Ein kultureller Herbst in Hessen: Die Vielfalt der Ausstellungen
Die hessische Museumslandschaft präsentiert sich in diesem Herbst als ein Ort der intensiven Auseinandersetzung mit Kunst, Geschichte und Wissenschaft. Von den historischen Druckgrafiken eines Albrecht Dürer bis hin zu modernen, KI-gestützten Projekten, die vergessene Wissenschaftlerinnen ins Licht rücken, ist das Spektrum breit gefächert. Die verschiedenen Häuser in Kassel, Fulda, Gießen, Frankfurt, Rüsselsheim und Darmstadt laden Besucher dazu ein, sich mit Identität, Frauenbildern und der Naturfotografie auseinanderzusetzen. Dabei stehen sowohl prominente Namen der Kulturgeschichte als auch bisher übersehene Akteurinnen im Mittelpunkt. Die Ausstellungen zeichnen sich durch eine Mischung aus klassischer Kunstbetrachtung und zeitgenössischen, teils provokanten Ansätzen aus, die den Diskurs über gesellschaftliche Entwicklungen anregen. Die Verantwortlichen der Museen betonen, dass es darum gehe, neue Perspektiven auf bekannte Werke zu eröffnen und gleichzeitig verborgene Schätze der Forschung und Kunstgeschichte einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die kommenden Monate bieten somit eine Gelegenheit, sich intensiv mit den verschiedenen Facetten der bildenden Kunst und der Naturkunde zu befassen, wobei die Standorte über das gesamte Bundesland verteilt sind und ein breites Publikum ansprechen.
Albrecht Dürer und das fürstliche Sammelfieber in Kassel
Ein besonderes Highlight der Saison findet im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel statt. Im Zentrum steht Albrecht Dürer, der vor 555 Jahren geboren wurde und bereits zu Lebzeiten als Star der Kunstwelt galt. Die Ausstellung mit dem Titel "Dürer für hessische Fürsten" beleuchtet, warum die Herrscher von Kassel und Darmstadt eine so ausgeprägte Leidenschaft für die Druckgrafiken des Nürnberger Meisters entwickelten. Über Jahrhunderte hinweg trugen sie eine beeindruckende Sammlung zusammen, zu der auch das berühmte "Rhinceros" gehört. Die Schau, die vom 9. Oktober 2026 bis zum 17. Januar 2027 läuft, gewährt Einblicke in die Sammelleidenschaft vergangener Epochen. Besucher haben die Möglichkeit, die Exponate zu einem regulären Tagesticket von 12 Euro zu besichtigen, wobei ermäßigte Tickets für 9 Euro erhältlich sind. Die Ausstellung verdeutlicht den hohen Stellenwert, den Dürers Werke in den fürstlichen Kunstkammern einnahmen, und macht die historische Begeisterung für seine präzisen und detailreichen Arbeiten für heutige Besucher nachvollziehbar.
Marilyn Monroe: Intime Einblicke in Fulda
In der Galerie Bilder Fuchs in Fulda steht eine Ikone des 20. Jahrhunderts im Fokus: Marilyn Monroe, die in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. Die Ausstellung präsentiert bisher unveröffentlichte, intime Fotografien und Audioaufnahmen des LIFE-Magazin-Fotografen Allan Grant, der von 1919 bis 2008 lebte. Die Bilder bieten einen persönlichen Blick auf die Schauspielerin und Sängerin, die als frühe Popikone zahlreiche Künstler, darunter Andy Warhol, maßgeblich beeinflusste. Ergänzt wird die Schau durch ein neues Marilyn-Triptychon des Pop-Art-Künstlers James Francis Gill, der die historischen Aufnahmen als Vorlage nutzte. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. Oktober 2026 zugänglich. Die Galerie am Abtstor 41 in Fulda bietet den Besuchern freien Eintritt. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Freitag zwischen 10 und 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 15 Uhr. Die Zusammenstellung der Arbeiten würdigt Monroes bleibendes Erbe und ihre Rolle als Inspirationsquelle für die Kunstwelt.
Jürgen Klauke und die Auseinandersetzung mit Identität in Gießen
Die Kunsthalle Gießen widmet sich dem Werk von Jürgen Klauke, der 1943 geboren wurde und bereits in den 1970er und 80er Jahren zentrale Fragen zu Identität und Körperwahrnehmung thematisierte. Klauke, der unter anderem auf der documenta 6 und 8 vertreten war, arbeitet in verschiedenen Medien wie Fotografie, Zeichnung, Performance und Installation. Die Ausstellung "Schlachtfelder" präsentiert zentrale Werkgruppen des Künstlers neu und bietet einen umfassenden Einblick in sein Schaffen. Die Schau läuft vom 27. November 2026 bis zum 7. März 2027. Die Kunsthalle am Berliner Platz 1 ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Klaukes Arbeiten wirken heute, in einer Zeit, in der Fragen der Identität und der Selbstdarstellung eine hohe Relevanz besitzen, besonders aktuell. Die Retrospektive in Gießen bietet die Möglichkeit, die subtil ironischen oder teils provokanten Werke in einem zeitgemäßen Kontext neu zu entdecken und ihre Bedeutung für die zeitgenössische Kunst zu reflektieren.
