News aus aller Welt
Start
Was erfolgreiche Unternehmen bei ihrer Finanzinfrastruktur anders machen
Technik · 23.08.2026 09:00

Was erfolgreiche Unternehmen bei ihrer Finanzinfrastruktur anders machen

Kurz: Europas Mittelstand will wachsen, doch veraltete Finanzsysteme bremsen die Expansion. Eine Studie zeigt, wie die 'Kontrollsteuer' den Erfolg gefährdet.

Der Wachstumsdruck im europäischen Mittelstand

Die wirtschaftliche Landschaft in Europa befindet sich in einer Phase, in der der Wunsch nach Expansion über die eigenen Landesgrenzen hinaus bei den mittelständischen Unternehmen massiv an Bedeutung gewinnt. Eine aktuelle Untersuchung, die im Auftrag des Unternehmens Pleo von Sapio Research durchgeführt wurde, liefert hierzu aufschlussreiche Daten. Demnach haben 91 Prozent der befragten Finanzverantwortlichen konkrete Pläne, ihre Geschäftstätigkeit in naher Zukunft zu skalieren. Dieser ambitionierte Wachstumswille stößt jedoch auf ein strukturelles Hindernis, das in der Unternehmensführung oft unterschätzt wird: die Leistungsfähigkeit der bestehenden Finanzinfrastruktur. Viele Firmen wachsen in ihrem operativen Geschäft deutlich schneller, als ihre internen Systeme für das Finanzmanagement dies unterstützen können. Dieser Umstand führt dazu, dass der Erfolg der Expansionsbestrebungen an einer technologischen und prozessualen Hürde zu scheitern droht. Die Diskrepanz zwischen dem strategischen Willen zur Internationalisierung und der tatsächlichen administrativen Belastbarkeit der Finanzabteilungen erweist sich als kritischer Engpass, der nicht nur einzelne Firmen, sondern potenziell die gesamte europäische Wirtschaft in ihrem Fortschritt bremsen könnte.

Die Hürden der internationalen Expansion im Detail

Die Expansion in neue europäische Märkte wird von den Verantwortlichen als ein zentraler Wachstumstreiber eingestuft. Rund 64 Prozent der Befragten bewerten den Markteintritt in neue Länder als wichtig oder sogar sehr wichtig für die Zukunft ihres Unternehmens. Doch die Realität der Umsetzung ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Etwa 65 Prozent der Finanzentscheider berichten, dass sich die Erschließung eines neuen Marktes anfühlt, als würde man ein komplett neues Unternehmen aus dem Boden stampfen müssen. Dieser Eindruck speist sich aus einer Vielzahl von Faktoren, die den Prozess verkomplizieren. Dazu gehören vor allem die unterschiedlichen nationalen Steuersysteme, die innerhalb Europas trotz des Binnenmarktes eine hohe Komplexität aufweisen. Hinzu kommen eine oftmals unübersichtliche Bankeninfrastruktur, langwierige und herausfordernde Genehmigungsprozesse sowie die Problematik fragmentierter Datenquellen. Diese Faktoren führen dazu, dass Finanzteams Schwierigkeiten haben, in Echtzeit einen präzisen Überblick über die aktuelle Finanzlage des Gesamtunternehmens zu behalten. Die daraus resultierende Intransparenz führt dazu, dass viele Unternehmen aus Sorge vor Kontrollverlusten die weitere Skalierung zögerlich angehen oder gar ganz unterbrechen.

Die Entstehung der sogenannten Kontrollsteuer

Ein wesentlicher Aspekt, der im Zuge des Wachstums oft übersehen wird, ist die Entstehung einer sogenannten „Kontrollsteuer“. Dieser Begriff beschreibt einen unsichtbaren, aber dennoch massiven Preis, den Unternehmen für ihre Expansion zahlen. Um bei zunehmender Größe und geografischer Verteilung den Überblick zu behalten, führen Finanzabteilungen eine wachsende Anzahl an Freigabeprozessen, Abstimmungsrunden, komplexen Berichtsebenen und manuellen Kontrollmechanismen ein. Was als Sicherheitsmaßnahme gedacht ist, entwickelt sich langfristig zu einem administrativen Ballast. Die Teams verbringen immer mehr Zeit mit Routinetätigkeiten wie der manuellen Datenaufbereitung oder dem Reporting, anstatt sich auf ihre eigentliche Aufgabe zu konzentrieren: die strategische Modellierung und fundierte Marktanalysen. Die Zahlen unterstreichen diesen Trend deutlich: 52 Prozent der wachsenden Unternehmen geben an, dass ihre internen Finanzsysteme mit dem Tempo ihrer Skalierung nicht mehr Schritt halten können. Dies führt zu ungenutzten Wachstumspotenzialen, da die Strukturen eher Verwirrung stiften, als Klarheit zu schaffen, und die strategische Arbeit der Finanzverantwortlichen massiv behindert wird.

