Ein mutiger Richtungswechsel für Game Freak
Das japanische Studio Game Freak ist weltweit als Schöpfer der Pokémon-Reihe bekannt. Mit der Veröffentlichung von *Beast of Reincarnation* wagt das Team nun einen deutlichen Genre-Wechsel. Anstatt auf das Sammeln und Trainieren von Monstern zu setzen, präsentiert sich der Titel als Action-Rollenspiel in einem düsteren Endzeit-Szenario. Die Reise führt die Protagonistin Emma durch ein gezeichnetes Japan, das von einer mysteriösen Verderbnis befallen wurde.
Die Spielwelt ist ein Mix aus Natur, Fantasy und Science-Fiction. Spieler bewegen sich durch verlassene Industrieanlagen, dicht bewachsene Wälder und überwucherte Ruinen. Das visuelle Design weckt dabei Assoziationen zu bekannten Titeln wie *Nier* oder *The Last of Us*.
Vertikale Erkundung und ihre Tücken
Ein zentraler Aspekt des Gameplays ist die vertikale Gestaltung der Umgebung. Um Dächer, Felsen oder eingestürzte Gebäude zu erklimmen, müssen Spieler regelmäßig springen und schweben. Hierfür nutzt Emma ihre pflanzenartigen Haare, die es ihr ermöglichen, kurze Strecken durch die Luft zu gleiten. Nach Angaben aus dem Testbericht erweist sich dieses Feature jedoch als spielerische Schwachstelle: Die Steuerung der Gleitmechanik wird als fummelig beschrieben, was den Erkundungsfluss beeinträchtigen kann.
Kuu: Der treue Begleiter mit Ecken und Kanten
Im Mittelpunkt des Abenteuers steht neben Emma der Hund Kuu. Er fungiert nicht bloß als kosmetischer Begleiter, sondern ist ein essenzieller Bestandteil des Spielsystems. Kuu hilft bei der Orientierung, greift aktiv in Kämpfe ein und spielt eine tragende Rolle in der Erzählung. Ein technischer Kritikpunkt ist jedoch das Verhalten des Tieres: Wenn Kuu zurückfällt, teleportiert er sich mittels einer Staubwolke direkt an die Seite der Protagonistin, was den Realismus und die Immersion stören kann.
Kampfsystem und taktische Tiefe
Das Kampfsystem konzentriert sich auf schnelle Nahkampf-Action, präzise Ausweichmanöver und den gezielten Einsatz freischaltbarer Fähigkeiten. Über einen Talentbaum lässt sich Emma kontinuierlich weiterentwickeln. Ein interessantes Detail ist die Interaktion zwischen den verschiedenen Gegnerfraktionen: Roboter und biologische Kreaturen bekämpfen sich in der Spielwelt häufig gegenseitig. Spieler können diese Situationen nutzen, um abzuwarten, bis die Gegner geschwächt sind, und anschließend gezielt einzugreifen. Die dabei erbeuteten Materialien und Bauteile sind notwendig, um die eigene Ausrüstung zu verbessern.
Schwierigkeitsgrade und Spielstruktur
Das Spiel bietet drei verschiedene Schwierigkeitsgrade an, um unterschiedliche Spielertypen anzusprechen. Während der höchste Modus auch erfahrene Spieler vor eine echte Herausforderung stellt, ist der leichteste Modus deutlich zugänglicher gestaltet. In diesem Modus lassen sich selbst große Bossgegner mit etwas Geschick bereits beim ersten Versuch besiegen. Die Struktur des Abenteuers ist in kleinere Gebiete unterteilt, die regelmäßig in Dungeons münden, welche durch Lagerfeuer miteinander verbunden sind.
Obwohl das Spiel durch seine Atmosphäre und das interessante Begleiter-Konzept punktet, zeigt sich in der Umsetzung der Steuerung und in technischen Details, dass dem Titel der letzte Feinschliff fehlt. Für Fans von Action-Rollenspielen, die ein düsteres Setting bevorzugen, bietet der Titel dennoch einen spannenden Einblick in die neue Ausrichtung der Entwickler.