Einberufung nach Rabat
Der FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Medienberichten zufolge hochrangige Führungskräfte des Fußball-Weltverbandes zu einer kurzfristigen Krisensitzung nach Rabat einberufen. Wie unter anderem die „Times“ und „Sky UK“ übereinstimmend meldeten, soll das Treffen an diesem Mittwoch in der marokkanischen Hauptstadt stattfinden. Infantino hält sich derzeit selbst in dem Land auf, das als einer der Co-Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 fungiert.
Über die genaue Agenda der Sitzung gibt es bislang keine offiziellen Informationen. Es bleibt unklar, welche konkreten Themen der Schweizer mit seinem Führungspersonal erörtern will. Die Zusammenkunft findet in einem regionalen Hauptsitz der FIFA statt, der für den afrikanischen Kontinent zuständig ist. Rabat ist zudem der Ort, an dem 2027 der 77. FIFA-Kongress sowie die anstehenden Präsidentenwahlen abgehalten werden sollen.
Wachsender Druck auf die Verbandsspitze
Die Einberufung erfolgt in einer Phase, in der der öffentliche und interne Druck auf den 56-jährigen FIFA-Chef massiv zugenommen hat. Auslöser für die aktuelle Zuspitzung ist primär das Scheitern eines Investorendeals, den Infantino maßgeblich vorangetrieben hatte. Das Vorhaben war auf breite Kritik gestoßen und gilt nun als gescheitert.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich auch in der internen Struktur des Weltverbandes. Zuletzt hatten sich hochrangige Funktionäre, darunter FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und der FIFA-Direktor Arsène Wenger, öffentlich von Infantino distanziert. Diese Distanzierung markiert eine Zäsur, da der Präsident lange Zeit als unangreifbar innerhalb der Verbandsstrukturen galt.
Reaktion des Präsidenten
Trotz der zunehmenden Isolation innerhalb der FIFA-Spitze zeigt sich Infantino öffentlich unbeeindruckt. Rücktrittsforderungen oder entsprechende Spekulationen weist er bisher zurück. Stattdessen setzt der Präsident auf eine eigene Kommunikationsstrategie: Über soziale Medien, insbesondere via Instagram, veröffentlicht er in hoher Frequenz Rückblicke auf vergangene Weltmeisterschaften und teilt Unterstützerschreiben von verschiedenen Fußballverbänden.
Kontext und Ausblick
Der Aufenthalt in Marokko ist kein Zufall. Bereits in der vergangenen Woche war Infantino dort als Gast von König Mohammed VI. öffentlich in Erscheinung getreten. Die Wahl des Ortes für das Krisentreffen unterstreicht die Bedeutung Marokkos als strategischen Knotenpunkt für die FIFA.
Ob die Sitzung in Rabat eine Stabilisierung der Lage bewirken kann oder ob die interne Entfremdung weiter voranschreitet, bleibt abzuwarten. Während einige Verbände dem Präsidenten weiterhin die Treue halten, deutet die jüngste Distanzierung aus den eigenen Reihen auf eine schwierige Phase für die Verbandsführung hin. Die kommenden Tage dürften zeigen, ob Infantino die Kontrolle über die interne Dynamik zurückgewinnen kann oder ob der Druck durch weitere Absetzbewegungen innerhalb der FIFA weiter wächst.