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Zürich: Wie der Mikrohandel die Drogenszene eindämmt
Schlagzeilen · 11.08.2026 09:13

Zürich: Wie der Mikrohandel die Drogenszene eindämmt

Kurz: Zürich setzt bei der Drogenpolitik auf pragmatische Lösungen. Die Duldung von Mikrohandel in Konsumräumen soll die offene Drogenszene effektiv eindämmen.

Ein umstrittener Ansatz mit System

In der Drogenpolitik geht die Stadt Zürich einen Weg, der auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint: Obwohl der Handel mit illegalen Substanzen grundsätzlich verboten ist, wird der sogenannte Mikrohandel in städtischen Drogenkonsumräumen geduldet. Florian Meyer, zuständig für die Abteilung „Soziale Einrichtungen und Betriebe, Schadensminderung illegale Substanzen“, sieht darin ein strategisches Instrument. Die Duldung sei der entscheidende Schlüssel, um die offene Drogenszene wirksam zu unterbinden.

Warum der Mikrohandel toleriert wird

Der Hintergrund für diese Praxis ist die Dominanz von Crack in der Zürcher Szene. Etwa 70 Prozent der monatlich rund 25.000 Konsumvorgänge in den städtischen Einrichtungen entfallen auf kokainbasiertes Crack. Während die Stadt für schwerstabhängige Personen zwar Heroin oder Ersatzdrogen kontrolliert abgibt, ist dies bei Crack nicht möglich. Es ist ausschließlich über den Schwarzmarkt zu beziehen.

Würden die Betreuer den Handel innerhalb der geschützten Räume unterbinden, müssten die Konsumenten die Einrichtungen verlassen. Die Folge wäre eine Verlagerung des Konsums in den öffentlichen Raum – genau das Szenario, das die Stadt durch ihre Strategie verhindern will. Die Konsumräume fungieren dabei nach einem „Restaurantprinzip“: Durch abgestimmte Öffnungszeiten wird sichergestellt, dass Abhängige stets eine Anlaufstelle finden, statt auf der Straße zu landen.

Lehren aus der Vergangenheit

Zürich blickt auf eine belastete Historie zurück. In den 1980er- und 1990er-Jahren galt die Stadt als Zentrum einer offenen Drogenszene, die sich unter anderem am Platzspitz und im Stadtteil Letten manifestierte. Die negativen Begleiterscheinungen waren gravierend: massive Beschaffungskriminalität, verwahrloste öffentliche Plätze und eine hohe Sterblichkeitsrate unter den Betroffenen.

Durch eine Kombination aus kontrollierter Heroinabgabe, dem Aufbau von Konsumräumen sowie einer konsequenten Eindämmung der offenen Szene gelang es der Stadt, diese Zustände zu überwinden. Die heutigen Bemühungen zielen darauf ab, diesen Status quo zu bewahren. Laut Meyer dient die Duldung der „Minideals“ dazu, die negativen Begleiterscheinungen der Sucht in einem kontrollierbaren Rahmen zu halten und gleichzeitig die Chancen auf eine soziale Integration der Betroffenen zu wahren.

Herausforderungen und Kapazitätsgrenzen

Trotz der Erfolge steht die Zürcher Drogenpolitik vor neuen Herausforderungen. Die bestehenden drei Konsumräume sind derzeit ausschließlich für Schwerstabhängige mit Wohnsitz in Zürich konzipiert. In der Praxis zeigt sich jedoch ein zunehmender Zustrom von Abhängigen aus dem Umland sowie aus dem süddeutschen Raum, für die diese Angebote nicht zugänglich sind.

Um den wachsenden Bedarf zu decken, plant die Stadt die Errichtung eines vierten Standorts. Die Suche nach einer politischen Mehrheit für dieses Vorhaben gestaltet sich jedoch schwierig. Bisher konnte noch kein Beschluss für eine Erweiterung der Kapazitäten gefasst werden, wenngleich die Suche nach einer Lösung laut Stadtverwaltung weiterhin aktiv vorangetrieben wird. Das Beispiel Zürich dient mittlerweile auch anderen Städten, wie etwa Köln und Düsseldorf, als mögliches Vorbild für eigene Modellversuche.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/zurich-29148085/ · Foto: Naimish Verma
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/zuerich-drogen-mikrohandel-100.html