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Claude Mythos: Anthropic-KI knackt Verschlüsselungsstandard – was das bedeutet
Technik · 29.07.2026 11:30

Claude Mythos: Anthropic-KI knackt Verschlüsselungsstandard – was das bedeutet

Kurz: Die KI Claude Mythos von Anthropic hat Schwachstellen in einer abgeschwächten AES-Version entdeckt. Was bedeutet dieser Durchbruch für die globale IT-Sicherheit

Ein Meilenstein in der KI-Kryptografie

Der Advanced Encryption Standard (AES) gilt seit seiner Einführung im Jahr 2001 als das Rückgrat der digitalen Sicherheit. Ob Online-Banking, private Nachrichten oder hochsensible Staatsgeheimnisse – AES schützt weltweit Datenströme. Nun sorgt ein Bericht der New York Times für Aufsehen: Das KI-Modell Claude Mythos Preview soll Schwachstellen in einer modifizierten, abgeschwächten Variante dieses Standards identifiziert haben. Obwohl der Angriff nicht die vollumfängliche, im Internet eingesetzte Version betrifft, markiert er einen technologischen Wendepunkt.

Überlegene Analysegeschwindigkeit

Besonders bemerkenswert ist laut den Berichten die Effizienz, mit der die KI vorging. Claude Mythos soll bei der Identifizierung der Schwachstellen 200- bis 1.000-mal schneller agiert haben als menschliche Experten auf dem Gebiet der Kryptografie. Die KI entwickelte den Angriffsweg nahezu autonom. Im Anschluss benötigten zwei menschliche Forscher fast einen kompletten Monat, um die von der KI vorgeschlagene Methode zu validieren und zu verifizieren.

Laut Nicholas Carlini, einem Forscher bei Anthropic und ehemaligem Mitarbeiter bei Google, verdeutlicht dieser Fall die rasante Entwicklung der KI-Fähigkeiten. Während Modelle noch im Jahr 2025 bei vergleichsweise simplen mathematischen Problemen scheiterten, sind sie heute in der Lage, modernste Forschungsergebnisse zu erzielen, die menschlichen Experten zuvor verborgen blieben.

Auswirkungen auf Post-Quanten-Verfahren

Die Sorge vor dem Knacken von Verschlüsselungen ist nicht neu. Bisher konzentrierte sich die Fachwelt vor allem auf die Bedrohung durch Quantencomputer. Diese könnten theoretisch moderne Verschlüsselungsprotokolle durch ihre enorme Rechenleistung aushebeln. Der Erfolg von Claude Mythos bei einem weiteren kryptografischen System namens „Hawk“ zeigt jedoch eine neue Dimension auf.

Hawk gilt als Kandidat für zukünftige Sicherheitsstandards des National Institute of Standards and Technology und ist eigentlich darauf ausgelegt, sowohl traditionellen als auch Quantencomputer-Angriffen standzuhalten. Die Entwickler von Hawk bestätigten, dass die von der KI vorgeschlagene Methode theoretisch funktionieren könnte. Dies nährt die Befürchtung, dass der mathematische Kern von Sicherheitsstandards auch unabhängig von Quantenhardware anfällig sein könnte.

Perspektiven für die IT-Sicherheit

Akut besteht für die aktuell genutzten Verschlüsselungsmethoden im Internet keine unmittelbare Gefahr. Dennoch beobachten Sicherheitsexperten die Fortschritte der KI-Modelle mit großer Aufmerksamkeit. Die langfristigen Folgen für traditionelle Schutzmaßnahmen könnten erheblich sein, da die KI-gestützte Analyse die Zeitspanne bis zur Entdeckung von Sicherheitslücken drastisch verkürzt.

Ein positiver Aspekt dieser Entwicklung könnte jedoch in der proaktiven Sicherheit liegen: Wenn KI-Modelle wie Claude Mythos in der Lage sind, Schwachstellen in kryptografischen Verfahren aufzuspüren, könnten sie künftig auch dazu genutzt werden, diese Verfahren bereits während der Entwicklungsphase robuster zu gestalten. Die Identifizierung von Sicherheitslücken durch KI könnte somit zu einem essenziellen Werkzeug werden, um neue Standards zu härten, bevor sie in die breite Anwendung gelangen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/abstrakt-technologie-forschung-digital-18068768/ · Foto: Google DeepMind
Quelle: https://t3n.de/news/mythos-knackt-verschluesselung-1755434/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed