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240 Megawatt: Schwarz Digits plant weiteres Rechenzentrum in Deutschland
Technik · 27.08.2026 10:43

240 Megawatt: Schwarz Digits plant weiteres Rechenzentrum in Deutschland

Kurz: Die Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum bei Rostock. Das Projekt soll bis 2033 eine Kapazität von 240 Megawatt erreichen.

Ein neues Großprojekt für die digitale Infrastruktur

Die Schwarz-Gruppe, der Mutterkonzern der Handelsketten Lidl und Kaufland, hat ein bedeutendes Infrastrukturvorhaben angekündigt. Über ihre IT-Sparte Schwarz Digits plant das Unternehmen den Bau eines hochmodernen Rechenzentrums in der Gemeinde Dummerstorf in der Nähe von Rostock. Das Investitionsvolumen für dieses Vorhaben beläuft sich auf insgesamt 5,6 Milliarden Euro. Das Projekt ist auf eine langfristige Perspektive ausgelegt und soll bis zum Jahr 2033 vollständig fertiggestellt sein. Mit einer geplanten Kapazität von 240 Megawatt unterstreicht der Konzern seinen Anspruch, eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung digitaler Kapazitäten in Deutschland einzunehmen. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen einer Pressekonferenz, an der sowohl die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, als auch der Chef der Schwarz-Gruppe, Gerd Chrzanowski, teilnahmen. Das Vorhaben reiht sich in eine Strategie ein, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von ausländischen Cloud- und KI-Anbietern zu verringern und die digitale Souveränität des Unternehmens sowie des Standorts Deutschland maßgeblich zu stärken.

Die technischen und finanziellen Eckdaten des Vorhabens

Die Dimensionen des geplanten Rechenzentrums in Dummerstorf sind beachtlich. Die geplante Anschlussleistung von 240 Megawatt soll nach aktuellen Planungen bis zum Jahr 2045 sogar auf eine Leistung von einem Gigawatt ausgebaut werden können. Während die Investitionssumme für den Standort Dummerstorf mit 5,6 Milliarden Euro beziffert wird, setzt sich das Gesamtbild der Investitionen durch den Vergleich mit dem bereits im Bau befindlichen Projekt in Lübbenau in Brandenburg ab. Dort investiert die Schwarz-Gruppe 11 Milliarden Euro in ein KI-Rechenzentrum. Der finanzielle Unterschied zwischen den beiden Projekten erklärt sich laut Unternehmensangaben dadurch, dass in die Summe für Lübbenau bereits die Kosten für die komplexe technische Ausstattung eingerechnet sind. Die wirtschaftliche Basis für diese Investitionen ist solide: Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das Ende Februar endete, konnte die Sparte Schwarz Digits einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro verzeichnen, was einem Wachstum von 16 Prozent entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen die wachsende Bedeutung der IT-Sparte innerhalb des Handelsriesen, der zunehmend als Technologieanbieter agiert.

Der Weg zur digitalen Unabhängigkeit

Die Entscheidung für den Standort in Mecklenburg-Vorpommern ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten strategischen Ausrichtung. Die Schwarz-Gruppe verfolgt das Ziel, ihre IT-Prozesse – von der Logistik über Bestellabwicklungen bis hin zu Bezahlvorgängen und komplexen Kundenbindungsprogrammen – auf einer eigenen, souveränen Infrastruktur abzubilden. Manuela Schwesig betonte während der Präsentation, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern ein starkes Interesse daran habe, unabhängiger von internationalen Cloud-Anbietern zu werden. Für den Konzern bedeutet dies, dass die Kapazitäten in Dummerstorf in erster Linie für den internen Bedarf der Handelsketten genutzt werden sollen. Gleichzeitig soll der Ausbau der Anlage dazu dienen, die Skalierung souveräner IT-Lösungen weiter voranzutreiben. Die digitale Souveränität, so Gerd Chrzanowski, erfordere eine verlässliche Infrastruktur, die auf praxistauglichen Anwendungen basiert. Damit positioniert sich die Schwarz-Gruppe als Akteur, der nicht nur Waren, sondern auch die notwendige digitale Infrastruktur für den deutschen Markt bereitstellt.

