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Seitenkanal erlaubt Zugriff auf RAM des AMD-Sicherheitscontrollers PSP
Technik · 14.08.2026 16:11

Seitenkanal erlaubt Zugriff auf RAM des AMD-Sicherheitscontrollers PSP

Kurz: Eine Sicherheitslücke in alten AMD-Prozessoren der Familie 16h ermöglicht über einen Seitenkanal den Zugriff auf eigentlich geschützte RAM-Bereiche.

Was geschehen ist – die Kernmeldung ausführlich

Ein Sicherheitsexperte hat eine kritische Schwachstelle in älteren AMD-Prozessoren identifiziert, die das grundlegende Sicherheitskonzept der Hardware infrage stellt. Der Forscher Christopher Domas, in der Fachwelt unter dem Pseudonym „xoreaxeaxeax“ bekannt, konnte nachweisen, dass die strikte Abschottung bestimmter Adressbereiche im Arbeitsspeicher (RAM) bei Prozessoren der sogenannten Familie 16h nicht wie vorgesehen funktioniert. Diese Sicherheitsarchitektur ist essenziell für den Schutz sensibler Systemfunktionen. Durch die Ausnutzung eines Seitenkanals, der den Namen „skitter-creek-bath-salts“ trägt, ist es möglich, auf geschützte RAM-Adressbereiche zuzugreifen, die normalerweise für kritische Sicherheitskomponenten reserviert sind. Zu diesen geschützten Bereichen gehören unter anderem der AMD Platform Security Processor (PSP), der System Management Mode (SMM) sowie Teile des CPU-Microcodes. Die Lücke erlaubt sowohl Lese- als auch Schreibzugriffe auf diese eigentlich isolierten Speichersegmente. Der Vorfall unterstreicht die Komplexität der Speicherverwaltung in x86-Systemen, bei denen physische und virtuelle Adressräume auf komplizierte Weise miteinander verknüpft sind. Der Angriffspunkt liegt dabei in der Manipulation des DRAM-Controllers der betroffenen Prozessoren, was durch die gezielte Ansteuerung spezifischer CPU-Konfigurationsregister erreicht wird.

Die Einzelheiten – Zahlen, Namen und technische Details

Im Zentrum der Untersuchung stehen Prozessoren der AMD-Familie 16h, die vor etwa 13 Jahren eingeführt wurden. Zu dieser Gruppe zählen insbesondere die „Jaguar“-basierten Modelle, die in den Jahren 2013 und 2014 auf den Markt kamen. Bekannte Vertreter dieser Baureihen sind die „Kabini“- und „Temash“-Prozessoren, etwa die Modelle A4-5000, E2-3000 oder A4-1250. Im Jahr 2014 folgten mit „Beema“ und „Mullins“ weitere Ableger, darunter der A4 Micro-6400T, der A4-6210 sowie der E2-6110. Diese Prozessoren stammen aus der Ära vor der Einführung der Ryzen-Architektur. Christopher Domas identifizierte bei diesen Modellen eine Schwachstelle in der Adressverwaltung, die über das Konfigurationsregister D18F2x94 für den DRAM-Controller (DCT) manipuliert werden kann. Die Dokumentation dieses Registers findet sich im „BIOS and Kernel Developer’s Guide“ (BKDG) von AMD für die Familie 16h, Modelle 30h bis 3Fh. Der Angriff erfordert, dass der Angreifer die komplexen Verwürfelungen zwischen virtuellen und physischen Adressen zurückrechnet, um die geschützten Bereiche des ARM Cortex-A5-basierten PSP zu erreichen. Der PSP nutzt einen Teil des DRAM exklusiv, der für das Betriebssystem und das BIOS normalerweise unsichtbar bleibt.

Hintergrund – Die Vorgeschichte und der Verlauf

Die betroffenen Prozessoren gehörten zu den ersten Modellen von AMD, die mit dem Platform Security Processor (PSP) ausgestattet waren, welcher in späteren Generationen in AMD Secure Processor umbenannt wurde. Diese Komponente bildet das Fundament für moderne Sicherheitskonzepte, darunter auch das integrierte Firmware Trusted Platform Module 2.0 (fTPM 2.0). Der PSP hat die Aufgabe, kryptografisches Schlüsselmaterial und andere hochsensible Daten vor unbefugten Zugriffen zu schützen, selbst wenn der Angreifer über höchste Privilegien im Betriebssystem verfügt. Da es sich um einen Hardware-Controller handelt, der als eigenständige Einheit innerhalb der CPU agiert, galt dieser Bereich lange Zeit als sicher gegenüber softwarebasierten Angriffen. Die nun entdeckte Lücke „skitter-creek-bath-salts“ zeigt jedoch, dass die Hardware-basierte Abschottung durch die Manipulation der Speicherverwaltung umgangen werden kann. Die Entwicklung dieser Angriffsmethode verdeutlicht, wie tiefgreifend die Sicherheitsmechanismen in die Architektur der Speicherverwaltung eingreifen müssen, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten. Die Entdeckung von Domas basiert auf einer detaillierten Analyse der CPU-Register und der Art und Weise, wie der Speichercontroller den DRAM verwaltet.

