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Schlagzeilen · 25.09.2026 17:37

Basf wirft ein Auge auf Konkurrent Evonik

Kurz: Der Chemie-Riese BASF zeigt Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten Evonik. Die Börsen reagierten bereits mit deutlichen Ausschlägen auf die Spekulationen

Ein möglicher Milliarden-Deal in der Chemiebranche

Die deutsche Chemieindustrie steht möglicherweise vor einer massiven Konsolidierung. Wie am 25. September 2026 bekannt wurde, hat der weltweit führende Chemiekonzern BASF ein ernsthaftes Interesse an einer Übernahme seines Wettbewerbers Evonik bekundet. Der Konzern aus Ludwigshafen ist mit einer unverbindlichen Anfrage an das Management von Evonik herangetreten, um die Möglichkeiten eines freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebots auszuloten. Dabei geht es um den Erwerb sämtlicher ausstehender Aktien des Unternehmens. Obwohl diese erste Kontaktaufnahme offiziell bestätigt wurde, betonen beide Seiten, dass derzeit keine konkreten Verhandlungen stattfinden. Dennoch hat die Nachricht an den Finanzmärkten bereits für erhebliche Unruhe gesorgt. Anleger reagierten prompt auf die Spekulationen, was zu einer deutlichen Bewegung der Aktienkurse führte. Während die Papiere von Evonik einen kräftigen Kurssprung verzeichneten, mussten die Anteilsscheine von BASF leichte Verluste hinnehmen. Die Branche beobachtet die Situation nun genau, da eine solche Fusion das Gefüge des deutschen Chemiesektors grundlegend verändern würde.

Details zur Kontaktaufnahme und Marktreaktionen

Die Hintergründe des Vorstoßes sind bereits seit einigen Tagen Gegenstand intensiver Berichterstattung. Laut Informationen des Finanzdienstleisters Bloomberg beschäftigt sich BASF bereits seit mehreren Monaten mit der Sondierung eines möglichen Deals und hat hierfür externe Berater hinzugezogen. Berichten der Financial Times zufolge gab es bereits Gespräche mit der RAG-Stiftung, die als maßgebliche Großaktionärin bei Evonik fungiert. Die Marktreaktion am Tag der Bekanntgabe war eindeutig: Die Evonik-Aktie legte um mehr als neun Prozent zu, was das Vertrauen der Investoren in eine mögliche Übernahmeprämie widerspiegelt. Im Gegensatz dazu gaben die BASF-Aktien um etwa zwei Prozent nach, was auf die Skepsis der Anleger gegenüber den finanziellen Belastungen einer solchen Großakquisition hindeuten könnte. Die unverbindliche Ansprache durch BASF stellt den bisher einzigen offiziellen Schritt in Richtung einer Transaktion dar, während über die genauen finanziellen Konditionen oder eine mögliche Angebotsstruktur bislang keine detaillierten Informationen an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Der Kontext der RAG-Stiftung und die Strategie

Eine zentrale Rolle bei diesem Vorhaben spielt die RAG-Stiftung. Sie hält derzeit etwa 43 Prozent der Anteile an Evonik und ist damit der wichtigste Ankeraktionär. Die Stiftung hat jedoch bereits in der Vergangenheit signalisiert, dass sie ihre Abhängigkeit von der volatilen Chemiebranche reduzieren möchte. Das erklärte Ziel der Stiftung ist es, ihren Anteil an Evonik langfristig auf 25,1 Prozent zu senken. Diese strategische Ausrichtung könnte BASF in die Karten spielen, da die Stiftung bei einer Übernahme als entscheidender Akteur fungiert. Für BASF selbst scheint die Übernahme strategisch motiviert zu sein. Berichten zufolge strebt der Konzern an, seinen regionalen Fußabdruck zu vergrößern und das eigene Produktportfolio zu diversifizieren. Ein wesentlicher Treiber für dieses Bestreben ist der zunehmende globale Wettbewerbsdruck, insbesondere durch aufstrebende chinesische Chemieanbieter, gegen die sich BASF durch eine stärkere Marktposition besser behaupten will.

Herausforderungen und wirtschaftliche Lage von Evonik

Die Nachricht über das Interesse von BASF trifft Evonik in einer Phase, in der das Unternehmen selbst mit internen Umstrukturierungen beschäftigt ist. Erst am 22. September 2026 kündigte der Konzern ein umfassendes Sparprogramm an, das den Abbau von insgesamt 3.200 Stellen vorsieht. Während das Unternehmen in Deutschland einen deutlichen Stellenabbau plant, setzt Evonik gleichzeitig auf Wachstumschancen in den Regionen Asien und Amerika. Diese Diskrepanz zwischen dem notwendigen Stellenabbau im Inland und der globalen Expansionsstrategie verdeutlicht den hohen Kostendruck, unter dem Evonik steht. Die nun bekannt gewordene Übernahmeabsicht von BASF könnte vor diesem Hintergrund als Versuch gewertet werden, Synergien zu heben und die Wettbewerbsfähigkeit in einem schwierigen Marktumfeld durch eine Bündelung der Kräfte zu sichern. Die wirtschaftliche Lage beider Unternehmen ist eng mit den globalen Lieferketten und der Nachfrage nach chemischen Grundstoffen und Spezialchemikalien verknüpft.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Trotz der Bestätigung der unverbindlichen Anfrage bleiben zahlreiche Fragen ungeklärt. Es ist derzeit völlig offen, ob aus der ersten Kontaktaufnahme tatsächlich ein verbindliches Übernahmeangebot erwachsen wird. Auch über die Haltung des Evonik-Managements zu den strategischen Plänen von BASF ist wenig bekannt, abgesehen von der Aussage, dass aktuell keine Gespräche geführt werden. Zudem ist unklar, wie die RAG-Stiftung auf ein konkretes Angebot reagieren würde und welche Bedingungen sie an einen Verkauf ihrer Anteile knüpfen könnte. Auch die kartellrechtliche Bewertung einer solchen Fusion ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Die Öffentlichkeit und die Anleger warten nun auf weitere Signale, ob sich die Parteien an einen Verhandlungstisch setzen werden. Für die Beschäftigten bei Evonik bleibt die Situation angesichts des bereits angekündigten Stellenabbaus und der neuen Übernahmespekulationen eine Phase der Unsicherheit. Es bleibt abzuwarten, welche nächsten Schritte BASF unternimmt, um das Interesse in eine konkrete Transaktion zu überführen oder ob das Vorhaben in der Sondierungsphase stecken bleibt.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/evonik-basf-100.html