Maria Magdalena: Wandel eines Frauenbildes im Städelmuseum
Das Frankfurter Städelmuseum beleuchtet in seiner Ausstellung "Maria Magdalena. Sin. Pray. Love." den Wandel des Bildes der biblischen Figur über einen Zeitraum von fast 1.000 Jahren. Die Schau setzt Bilder aus der Sammlung alter Meister in Beziehung zu zeitgenössischen Darstellungen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Inszenierung von Kim Kardashian durch den Fotografen David LaChapelle, die als Teil der Ausstellung hinterfragt wird. Auch Werke der spanischen Malerin Nieves González, Jahrgang 1996, zeigen eine selbstbewusste Interpretation der Figur. Die Ausstellung, die noch bis zum 17. Januar 2027 läuft, bietet einen tiefen Einblick in die sich wandelnden Frauenbilder der Kunstgeschichte. Das Städelmuseum am Schaumainkai 63 ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, donnerstags sogar bis 21 Uhr. Reguläre Tickets kosten 19 Euro, ermäßigt 17 Euro. Dienstags ab 15 Uhr gilt ein Einheitspreis von 10 Euro. Die Ausstellung regt dazu an, die historische und aktuelle Wahrnehmung von Frauenfiguren in der Kunst kritisch zu hinterfragen.
Frauen in der Naturforschung: Sichtbarkeit durch KI
Das Senckenbergmuseum in Frankfurt widmet sich in der Sonderausstellung "Secret Service: Frauen. Forschung. Senckenberg" den Leistungen von Frauen in der Naturwissenschaft. Viele Wissenschaftlerinnen, Laborantinnen, Stifterinnen und Zeichnerinnen wurden in der Geschichtsschreibung bisher kaum beachtet. Um dies zu ändern, wurden Biografien wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Gesine Born hat die Frauen in KI-generierten Porträts in ihrem möglichen Arbeitsumfeld inszeniert, um sie sichtbar zu machen. Ein Beispiel ist das Bild der Physikerin Lise Meitner, die trotz 48-facher Nominierung nie den Nobelpreis erhielt. Die Ausstellung läuft vom 25. September 2026 bis zum 31. Oktober 2027. Das Museum in der Senckenberganlage 25 bietet reguläre Tickets für 12 Euro an, ermäßigt zwischen 6 und 8 Euro. Mittwochs ab 17 Uhr reduziert sich der Preis auf 6 Euro. Die Ausstellung ist ein Versuch, den Frauen nachträglich ein Denkmal zu setzen und ihre Bedeutung für den Fortschritt der Forschung hervorzuheben.
Armin Mueller-Stahl: Ein Multitalent in den Opelvillen
In den Opelvillen Rüsselsheim wird der inzwischen 95-jährige Armin Mueller-Stahl als bildender Künstler gewürdigt. Die Ausstellung "Nacht und Tag auf der Erde" beleuchtet die Biografie des Mannes, der nicht nur als bedeutender Schauspieler, sondern auch als Musiker und Maler bekannt ist. Seine Erfahrungen in der ehemaligen DDR sowie das spätere Leben zwischen den USA und Deutschland prägten sein künstlerisches Schaffen maßgeblich. Die Schau entsteht in Kooperation mit der Kunsthalle Emden und der Stiftung Museum Schloss Moyland und ist vom 18. Oktober 2026 bis zum 4. April 2027 zu sehen. Die Öffnungszeiten der Opelvillen in der Ludwig-Dörfler-Allee 9 sind von Dienstag bis Sonntag, mittwochs bis 20 Uhr. Die Eintrittspreise variieren zwischen 8 Euro unter der Woche und 10 Euro am Wochenende. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Einblick in das facettenreiche Leben und Werk eines Künstlers, der erst spät, mit 70 Jahren, seine erste Kunstausstellung präsentierte und dessen Karriere in Hollywood erst mit 60 Jahren begann.
Naturfotografie auf Weltniveau in Darmstadt
Das Hessische Landesmuseum Darmstadt präsentiert zum dritten Mal in Folge die Ergebnisse des renommierten Wettbewerbs "Wildlife Photographer of the Year". Der Wettbewerb, der seit 1965 jährlich vom Natural History Museum in London ausgerichtet wird, versammelt die weltweit besten Naturfotografien. Die Ausstellung läuft vom 3. Dezember 2026 bis zum 4. April 2027. Passend dazu veranstaltet das Museum einen eigenen Wettbewerb unter dem Titel "Tiere vor der Kamera", bei dem Besucher ihre eigenen Naturfotos einreichen können. Die besten Einsendungen werden gemeinsam mit den Profi-Werken ausgestellt. Einreichungen sind noch bis zum 30. November möglich. Das Museum am Friedensplatz 1 ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, mittwochs bis 20 Uhr. Reguläre Tickets kosten 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Die Ausstellung unterstreicht die Bedeutung der Naturfotografie als Medium, um die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Tierwelt zu dokumentieren und ein breites Publikum für den Naturschutz zu sensibilisieren.