Audi senkt Jahresprognose: Herausforderungen in China und den USA
Der Audi-Konzern sieht sich im laufenden Geschäftsjahr 2026 mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert. Trotz einer leichten Steigerung des operativen Ergebnisses im ersten Halbjahr hat das Unternehmen seine Prognosen für das Gesamtjahr deutlich nach unten korrigiert. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr von 32,573 Milliarden Euro auf 29,177 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Audi nun einen Umsatz zwischen 58 und 63 Milliarden Euro, nachdem ursprünglich 63 bis 68 Milliarden Euro angepeilt worden waren.
Die operative Umsatzrendite lag im ersten Halbjahr bei 3,8 Prozent, was einer leichten Verbesserung gegenüber den 3,3 Prozent des Vorjahres entspricht. Dennoch wurde die Zielspanne für die operative Marge für das Gesamtjahr von 6 bis 8 Prozent auf 5 bis 7 Prozent gesenkt. Um diese Ziele zu erreichen, muss das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte eine deutlich höhere Profitabilität erzielen.
Einbruch im China-Geschäft belastet Bilanz
Ein wesentlicher Grund für die schwache Performance ist die Entwicklung in China, dem wichtigsten Einzelmarkt des Autobauers. Die Auslieferungen in China und Hongkong gingen um etwa 19 Prozent auf 232.227 Fahrzeuge zurück. Besonders drastisch ist der Einbruch beim Finanzbeitrag aus dieser Region: Dieser sank um 74 Prozent von 279 Millionen Euro auf 73 Millionen Euro. Audi begründet dies mit einem intensiven Wettbewerbsdruck durch lokale Hersteller, geringeren Erlösen aus dem Teilegeschäft sowie geopolitischen Unsicherheiten.
Auch in Nordamerika verzeichnete der Konzern einen Rückgang der Auslieferungen um knapp 17 Prozent auf 82.187 Fahrzeuge, was primär auf die Auswirkungen von US-Zöllen zurückgeführt wird. Ohne die Einbußen in diesen beiden Regionen lägen die weltweiten Auslieferungen nahezu auf dem Niveau des Vorjahres.
E-Auto-Boom in Europa als Hoffnungsträger
In Europa zeigt sich ein gegensätzliches Bild. In Deutschland stiegen die Auslieferungen um gut 4 Prozent, während in anderen europäischen Märkten wie Spanien, Italien und Großbritannien zweistellige Zuwachsraten erzielt wurden. Besonders stark ist die Nachfrage nach elektrifizierten Modellen: Die Auslieferungen von batterieelektrischen Fahrzeugen stiegen in Deutschland um 23 Prozent, bei Plug-in-Hybriden verzeichnete Audi sogar ein Plus von 147 Prozent.
Um diesen Trend zu nutzen, plant das Unternehmen den Ausbau seines Portfolios. Im Herbst 2026 soll mit dem A2 e-tron ein neues batterieelektrisches Einstiegsmodell vorgestellt werden. Für den nordamerikanischen und europäischen Markt ist zudem die Einführung des Full-Size-SUV Audi Q9 im vierten Quartal 2026 vorgesehen.
Restrukturierung und Standortdebatte
Die angespannte Lage führt zu einem erhöhten Druck auf die Konzernstrukturen. Audi-Finanzvorstand Jürgen Rittersberger betonte die Notwendigkeit, das Geschäftsmodell gemeinsam mit dem Volkswagen-Konzern neu auszurichten. Im Werk Neckarsulm wurde die Produktionskapazität bereits auf 225.000 Fahrzeuge pro Jahr reduziert, was 75.000 Einheiten unter dem früheren Niveau liegt.
Die Berichte über eine mögliche Schließung des Standorts nach 2030 haben zu Unruhe unter der Belegschaft geführt. Sowohl der Betriebsrat als auch die IG Metall fordern die Einhaltung der bestehenden Zukunftsvereinbarungen, die eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2033 vorsehen. Während Neckarsulm als künftiges Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Digitalisierung positioniert werden soll, bleibt die endgültige Entscheidung über die langfristige Ausrichtung der Standorte abzuwarten. Ob die geplante stärkere Nutzung gemeinsamer Plattformen innerhalb des VW-Konzerns und neue digitale Geschäftsmodelle die gewünschte Widerstandsfähigkeit bringen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.