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Öl-Deal mit Venezuela: Sinken nun die Spritpreise in den USA?
Schlagzeilen · 01.09.2026 21:38

Öl-Deal mit Venezuela: Sinken nun die Spritpreise in den USA?

Kurz: Die USA haben ein massives Öl-Abkommen mit Venezuela geschlossen. Doch Experten bezweifeln, dass dies die hohen Spritpreise in den USA kurzfristig senken wird.

Ein Abkommen mit weitreichenden Folgen

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat ein umfassendes Öl-Abkommen mit Venezuela geschlossen, das von US-Präsident Donald Trump als der „größte Öl-Deal der Weltgeschichte“ bezeichnet wurde. Die Vereinbarung sieht vor, dass die USA die Kontrolle über 17 spezifische Ölfelder in Venezuela erhalten, die geschätzte Reserven von rund 65 Milliarden Barrel Öl umfassen. Angesichts der aktuellen innenpolitischen Lage in den USA, in der die Benzinpreise infolge des Konflikts mit dem Iran massiv angestiegen sind, versucht die US-Administration mit diesem Schritt, die eigene Energieversorgung zu stabilisieren und die nationalen Notreserven aufzustocken. Die Ankündigung erfolgte Ende August 2026, wobei das Weiße Haus betonte, dass der Zugriff auf diese Ressourcen für die USA keine direkten Kosten verursachen werde. Dennoch stellt sich die drängende Frage, ob dieses Abkommen tatsächlich die erhoffte Entlastung für die US-Verbraucher an den Tankstellen bringen kann oder ob es sich primär um ein politisches Signal kurz vor den anstehenden Zwischenwahlen handelt.

Die vertraglichen Details im Überblick

Im Zentrum des Abkommens steht die Partnerschaft mit dem venezolanischen Unternehmen North American Blue Energy Partners (Nabep). Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez hat diesem Unternehmen die Förderrechte für einen Zeitraum von 100 Jahren eingeräumt. Die vertraglichen Bestimmungen sehen vor, dass das US-Verteidigungsministerium einen Eigentumsanteil von 35 Prozent an der Muttergesellschaft von Nabep erhält. Zudem wurde dem US-Außenministerium vertraglich zugesichert, 20 Prozent der gesamten Fördermenge zum Selbstkostenpreis erwerben zu dürfen. Um die Kontrolle über das Joint Venture zu wahren, wurde festgelegt, dass die Mehrheit der Vorstandsmitglieder US-Staatsbürger sein müssen, wobei die US-Regierung zudem ein Vetorecht bei der Ernennung dieser Personen besitzt. Finanziell ist das Projekt ambitioniert: Nabep soll bis zu 100 Milliarden Dollar in die Modernisierung der maroden venezolanischen Ölinfrastruktur investieren. Über die ersten 25 Jahre der Laufzeit werden zudem voraussichtlich 200 Milliarden Dollar an Lizenzgebühren und Steuern direkt an den venezolanischen Staat fließen, um dort den Wiederaufbau und soziale Programme zu unterstützen.

Historische Einordnung und geopolitische Motive

Der Öl-Deal markiert eine signifikante Verschiebung in den Beziehungen zwischen Washington und Caracas. Noch im April 2026 hatten die USA Sanktionen gegen die venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez aufgehoben, was als erster Schritt in Richtung einer Normalisierung der diplomatischen Beziehungen gewertet wurde. Historisch gesehen war Venezuela unter den Regierungen von Hugo Chávez und Nicolás Maduro ein enger Verbündeter von China, Russland und dem Iran. Mit dem aktuellen Abkommen verfolgen die USA laut Experten wie dem Lateinamerika-Spezialisten Wolfgang Muno das Ziel, den Einfluss dieser globalen Konkurrenten in Lateinamerika massiv zu beschneiden. Die USA berufen sich dabei implizit auf die Monroe-Doktrin, die einen exklusiven Einflussbereich in der westlichen Hemisphäre beansprucht. Viele der nun unter US-Kontrolle stehenden Ölfelder befanden sich zuvor im Besitz russischer oder chinesischer Unternehmen. Durch die Übernahme der Kontrolle über die Förderkapazitäten und die finanzielle Steuerung der Einnahmen über ein Konto in New York, das durch das US-Außenministerium verwaltet wird, steht Venezuela nun faktisch unter einer Art US-Vormundschaft.

Die Akteure und ihre Interessenlagen

Auf der Seite der USA treibt Präsident Donald Trump das Abkommen voran, um den Druck der steigenden Lebenshaltungskosten zu mildern, der seine Administration kurz vor den Midterms stark belastet. US-Außenminister Marco Rubio kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, da er laut Berichten darüber entscheidet, wie die durch das Öl generierten Gelder in Venezuela verwendet werden dürfen. Auf venezolanischer Seite hofft die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez, dass die massiven Investitionen in die marode Infrastruktur nicht nur die Ölproduktion ankurbeln, sondern auch die heimische Bauwirtschaft und den Handel beleben sowie neue Arbeitsplätze schaffen. Währenddessen meldete sich der inhaftierte Ex-Präsident Nicolás Maduro aus der Gefangenschaft des US-Militärs und betonte seine Standhaftigkeit. Die unterschiedlichen Interessenlagen – hier die Sicherung der Energieversorgung und geopolitische Dominanz, dort das wirtschaftliche Überleben und die Stabilisierung des Regimes – bilden das fragile Fundament, auf dem dieser Deal ruht.

