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Vorlass von Sigrid Löffler: Kritisches für Marbach
Kultur · 03.08.2026 12:55

Vorlass von Sigrid Löffler: Kritisches für Marbach

Kurz: Die renommierte Literaturkritikerin Sigrid Löffler übergibt ihren umfangreichen Vorlass an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach.

Ein bedeutendes Archiv für die Literaturgeschichte

Das Deutsche Literaturarchiv (DLA) in Marbach hat einen bedeutenden Zuwachs erhalten: Die österreichische Literaturkritikerin Sigrid Löffler hat ihren Vorlass der Institution übergeben. Dass die Unterlagen einer der profiliertesten Stimmen der deutschsprachigen Literaturkritik den Weg nach Marbach gefunden haben, wird als bemerkenswerter Erfolg gewertet. Das Archiv verfolgt den Anspruch, das deutschsprachige literarische Erbe umfassend zu dokumentieren, unabhängig von nationalen Grenzen. Da österreichische Autoren auch in ihrer Heimat stark beachtet werden, ist die Sicherung dieses Nachlasses in Marbach ein bedeutender Schritt für die literaturwissenschaftliche Forschung.

Eine Karriere zwischen Fernsehen und Redaktion

Sigrid Löffler, Jahrgang 1942, erlangte in Deutschland vor allem durch ihre langjährige Mitwirkung im „Literarischen Quartett“ große Bekanntheit. Von 1988 bis 2000 fungierte sie als markanter Widerpart zu Marcel Reich-Ranicki und prägte die öffentliche Wahrnehmung von Literaturkritik im Fernsehen maßgeblich.

Doch ihr journalistisches Wirken erstreckte sich weit über das Fernsehformat hinaus. Löffler sah ihr Ideal in der ausführlichen Rezension und dem tiefgründigen Porträt. Diese Arbeitsweise konnte sie unter anderem als Redakteurin des Wiener Nachrichtenmagazins „Profil“ sowie als Literaturchefin der Wochenzeitung „Die Zeit“ entfalten. Nach ihrem Ausscheiden aus dem „Literarischen Quartett“ rief sie die Zeitschrift „Literaturen“ in Berlin ins Leben, die sie bis 2008 maßgeblich prägte. Seitdem ist sie als freie Kritikerin tätig.

Einblicke in ein halbes Jahrhundert Korrespondenz

Der nun übergebene Vorlass umfasst die Dokumentation von fünf Jahrzehnten journalistischer Arbeit. Ein wesentlicher und historisch wertvoller Bestandteil sind die intensiven Korrespondenzen, die Löffler mit zahlreichen bedeutenden Schriftstellern ihrer Zeit führte. Zu den Briefpartnern zählen unter anderem:

* Literaturnobelpreisträger wie Elfriede Jelinek, Imre Kertész und Peter Handke

* W. G. Sebald, von dem auch ein Manuskript („Notiz zu Chatwin“) enthalten ist

* Susan Sontag, Christoph Ransmayr und Friederike Mayröcker

* Christoph Hein, Péter Esterházy und Brigitte Kronauer

Diese Dokumente bieten einen seltenen Einblick in die Arbeitsweise und den intellektuellen Austausch einer der einflussreichsten Kritikerinnen des deutschsprachigen Raums.

Bedeutung für die Forschung

Durch die Aufnahme in das Deutsche Literaturarchiv wird das Material für künftige Generationen von Forschern zugänglich gemacht. Die Unterlagen dokumentieren nicht nur Löfflers eigene publizistische Laufbahn, sondern spiegeln auch die literarischen Debatten und Entwicklungen der letzten fünfzig Jahre wider. Für das DLA bedeutet der Zuwachs eine Stärkung seiner Position als zentrale Anlaufstelle für die Erforschung der deutschsprachigen Literaturgeschichte, die über bloße nationale Kategorien hinausgeht. Die systematische Erschließung dieses Vorlasses wird in den kommenden Jahren voraussichtlich neue Perspektiven auf die literarische Kommunikation und den Betrieb der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/gebaude-mauer-wand-gasse-6039894/ · Foto: Sinitta Leunen
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/sigrid-loefflers-vorlass-geht-nach-marbach-accg-201090358.html