News aus aller Welt
Start
US-Krieg gegen Iran: Oman zwischen den Fronten
Politik · 25.08.2026 03:38

US-Krieg gegen Iran: Oman zwischen den Fronten

Kurz: Das Sultanat Oman gerät zwischen die Fronten des US-Iran-Konflikts. Drohungen aus Washington und strategischer Druck Teherans setzen das Land massiv unter Zugzw

Eine prekäre Lage am Persischen Golf

Das Sultanat Oman befindet sich in einer politisch höchst gefährlichen Situation, die seine Rolle als neutraler Akteur in der Region massiv infrage stellt. Während das Land seit Jahrzehnten als diskreter Vermittler zwischen den verfeindeten Mächten USA und Iran fungierte, ist es nun selbst zum Ziel direkter Drohungen geworden. US-Präsident Donald Trump hat in einem Telefonat mit dem Sender Fox News unmissverständlich klargestellt, dass er ein Vorgehen des Omans, das den amerikanischen Interessen zuwiderläuft, nicht tolerieren werde. Die Rhetorik ist dabei von einer neuen Schärfe geprägt: Trump drohte damit, das Land in Grund und Boden zu bombardieren, sollte es sich den USA in den Weg stellen. Diese Äußerungen markieren einen dramatischen Wendepunkt in den diplomatischen Beziehungen, die bisher von einer engen strategischen Partnerschaft geprägt waren. Oman, das geografisch direkt an der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus liegt, sieht sich nun im Zentrum eines Machtkampfes, in dem es kaum noch Handlungsspielraum besitzt. Die Regierung in Maskat steht unter enormem Druck, da sie zwischen den militärischen Ambitionen Teherans und dem wirtschaftlichen sowie militärischen Zorn Washingtons zerrieben zu werden droht.

Die Details der diplomatischen Eskalation

Im Kern des Konflikts steht ein geplantes Abkommen zwischen dem Sultanat Oman und dem Iran, das die Nutzung der Straße von Hormus neu regeln soll. Berichten zufolge haben sich beide Parteien darauf verständigt, künftig Transitgebühren für Schiffe zu erheben, die diese lebenswichtige Wasserstraße passieren. Für den Iran stellt dies eine strategische Stärkung seiner Kontrolle über die Region dar, während es für Oman als ökonomisches Instrument gedacht war. US-Präsident Trump reagierte auf diese Pläne mit deutlicher Ablehnung und einer öffentlichen Provokation: In sozialen Medien verbreitete er eine Grafik, die die Straße von Hormus als US-amerikanisches Staatsgebiet darstellte. Er betonte zudem, dass er mit dem Verhalten des Sultanats nicht zufrieden sei und die USA mit dem Land ebenso verfahren würden wie mit anderen Akteuren, die sich gegen amerikanische Interessen stellen. Sascha Bruchmann vom International Institute for Strategic Studies in Bahrain unterstreicht, dass Oman über keine nennenswerten militärischen Mittel verfügt, um in der Straße von Hormus zu patrouillieren oder sich gegen derartige Drohungen zur Wehr zu setzen. Die Situation ist für Maskat, das historisch stets auf Ausgleich setzte, zu einer existenziellen Bedrohung geworden.

Historische Hintergründe und die Rolle als Vermittler

Oman galt in der Vergangenheit oft als die Schweiz des Nahen Ostens. Das Land pflegte traditionell gute Beziehungen zu allen Akteuren in der Region, einschließlich des Irans und der USA. Diese diplomatische Sonderstellung ermöglichte es dem Sultanat, als Mediator in hochsensiblen Konflikten aufzutreten, etwa bei den Verhandlungen zum Atomabkommen. Die Verbindung zwischen Oman und dem Iran reicht dabei weit zurück: In den 1970er Jahren leistete der Iran militärische Unterstützung, um eine Rebellion im Süden Omans niederzuschlagen, was die Macht der Sultan-Familie festigte. Diese historische Verbundenheit besteht bis heute, auch wenn sie durch den aktuellen Konflikt auf eine harte Probe gestellt wird. Die USA wiederum nutzten über Jahre hinweg omanische Häfen und Luftwaffenbasen als strategische Stützpunkte. Doch diese Doppelrolle, die dem Land lange Zeit Stabilität garantierte, ist in der aktuellen Eskalationsphase in sich zusammengebrochen. Die Vermittlerrolle, die Oman einst mit Erfolg ausfüllte, ist durch die direkte Einbeziehung des omanischen Territoriums in die Verhandlungsmasse der Großmächte obsolet geworden.

