Ein umstrittener Vorstoß zur Gewinnmaximierung
Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbandes FIFA, treibt die Kommerzialisierung der Weltmeisterschaft weiter voran. Sein aktueller Plan sieht vor, Anteile am prestigeträchtigsten Turnier des Fußballs an private Investoren zu veräußern. Was auf den ersten Blick wie eine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein machtpolitisches Instrument, das Infantinos Position festigen könnte.
Die Strategie der FIFA ist dabei ebenso simpel wie effektiv: Die Mitgliedsverbände werden mit direkten Finanzspritzen gelockt. Laut vorliegenden Informationen sollen die Verbände bei einer Zustimmung zu den Plänen sofort 20 Millionen Dollar abrufen können, wobei für den nächsten WM-Zyklus bis 2030 weitere Zahlungen in Aussicht gestellt werden. Diese Summen sollen in den Folgejahren sogar noch weiter ansteigen.
Machtpolitik durch finanzielle Anreize
Besonders brisant ist die Verteilung dieser Gelder: Jeder Mitgliedsverband erhält den gleichen Betrag, unabhängig von seiner Größe oder sportlichen Bedeutung. Während für große Verbände wie den DFB die Summen lediglich interessant klingen, stellen sie für kleinere Verbände – etwa aus der Karibik oder Ozeanien – eine enorme finanzielle Aufwertung dar. Da bei FIFA-Wahlen jeder Verband über genau eine Stimme verfügt, sichert sich Infantino durch diese finanzielle Strategie eine loyale Basis, die ihn von Kritik aus europäischen Verbänden weitgehend unabhängig macht.
Die Rhetorik der FIFA betont dabei stets den Nutzen für den Breitensport und die Entwicklung vernachlässigter Regionen. Kritiker sehen darin jedoch lediglich eine Verschleierung der eigentlichen Absichten: die maximale Profitmaximierung unter Umgehung gesellschaftlicher Verantwortung.
Parallelen und politische Verflechtungen
Beobachter ziehen vermehrt Parallelen zwischen Infantinos Führungsstil und dem von Donald Trump. Beide Akteure zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Gefühl der Unantastbarkeit aus und scheuen sich nicht vor kontroversen Entscheidungen. Die Verbindungen gehen dabei über bloße Ähnlichkeiten hinaus: So gibt es Berichte über geschäftliche Überschneidungen bei den Investorenplänen. Die Risikokapitalfirma Thrive Capital, die in diesem Kontext genannt wird, gehört Joshua Kushner, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Zudem sorgt das enge Verhältnis der beiden Männer für politisches Aufsehen. Die US-Justiz hat bereits begonnen, die Verflechtungen genauer zu prüfen. Jamie Raskin, ein ranghoher Demokrat im Justizausschuss, hat Infantino aufgefordert, sich zu den Vorwürfen der Korruption und Einflussnahme zu äußern, und ihn vor den Ausschuss zitiert.
Die Hürden für den FIFA-Präsidenten
Obwohl Infantino gute Karten hat, seinen Plan durchzusetzen, bleiben zwei wesentliche Hindernisse bestehen:
1. **Der FIFA-Rat:** Hier sitzen die Kritiker des Präsidenten, die bereits in der Vergangenheit – etwa 2018 bei einem Milliarden-Deal mit saudi-arabischen Investoren – erfolgreich intervenieren konnten.
2. **Die US-Justiz:** Nach den Erfahrungen des Korruptionsskandals von 2015 agieren die US-Behörden als wachsamer Gegenspieler der FIFA. Eine Vorladung vor den Justizausschuss könnte den Prozess erheblich verlangsamen oder gar stoppen.
Die langfristigen Folgen für den Fußball
Sollte der Deal zustande kommen, stellt sich die fundamentale Frage nach der Zukunft des Fußballs. Kritiker warnen, dass durch den Verkauf von Anteilen kurzfristiges Kapital auf Kosten künftiger Einnahmen verbraucht wird. Zudem könnten Investoren, die primär an Gewinnmaximierung interessiert sind, künftige FIFA-Führungen unter Druck setzen, den sozialen Charakter des Turniers zugunsten rein kommerzieller Interessen weiter zu schwächen.
Für Infantino selbst könnte dieser Coup eine Absicherung seiner persönlichen Zukunft bedeuten. Da seine Amtszeit laut Statuten 2031 endet, wird bereits spekuliert, ob er anschließend als hochbezahlter Geschäftsführer in der neu geschaffenen Tochtergesellschaft tätig werden könnte, die für die Vermarktung der WM zuständig ist. Die Entwicklung zeigt, dass die Kommerzialisierung des Weltfußballs in eine neue, bisher kaum dagewesene Phase eintritt.