Die Akteure und ihre Rollen im Projekt

An der Spitze dieses Vorhabens stehen die Verantwortlichen der Schwarz-Gruppe sowie die politische Führung des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Gerd Chrzanowski als Chef der Schwarz-Gruppe fungiert als treibende Kraft hinter der technologischen Expansion. Er betonte die Notwendigkeit, durch eigene Rechenzentren eine verlässliche Basis für die IT-Anwendungen der Gruppe zu schaffen. Auf politischer Seite unterstützt Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, das Projekt aktiv. Für das Bundesland ist die Ansiedlung eines derart großen Rechenzentrums ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. Die Zusammenarbeit zwischen dem Konzern und der Landesregierung zeigt sich auch in der gemeinsamen Pressekonferenz, in der die strategische Bedeutung für die Region und die digitale Souveränität Deutschlands hervorgehoben wurden. Zudem sind die Stadtwerke als Partner involviert, insbesondere im Hinblick auf die geplante Nutzung der Abwärme des Rechenzentrums, was die Einbindung lokaler Infrastrukturanbieter verdeutlicht.

Einordnung der Standortfaktoren und Nachhaltigkeit

Ein entscheidendes Kriterium für die Standortwahl Dummerstorf war die Verfügbarkeit von nachhaltig produziertem Strom. Die Region an der Ostseeküste profitiert von einem massiven Ausbau der Windkraft, sowohl an Land als auch auf dem Meer. Da Mecklenburg-Vorpommern bereits heute mehr als die Hälfte seines Strombedarfs aus Windenergie deckt, bietet der Standort eine ideale Voraussetzung für den Betrieb eines energieintensiven Rechenzentrums. Zudem verfügt Dummerstorf über einen direkten Anschluss an das Höchstspannungsnetz, was den effizienten Transport der benötigten Strommengen ermöglicht. Ein weiterer Standortvorteil ist das lokale Klima, das eine natürliche und damit wirkungsvollere Kühlung der Serveranlagen begünstigt. Einzuordnen ist das so: Die Schwarz-Gruppe nutzt die geografischen und infrastrukturellen Gegebenheiten des Nordens, um den ökologischen Fußabdruck ihrer IT-Infrastruktur zu minimieren. Die geplante Nutzung der Abwärme für Haushalte, für die eine Absichtserklärung mit den Stadtwerken unterzeichnet wurde, unterstreicht diesen Ansatz einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, der bereits in Lübbenau erfolgreich erprobt wird.

Offene Fragen und ungeklärte Aspekte

Trotz der detaillierten Ankündigung bleiben einige Aspekte des Projekts im Unklaren. Der Quelltext macht keine expliziten Angaben dazu, welche spezifischen IT-Technologien oder Hardware-Komponenten in Dummerstorf zum Einsatz kommen werden, um die 240 Megawatt Kapazität zu bewältigen. Auch die genaue zeitliche Staffelung des Ausbaus zwischen dem heutigen Stand und der geplanten Fertigstellung im Jahr 2033 wird nicht detailliert aufgeschlüsselt. Es bleibt zudem offen, wie die Finanzierung über die 5,6 Milliarden Euro hinaus bei einem möglichen Ausbau auf ein Gigawatt bis 2045 gestaltet werden soll. Ebenso fehlen Informationen über die Anzahl der Arbeitsplätze, die durch dieses Rechenzentrum in der Region geschaffen werden könnten. Die genauen technischen Spezifikationen der Abwärmenutzung und die Kapazitätsgrenzen des lokalen Stromnetzes bei einer Vollauslastung von einem Gigawatt werden im vorliegenden Text nicht weiter erläutert. Diese Lücken lassen Raum für zukünftige Konkretisierungen seitens des Unternehmens.

Der weitere Zeitplan und kommende Schritte

Das Projekt ist langfristig angelegt, mit einer Fertigstellung der ersten großen Ausbaustufe bis zum Jahr 2033. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung mit den Stadtwerken zur Abwärmenutzung ist ein wichtiger erster Schritt, der bereits vollzogen wurde. In den kommenden Jahren wird es darauf ankommen, die baulichen Voraussetzungen zu schaffen und die Anbindung an das Höchstspannungsnetz für die volle Kapazität zu sichern. Da das Projekt in Phasen gedacht ist, wird die Entwicklung des Standorts eng mit dem technologischen Bedarf der Schwarz-Gruppe korrelieren. Weitere Termine für den Baubeginn oder Meilensteine der Inbetriebnahme wurden im Rahmen der aktuellen Bekanntgabe nicht genannt. Die Entwicklung hin zu einer Anschlussleistung von einem Gigawatt bis 2045 bleibt ein langfristiges Ziel, das die strategische Ausrichtung der Schwarz-Gruppe weit über das nächste Jahrzehnt hinaus definiert. Die Beobachter werden nun verfolgen, wie zügig die Umsetzung der ersten Bauphase in Dummerstorf voranschreitet.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/technologie-tastatur-schwarz-schlussel-19970375/ · Foto: Boris Hamer
Quelle: https://www.golem.de/news/240-megawatt-schwarz-digits-plant-weiteres-rechenzentrum-in-deutschland-2608-212351.html