Ein strategischer Wendepunkt für die europäische Raumfahrt
Das europäische Projekt Iris², eine geplante Satellitenkonstellation, schlägt einen neuen technischen Weg ein. Wie Jean-François Fallacher, CEO von Eutelsat, bekannt gab, soll das System konsequent auf 5G-Standards für nicht-terrestrische Netzwerke (NTN) setzen. Diese Entscheidung markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Konzeptionsphase und läutet den Übergang in die operative Umsetzung ein.
Die Wahl für offene 5G-NTN-Standards ist dabei nicht nur eine technische Entscheidung, sondern eine strategische Antwort auf die aktuelle Marktsituation. Bisher dominieren US-amerikanische Unternehmen den Bereich der Satellitenkommunikation mit proprietären Technologien. Anbieter wie Starlink, Amazon oder Oneweb nutzen geschlossene Systeme, die eine Interoperabilität erschweren. Durch den Einsatz von 5G-NTN strebt Europa eine Standardisierung an, die langfristig Kosten senken und die Entwicklung kleinerer, kostengünstigerer Antennen ermöglichen soll.
Struktur und Kapazitäten von Iris²
Das Projekt Iris² ist als hybride Konstellation konzipiert, die verschiedene Umlaufbahnen nutzt. Nach der Einigung zwischen der Europäischen Kommission und dem Spacerise-Konsortium – bestehend aus Eutelsat, Hispasat und SES – steht nun der Ausbauplan fest. Die Gesamtkonstellation soll künftig 348 Satelliten umfassen:
* 330 Satelliten im erdnahen Orbit (LEO), die unter der Federführung von Eutelsat stehen.
* 18 Satelliten im mittleren Erdorbit (MEO), bereitgestellt durch SES.
Eutelsat bringt dabei seine Erfahrung aus der Übernahme von Oneweb ein, wobei die neuen Iris²-Einheiten technisch deutlich moderner ausfallen sollen. Die Kapazität des Systems soll die der heutigen Oneweb-Konstellation deutlich übertreffen. Für die Verteidigungs-, Sicherheits- und Notfalldienste wurden zudem 66 zusätzliche LEO-Satelliten in die Planung aufgenommen.
Zeitplan und politische Rahmenbedingungen
Der Übergang von der Vorbereitungsphase in die Betriebsphase ist ein entscheidender Meilenstein für das europäische Raumfahrtprogramm. Die Europäische Kommission hat bereits die Weichen für die notwendigen Frequenzen gestellt. Ein wesentlicher Teil des 2-GHz-Spektrums wurde für europäische Unternehmen reserviert, wovon ein Drittel explizit Iris² zugewiesen wurde. Dies sichert dem Projekt die notwendigen Ressourcen für einen stabilen Betrieb.
Die Dienste sollen ab dem Jahr 2029 offiziell an den Start gehen. Mit diesem Zeitplan verfolgt die Europäische Union das Ziel, eine souveräne Infrastruktur aufzubauen, die unabhängig von den großen US-amerikanischen Akteuren agiert. Die Nutzung offener Standards soll dabei sicherstellen, dass die europäische Technologie anschlussfähig bleibt und sich im Wettbewerb durch Skaleneffekte behaupten kann. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie effizient die Integration der 5G-NTN-Technik in die komplexe Satellitenarchitektur gelingt.