Die Beteiligten – Wer ist betroffen und wer entscheidet

Die Hauptakteure in diesem Szenario sind der Sicherheitsforscher Christopher Domas, der die Schwachstelle öffentlich gemacht und auf GitHub dokumentiert hat, sowie der Chiphersteller AMD. Betroffen sind Nutzer von Systemen, die auf Prozessoren der Familie 16h basieren, also Besitzer von älteren Tablets, Notebooks und Embedded-Systemen, die mit den genannten Jaguar-Kernen ausgestattet sind. Die Entscheidungsgewalt über die Veröffentlichung von technischen Details zu CPU-Registern liegt bei AMD. Laut Domas ist es durchaus möglich, dass auch jüngere Prozessor-Familien von ähnlichen Problemen betroffen sein könnten. Allerdings hat AMD die Dokumentation der entsprechenden CPU-Register bei neueren Modellen nicht mehr öffentlich zugänglich gemacht, was eine Überprüfung durch unabhängige Experten erschwert. Die Community der Sicherheitsforscher, darunter auch Experten von PTE, die bereits 2020 ähnliche Analysen an der Intel Management Engine (ME) durchgeführt haben, beobachtet das Thema intensiv. Die betroffenen Anwender sind in der Regel auf die Bereitstellung von Informationen oder etwaigen Korrekturen durch den Hersteller angewiesen, wobei bei so alten Prozessoren die Unterstützung durch Sicherheitsupdates oft bereits ausgelaufen ist.

Einordnung – Was das bedeutet

Einzuordnen ist das so: Obwohl die Lücke „skitter-creek-bath-salts“ eine fundamentale Schwachstelle im Sicherheitskonzept der betroffenen AMD-Prozessoren aufdeckt, ist die unmittelbare Gefahr für den durchschnittlichen Nutzer laut den Berichten als eher gering einzustufen. Dies liegt primär an der Voraussetzung, dass ein Angreifer über Administratorrechte auf dem betroffenen System verfügen muss, um den DRAM-Controller manipulieren zu können. Dennoch ist die Bedeutung der Entdeckung nicht zu unterschätzen. Sie beweist, dass selbst in Hardware verankerte Sicherheitsfunktionen, die als „unknackbar“ galten, durch gezielte Manipulation der Speicherverwaltung ausgehebelt werden können. Es handelt sich hierbei um ein klassisches Beispiel für einen Seitenkanalangriff, bei dem nicht die Verschlüsselung selbst, sondern die Infrastruktur der Speicherverwaltung angegriffen wird. Die Tatsache, dass AMD die Dokumentation der entsprechenden Register bei neueren Modellen eingestellt hat, deutet darauf hin, dass der Hersteller sich der Sensibilität dieser Schnittstellen bewusst ist. Den Berichten zufolge dient die Lücke vor allem als wissenschaftlicher Beleg dafür, dass die Architektur der Familie 16h grundlegende Designschwächen aufweist, die für moderne Sicherheitsanforderungen nicht mehr ausreichen.

Offene Fragen – Was der Quelltext nicht beantwortet

Der Quelltext lässt einige wichtige Fragen unbeantwortet, die für eine vollständige Bewertung der Situation relevant wären. Zunächst bleibt unklar, ob AMD plant, für die betroffenen Prozessoren der Familie 16h noch Sicherheitsupdates oder Microcode-Patches bereitzustellen, um die Lücke zumindest zu erschweren. Da es sich um Hardware handelt, die vor über einem Jahrzehnt auf den Markt kam, ist der Support-Status für diese Prozessoren ein kritischer Punkt, der im Text nicht explizit geklärt wird. Zudem wird nicht beantwortet, ob die Schwachstelle bei neueren AMD-Prozessoren, bei denen die Register-Dokumentation fehlt, tatsächlich existiert oder ob AMD dort bereits durch architektonische Änderungen nachgebessert hat. Auch die Frage nach der praktischen Ausnutzbarkeit in realen Szenarien – etwa ob Schadsoftware bereits aktiv versucht, diese Methode einzusetzen – bleibt offen. Der Text konzentriert sich auf die theoretische Machbarkeit und die wissenschaftliche Dokumentation durch Christopher Domas, lässt jedoch die Frage nach der tatsächlichen Verbreitung von Angriffen auf diese spezifische Schwachstelle im Feld völlig außen vor.

Wie es weitergeht – Angekündigte Schritte und Ausblick

Konkrete Termine für Sicherheitsupdates oder offizielle Stellungnahmen von AMD zu dieser spezifischen Lücke werden im Quelltext nicht genannt. Die Dokumentation der Schwachstelle durch Christopher Domas auf GitHub dient als Grundlage für weitere Analysen durch die Sicherheits-Community. Da die betroffenen Prozessoren der Familie 16h bereits als veraltet gelten, ist nicht davon auszugehen, dass umfangreiche Korrekturmaßnahmen seitens des Herstellers folgen werden. Der Fokus der IT-Sicherheitsforschung wird sich vermutlich auf die Frage verlagern, ob die bei der Familie 16h beobachteten Mechanismen in ähnlicher Form auch bei aktuellen Prozessor-Architekturen vorhanden sind. Da AMD die Dokumentation der kritischen Register für neuere Modelle eingestellt hat, wird die weitere Untersuchung dieser Thematik maßgeblich davon abhängen, ob es unabhängigen Forschern gelingt, die Funktionsweise dieser Register durch Reverse-Engineering zu entschlüsseln. Die Diskussion um die Sicherheit von Confidential Computing und die Abschottung von Speicherbereichen wird in der Sicherheits-Community fortbestehen, insbesondere da ähnliche Angriffe wie „BatteringRAM“ zeigen, dass derartige Schwachstellen ein wiederkehrendes Problem bei der Hardware-Sicherheit darstellen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/technologie-computer-modern-maschine-11047223/ · Foto: Vlad Samoylik
Quelle: https://www.heise.de/news/Seitenkanal-erlaubt-Zugriff-auf-RAM-des-AMD-Sicherheitscontrollers-PSP-11414481.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag