News aus aller Welt
Start
Weltsozialforum: "Wir müssen auf die eigenen Ressourcen setzen"
Schlagzeilen · 10.08.2026 16:33

Weltsozialforum: "Wir müssen auf die eigenen Ressourcen setzen"

Kurz: Das Weltsozialforum in Benin setzt ein starkes Zeichen für Unabhängigkeit. Angesichts globaler Krisen fordern Aktivisten den Fokus auf lokale Ressourcen.

Ein Zeichen für Selbstbestimmung in Cotonou

Auf dem Campus der Universität von Cotonou in Benin versammelten sich rund 1.000 Teilnehmende aus über 50 Ländern zum Weltsozialforum. Die Veranstaltung, die sich als Gegenentwurf zum Weltwirtschaftsforum in Davos versteht, bot eine Plattform für Stimmen, die in der globalen Politik oft ungehört bleiben. Fischer, Kleinbauern, Vertriebene und Geflüchtete diskutierten über drängende Probleme wie Klimagerechtigkeit, Ernährungssicherheit und Menschenrechte.

Die Atmosphäre war von einem neuen, kämpferischen Selbstbewusstsein geprägt. Der Tenor der Veranstaltung war eindeutig: Der Globale Süden müsse sich zunehmend von der Abhängigkeit externer Geldgeber lösen und stattdessen auf eigene, lokale Ressourcen setzen.

Krisen als Katalysator für den Wandel

Das Forum fand vor dem Hintergrund einer sich verschärfenden globalen Lage statt. Konflikte im Norden, wie der Ukrainekrieg, haben Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit im Süden, etwa durch gestiegene Preise für Kunstdünger oder den Rückgang von Getreideimporten. Zudem beklagen Beobachter einen Rückzug westlicher Staaten aus der Entwicklungszusammenarbeit sowie eine Schwächung internationaler Institutionen durch die aktuelle US-Politik.

Experten wie Francisco Mari von „Brot für die Welt“ betonen, dass die Dringlichkeit der Situation – insbesondere durch den Klimawandel – eine Neuausrichtung erfordere. Das bekannte Motto „Eine andere Welt ist möglich“ wird zunehmend durch die Forderung ersetzt, dass eine andere Welt dringend notwendig sei.

Die Kehrseite des Mittelrückgangs

Die Auswirkungen des ausbleibenden finanziellen Engagements westlicher Staaten sind bereits sichtbar. Ein Beispiel ist das Biosphärenreservat in Grand Popo, das sich von Benin bis nach Togo erstreckt. Die dortigen Mangrovenwälder sind essenziell für den Klimaschutz, doch ihre Erhaltung ist durch Abholzung gefährdet. Da die Mittel für Umweltprojekte laut Angaben der Organisation Eco-Bénin im vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken sind, steht die Fortführung notwendiger Aufforstungsprogramme auf dem Spiel.

Ernährungssouveränität durch lokales Wissen

Parallel zu den Herausforderungen zeigen sich jedoch auch positive Ansätze in der Eigeninitiative. Ein Beispiel ist die Saatgutbank von CEVASTE nahe Cotonou. Hier werden widerstandsfähige Pflanzensorten kultiviert, die den Einsatz teurer, importierter Chemikalien überflüssig machen.

Dieses Konzept der „Ernährungssouveränität“ basiert auf der Nutzung lokalen Wissens und lokaler Ressourcen. Anstatt auf teure industrielle Lösungen aus den USA, der EU oder China angewiesen zu sein, setzen lokale Gemeinschaften auf Methoden, die wirtschaftlich tragfähig und ökologisch angepasst sind. Massa Koné, Sprecher der westafrikanischen Landrechtsbewegung, unterstrich in diesem Kontext, dass der Fokus auf den eigenen Möglichkeiten der einzig gangbare Weg sei, um sich von sogenannten Scheinlösungen internationaler Institutionen zu emanzipieren.

Ausblick auf kommende Entwicklungen

Das Weltsozialforum in Benin hat verdeutlicht, dass die Zivilgesellschaft des Globalen Südens trotz der schwierigen Rahmenbedingungen – von Unterdrückung bis hin zur Klimakatastrophe – an Entschlossenheit gewonnen hat. Die kommenden zwei Jahre werden zeigen, wie sich diese lokalen Initiativen weiterentwickeln, bevor das nächste Forum voraussichtlich in Südamerika stattfinden wird. Die Bewegung scheint gestärkt aus den Krisen hervorzugehen, mit dem klaren Ziel, die Abhängigkeit von externen Akteuren zugunsten einer eigenständigen, nachhaltigen Entwicklung zu reduzieren.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/geld-finanzen-kasse-wahrung-4911579/ · Foto: El Jundi
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/afrika/benin-weltsozialforum-bilanz-100.html