Akteure und Perspektiven der Finanzverantwortlichen

Im Zentrum dieser Entwicklung stehen die Finanzverantwortlichen, deren Rolle sich durch die beschriebenen Herausforderungen massiv verändert hat. Ursprünglich sollten sie als strategische Architekten des Unternehmenswachstums fungieren, doch die Realität zwingt sie oft in die Rolle von Verwaltern komplexer, manueller Prozesse. Die Studie von Pleo, die im April 2026 in Deutschland, Spanien und Großbritannien durchgeführt wurde, spiegelt die Sorgen dieser Berufsgruppe wider. Auch Søren West Lonning, der als CFO von Pleo für die Bereiche Finanzen, Recht, Strategie und M&A verantwortlich zeichnet, betont die Notwendigkeit, diese administrativen Hürden abzubauen. Er vertritt die Auffassung, dass Finanzteams durch den Einsatz moderner Plattformen, die Ausgaben und Cash-Management zentralisieren, von der Last der manuellen Arbeit befreit werden sollten. Ziel ist es, die Transparenz zu erhöhen und den Verantwortlichen wieder den nötigen Freiraum zu geben, um fundierte Entscheidungen auf Basis verlässlicher Daten zu treffen. Die Beteiligten an diesem Prozess sind somit nicht nur die Finanzabteilungen, sondern die gesamte Unternehmensführung, die entscheiden muss, ob sie weiterhin auf fragmentierte Tabellenkalkulationen setzt oder den Weg der technologischen Automatisierung einschlägt.

Einordnung der technologischen Notwendigkeit

Einzuordnen ist die aktuelle Situation als ein klassisches Skalierungsproblem, das viele europäische Unternehmen in einer Phase der digitalen Transformation betrifft. Den Berichten zufolge ist der Versuch, Innovationen auf fragmentierte, veraltete Strukturen aufzusetzen, zum Scheitern verurteilt. Viele Firmen diskutieren zwar intensiv über die Möglichkeiten der KI-Transformation, verharren jedoch in der Praxis bei manuellen Tabellenkalkulationen, die den Anforderungen eines modernen, grenzüberschreitenden Geschäftsbetriebs nicht mehr gerecht werden. Die Integration von Finanzsystemen darf dabei nicht als eine nachträgliche technische Aufgabe betrachtet werden, sondern muss als grundlegendes Prinzip der Unternehmensarchitektur verstanden werden. Nur wenn Systeme nahtlos miteinander kommunizieren und den administrativen Aufwand reduzieren, anstatt neue Komplexität zu erzeugen, können Unternehmen die Voraussetzungen für konsequentes Wachstum schaffen. Die Reduzierung der „Kontrollsteuer“ ist somit kein reines IT-Projekt, sondern eine strategische Notwendigkeit, um in einem herausfordernden makroökonomischen Umfeld bestehen zu können. Weitblick statt Aktionismus ist hierbei die geforderte Tugend für eine wirksame Finanzstrategie.

Offene Fragen und der weitere Ausblick

Obwohl die Studie die Problematik der fragmentierten Finanzsysteme deutlich benennt, bleiben einige Fragen unbeantwortet. So geht der Quelltext nicht detailliert darauf ein, welche spezifischen regulatorischen Unterschiede in den einzelnen europäischen Ländern die größte Hürde darstellen oder wie hoch der finanzielle Verlust durch die „Kontrollsteuer“ in konkreten Euro-Beträgen beziffert werden kann. Ebenso bleibt offen, wie Unternehmen, die bereits tief in proprietären Altsystemen verwurzelt sind, den Übergang zu einer integrierten Plattformlösung ohne Betriebsunterbrechung vollziehen können. Wie es weitergeht, ist jedoch klar definiert: Die befragten Unternehmen stehen vor der Notwendigkeit, ihre Finanzinfrastruktur grundlegend zu modernisieren. Die angekündigten Schritte umfassen die Implementierung von Lösungen, die verlässliche Daten, Compliance und eine zentrale Verwaltung von Ausgaben und Karten ermöglichen. Finanzverantwortliche sind dazu aufgerufen, den Fokus von der manuellen Administration hin zur strategischen Planung zu verschieben, um die Wachstumspläne der kommenden Jahre überhaupt realisieren zu können. Der Zeitdruck ist dabei signifikant, da das makroökonomische Umfeld keine langen Verzögerungen bei der Anpassung der internen Strukturen verzeiht.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/junge-berufstatige-im-urbanen-umfeld-von-bangkok-35764295/ · Foto: Sommart Sopon
Quelle: https://t3n.de/news/finanzinfrastruktur-erfolgreiche-unternehmen-wachstum-1749669/?utm_source=rss&utm_medium=newsFeed&utm_campaign=newsFeed