionieren nach den Plänen von Landgraf Karl. Das Geheimnis liegt in der Topografie: Das Wasserreservoir befindet sich 80 Meter oberhalb der Kaskaden. Durch diesen natürlichen Höhenunterschied wird der notwendige Druck erzeugt, um mehr als 750.000 Liter Wasser pro Veranstaltung durch den Park zu leiten. Das Wasser fließt dabei über Stationen wie die Kaskaden, die Teufelsbrücke und das Aquädukt, bevor es schließlich in die Fulda mündet.
Die Kunst der Inszenierung
Für Simon Völker und sein Team beginnt die Arbeit lange bevor die ersten Zuschauer eintreffen. Eine der anspruchsvollsten Aufgaben ist die Vorbereitung der Fontäne am Schloss Wilhelmshöhe. Hier muss Völker über ein Brett auf eine kleine Insel balancieren, um den Fontänendeckel manuell zu fixieren. Der Effekt, der das Wasser wie einen Geysir 50 Meter in die Höhe schießen lässt, basiert auf einer speziellen Anordnung von Öffnungen am Fontänenkopf, die den Druck bündeln.
Handarbeit unter den Augen der Öffentlichkeit
Das Team von Hessen Kassel Heritage arbeitet in drei Kolonnen zu je sechs Personen. An jedem Spieltag ist eine dieser Gruppen im Einsatz. Die Arbeit erfordert Präzision und eine gewisse Gelassenheit, da die Handgriffe vor tausenden Zuschauern stattfinden. Völker beschreibt seine Aufgabe als eine Mischung aus Leidenschaft und Anspannung, da jeder Tag trotz der perfekten Choreografie seine eigene Dynamik entwickelt.
Herausforderungen im Wandel der Zeit
Obwohl die Anlage historisch ist, reagiert das Team auf moderne Herausforderungen wie klimatische Veränderungen. In trockenen Sommern, wie etwa im Jahr 2024, mussten die Laufzeiten an den einzelnen Stationen verkürzt werden, um den Betrieb über die gesamte Saison hinweg sicherzustellen. Aktuell stellt die Wasserversorgung jedoch kein Problem dar, da der Zulauf bis weit in das Frühjahr hinein stabil blieb.
Sicherheit und Know-how
Da es für den Beruf des Wassermeisters keine klassische Ausbildung gibt, basiert das Wissen auf dem Prinzip „Learning by doing“. Völker lernte sein Handwerk an der Seite seines Vorgängers Philipp Heußner. Neben dem technischen Verständnis ist auch Sicherheit ein zentrales Thema. So werden die Fontänendeckel erst kurz vor dem Start geschlossen, um Unbefugte von den gefährlichen mechanischen Vorrichtungen fernzuhalten. Dass bei der Arbeit auch Improvisation gefragt ist, zeigt eine Anekdote: Einmal musste ein Zuschauer tatkräftig beim Ruck an der Kette helfen, um den Start der Fontäne pünktlich zu ermöglichen.
Besuchsinformationen für den Bergpark
Die Wasserspiele finden jährlich vom 1. Mai bis zum 3. Oktober statt, jeweils mittwochs, sonntags sowie an Feiertagen. Der Rundgang beginnt um 14.30 Uhr am Herkules und erstreckt sich über eine Strecke von etwa 2,3 Kilometern. Als besonderes Highlight gelten die beleuchteten Wasserspiele, die in diesem Jahr für den 11. und 12. September terminiert sind. Der Bergpark Wilhelmshöhe ist seit 2013 als UNESCO-Welterbe anerkannt und bleibt damit eine der bedeutendsten Kulturstätten Hessens.