Eine kritische Analyse der Umsetzbarkeit

Einzuordnen ist das Abkommen nach Ansicht von Experten als hochkomplexes Unterfangen mit erheblichen praktischen Hürden. ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen weist darauf hin, dass die venezolanische Ölindustrie in einem desolaten Zustand ist. Zudem ist das dort geförderte Öl von einer sehr schweren und zähflüssigen Konsistenz, was die Förderung technisch äußerst anspruchsvoll macht. Ein wesentlicher Punkt, den Kritiker hervorheben, ist die Eignung des Rohstoffs: Das venezolanische Öl ist zu schwer, um daraus in herkömmlichen Raffinerien effizient Benzin herzustellen. Es eignet sich primär für die Produktion von Diesel oder Asphalt, was den direkten Nutzen für die US-Benzinpreise infrage stellt. Experten wie Wolfgang Muno betonen zudem die politische Instabilität. Da das Land unter einer Art Vormundschaft steht und die Erlöse durch Washington kontrolliert werden, bleibt die Frage nach der langfristigen Akzeptanz in der venezolanischen Bevölkerung offen. Die Behauptung, dass die Benzinpreise in den USA durch diesen Deal schnell sinken könnten, wird von Fachleuten als illusorisch eingestuft, da der Aufbau der notwendigen Kapazitäten Jahre dauern wird.

Die Rolle der US-Benzinpreise im Wahlkampf

Die Benzinpreise haben sich zu einem der zentralen Themen im Vorfeld der Zwischenwahlen entwickelt. Mit einem Durchschnittspreis von 4,09 Dollar pro Gallone Ende August 2026 liegt der Kraftstoffpreis deutlich über dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs. Der amerikanische Automobilklub AAA warnte bereits vor einem Rekordmonat bei den Tankstellenkosten. Diese Entwicklung belastet die Haushalte spürbar und wird von der Opposition als Schwachpunkt der Trump-Administration genutzt. Der Präsident selbst hatte zunächst Hoffnungen geweckt, dass der Deal mit Venezuela unmittelbar zu niedrigeren Preisen führen könnte, ruderte jedoch später zurück und räumte ein, dass es eine gewisse Zeit dauern werde. Diese Diskrepanz zwischen den vollmundigen Ankündigungen und der technischen Realität verdeutlicht, wie stark das Öl-Thema als politisches Instrument in der aktuellen Krisenzeit genutzt wird, um von den tieferliegenden wirtschaftlichen Problemen abzulenken.

Offene Fragen und verbleibende Unsicherheiten

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von Fragen unbeantwortet, die für die langfristige Bewertung des Deals entscheidend wären. Es bleibt unklar, wie die betroffenen russischen und chinesischen Unternehmen auf den Verlust ihrer Förderrechte reagieren werden und ob dies zu internationalen rechtlichen Auseinandersetzungen führen könnte. Zudem schweigt der Bericht über die konkreten Sicherheitsgarantien für die massiven Investitionen in Höhe von 100 Milliarden Dollar in einem politisch derart volatilen Umfeld. Auch bleibt offen, wie die venezolanische Bevölkerung auf die langfristige Kontrolle ihrer Ressourcen durch eine ausländische Macht reagieren wird, insbesondere wenn die versprochenen sozialen Verbesserungen nicht zeitnah eintreten sollten. Die Frage, ob das US-Militär dauerhaft in die Sicherung der Ölfelder involviert sein wird, um die Einhaltung des Vertrages zu garantieren, wird im Text ebenfalls nicht detailliert erörtert. Diese Lücken in der Informationslage unterstreichen, dass das Abkommen trotz seiner Größe mit erheblichen Risiken behaftet ist, die über die rein wirtschaftlichen Aspekte hinausgehen.

Der weitere Zeitplan und die Erwartungen

Wie es in den kommenden Monaten weitergehen wird, hängt maßgeblich von der Umsetzung der Investitionspläne durch Nabep ab. Die Modernisierung der Infrastruktur ist ein Prozess, der laut Experten Jahre in Anspruch nehmen wird, bevor eine signifikante Steigerung der Ölproduktion überhaupt möglich ist. Die US-Regierung wird in den kommenden Wochen und Monaten unter Druck stehen, erste Fortschritte bei der Notvorrat-Auffüllung zu präsentieren, um die Erwartungen der Wähler zu erfüllen. Gleichzeitig stehen die Zwischenwahlen im November an, bei denen sich zeigen wird, ob das Narrativ des „größten Deals der Weltgeschichte“ bei den US-Bürgern verfängt oder ob die anhaltend hohen Benzinpreise die politische Stimmung weiter belasten. Die internationale Gemeinschaft wird zudem genau beobachten, wie sich das Verhältnis zu den bisherigen Partnern Venezuelas, insbesondere Russland und China, in der Region entwickeln wird, da die geopolitische Neuordnung Südamerikas durch dieses Abkommen erst am Anfang steht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/fliegen-militar-flugschau-thunder-24453476/ · Foto: Jaxon Matthew Willis
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/venezuela-usa-oel-abkommen-foerderung-industrie-100.html