Softwarefehler beeinträchtigt Abiturnoten in Baden-Württemberg
Nach Abschluss der diesjährigen Abiturprüfungen in Baden-Württemberg ist es zu Unregelmäßigkeiten bei der Zeugnisausstellung gekommen. Wie das Landeskultusministerium mitteilte, führte ein technischer Defekt in der verwendeten Berechnungssoftware dazu, dass eine Reihe von Schülern fehlerhafte Abiturdurchschnitte ausgewiesen bekam. Die Abweichungen, die in einigen Fällen zwischen 10 und 20 Prozent lagen, betrafen insgesamt etwa 100 Schülerinnen und Schüler an 54 verschiedenen Gymnasien im Bundesland.
Ursache und Ausmaß der Fehlberechnungen
Verantwortlich für die fehlerhaften Dokumente ist laut offiziellen Angaben eine Software des externen Dienstleisters Cmh Stuttgart. Das Programm, bekannt unter dem Namen „Winprosa“, wird landesweit zur Erstellung und Berechnung von Zeugnissen eingesetzt. In 70 der identifizierten Fälle war eine nachträgliche Anpassung des Abiturdurchschnitts zwingend erforderlich. Auffällig ist dabei, dass die Software in den meisten betroffenen Fällen einen zu hohen Durchschnittswert errechnete, der nicht mit der tatsächlichen Leistung der Schüler übereinstimmte.
Das Kultusministerium betonte, dass der Fehler keinen Einfluss auf das Bestehen der Abiturprüfungen hatte. Alle betroffenen Schülerinnen und Schüler haben ihre Prüfungen erfolgreich absolviert; die Korrekturen bezogen sich lediglich auf die rechnerische Darstellung der erzielten Noten auf den Zeugnisdokumenten.
Entdeckung und Reaktion der Behörden
Aufmerksam auf das Problem wurde das Ministerium, nachdem eine Schule einen konkreten Rechenfehler auf einem Zeugnis gemeldet hatte. Im Zuge einer daraufhin eingeleiteten manuellen Überprüfung durch das Kultusministerium konnte der Fehler in der Software identifiziert werden.
Im Vergleich zur Gesamtzahl von 29.000 Abiturienten in Baden-Württemberg stellt die betroffene Gruppe eine kleine Minderheit dar. Dennoch ist die Verunsicherung bei den Betroffenen groß, da das Abiturzeugnis als zentrales Dokument für den weiteren Bildungs- und Berufsweg dient. Das Ministerium hat bereits eine Liste aller betroffenen Schulen veröffentlicht, um für Transparenz zu sorgen.
Zusammenarbeit mit dem Softwareanbieter
Das Unternehmen Cmh Stuttgart, dessen Software seit vielen Jahren an Schulen in Baden-Württemberg im Einsatz ist, steht laut Ministerium seit Juni 2026 in engem Austausch mit den betroffenen Bildungseinrichtungen. Bisher galt die Software als zuverlässig. Gemeinsam mit dem Anbieter wurden Lösungen erarbeitet, um die fehlerhaften Daten zu korrigieren und die betroffenen Schüler mit korrekten Zeugnissen auszustatten.
Trotz dieses Vorfalls hält das Land an der Zusammenarbeit mit dem Dienstleister fest. Es ist geplant, dass auch in Zukunft weitere Produkte des Unternehmens an Schulen im Bundesland zum Einsatz kommen sollen. Die aktuelle Situation unterstreicht jedoch die Bedeutung einer sorgfältigen Qualitätssicherung bei der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen im Bildungswesen, insbesondere wenn es um hochrelevante Dokumente wie Abiturzeugnisse geht.