Ermittlungen nach dem Anschlag am Berliner CSD
Nach dem folgenschweren Zwischenfall am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben sich die Sicherheitsbehörden auf eine klare Einordnung festgelegt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach im Rahmen einer Pressekonferenz von einem islamistischen Terroranschlag. Die Ermittlungen in diesem Fall werden nach Angaben der Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) von der Bundesanwaltschaft übernommen, was die Schwere und die politische Dimension des Vorfalls unterstreicht.
Der Angriff ereignete sich am späten Samstagabend im Berliner Tiergarten. Ein Autofahrer steuerte sein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Nach offiziellen Behördenangaben kam dabei eine Frau ums Leben. 29 weitere Personen wurden verletzt, einige davon schwer. Nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei besteht für die Verletzten jedoch keine akute Lebensgefahr mehr.
Details zur Tat und zum Tatverdächtigen
Ersten Erkenntnissen zufolge nutzte der Täter das Fahrzeug als Waffe. Zudem soll er nach der Kollision mit einer Machete bewaffnet aus dem Auto gestiegen sein und Passanten attackiert haben. Die Polizei fahndet seit der Nacht zum Sonntag intensiv nach dem 21-jährigen Abdul B., der als Hauptverdächtiger gilt.
Die Berliner Polizei hat ein Foto des jungen Mannes veröffentlicht und warnt die Bevölkerung ausdrücklich davor, den Verdächtigen anzusprechen. Er wird als etwa 1,90 Meter groß mit schlanker Statur und schwarzen Haaren beschrieben. Sicherheitskreisen zufolge handelt es sich bei Abdul B. um einen deutschen Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln. Der Mann war den Verfassungsschutzbehörden bereits vor der Tat bekannt.
Hintergrund und Vorgeschichte
Der Verdächtige ist kein unbeschriebenes Blatt bei den Sicherheitsbehörden. Er war bereits in der Vergangenheit wegen der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Laut Justizangaben hatte er im vergangenen Jahr versucht, nach Syrien zu reisen, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen – dieses Vorhaben scheiterte jedoch. Zudem wurde ihm die Verbreitung verbotener Propaganda der Terrorgruppe über den sozialen Dienst Instagram im Jahr 2024 zur Last gelegt.
Fahndungsmaßnahmen und weitere Festnahmen
Die Sicherheitsbehörden haben einen bundesweiten Fahndungsdruck aufgebaut. Innenminister Dobrindt betonte, dass Polizei und Bundespolizei mit einem massiven Kräfteeinsatz nach dem Flüchtigen suchen. Die Maßnahmen erstrecken sich über Berlin hinaus auf Bahnhöfe, Flughäfen sowie die deutschen Außengrenzen.
Im Zusammenhang mit der Tat gibt es zudem eine weitere Entwicklung: Nach Informationen des rbb wurde bereits in der Nacht zum Sonntag ein zweiter Mann festgenommen, der sich möglicherweise ebenfalls im Tatfahrzeug befunden haben könnte. Es soll sich hierbei um einen iranischen Staatsbürger handeln.
Gesellschaftliche Reaktionen und Solidarität
Die Tat hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Spitzenvertreter aus Politik und Gesellschaft drückten ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörige aus. In Berlin fand eine Trauerandacht in der Marienkirche am Alexanderplatz statt, an der unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz teilnahm.
Auch in anderen Städten formierte sich Solidarität. In Hamburg versammelten sich rund 800 Menschen zu einer Kundgebung. Die Sicherheitsbehörden beobachten die Lage genau, insbesondere im Hinblick auf anstehende Großveranstaltungen wie die CSD-Parade in Hamburg, bei der am kommenden Samstag mit Hunderttausenden Teilnehmenden gerechnet wird. Innenminister Dobrindt erklärte, dass nach derzeitigem Stand keine weitere unmittelbare Gefährdung durch den Hauptverdächtigen ausgehe, während die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft mit Hochdruck fortgeführt werden.