Die betroffenen Akteure und ihre Positionen

Die Akteure in diesem Konflikt sind vielfältig, doch die Entscheidungsmacht liegt primär in Washington und Teheran. Die Regierung in Maskat verhält sich auffällig ruhig. Experten wie der libanesische Politikwissenschaftler Mohamed Qawas loben dies als Ausdruck der traditionellen omanischen Diplomatie, die auf Zurückhaltung setzt und direkte Konfrontationen vermeidet. Doch das Schweigen der Regierung täuscht nicht darüber hinweg, dass der Druck von außen zunimmt. Während die USA mit militärischer Gewalt drohen, nutzt der Iran die amerikanische Präsenz auf omanischem Boden als Vorwand für Raketenangriffe auf das Land. Die Bevölkerung in Oman sowie in der gesamten arabischen Welt zeigt sich laut Qawas zunehmend empört über die Drohungen aus den USA und fordert eine offiziellere Positionierung ihrer Regierungen. Die USA unter Trump setzen derweil auf eine Taktik des wirtschaftlichen Kollapses gegenüber dem Iran und sehen in den omanischen Verhandlungsbemühungen eine Behinderung ihrer Strategie. Die Akteure sind somit in einem Geflecht aus gegenseitigen Abhängigkeiten gefangen, in dem der Spielraum für diplomatisches Handeln nahezu vollständig verschwunden ist.

Einordnung der aktuellen geopolitischen Lage

Einzuordnen ist die Situation als eine Zuspitzung, bei der Oman unfreiwillig zum Spielball der Großmächte degradiert wurde. Den Berichten zufolge hat sich die Rolle des Landes fundamental gewandelt: Von einem geschätzten Vermittler hin zu einem Akteur, dessen Souveränität durch die Interessen der USA und des Irans infrage gestellt wird. Die Drohungen Trumps sind dabei nicht nur als rhetorische Mittel zu verstehen, sondern spiegeln die neue, kompromisslose Haltung der US-Administration wider, die keine eigenständigen Abkommen duldet, die ihre Hegemonie in der Region untergraben könnten. Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus fungiert dabei als Katalysator. Dass der Iran das Land trotz der engen Kontakte mit Raketen beschießt, zeigt zudem, dass auch Teheran keine Rücksicht auf die omanische Neutralität nimmt, wenn es um die Durchsetzung eigener militärischer oder politischer Ziele geht. Die Lage ist für Maskat eine klassische Lose-Lose-Situation, in der jede Entscheidung, ob für oder gegen die USA oder den Iran, schwerwiegende Konsequenzen für die nationale Sicherheit und Stabilität des Sultanats nach sich zieht.

Offene Fragen und Unsicherheiten

Der aktuelle Kenntnisstand lässt zahlreiche Fragen offen, die für die weitere Entwicklung der Region von entscheidender Bedeutung sind. Es bleibt unklar, wie die Regierung in Maskat konkret auf die massiven Drohungen aus Washington reagieren wird, da bisher keine offizielle Stellungnahme erfolgte. Ebenso ist nicht bekannt, ob die geplanten Transitgebühren für die Straße von Hormus tatsächlich in Kraft treten oder ob der Druck der USA zu einem Rückzug des Omans von diesem Abkommen führen wird. Der Quelltext beantwortet zudem nicht, wie die omanische Bevölkerung auf die zunehmende militärische Präsenz der USA reagiert und ob es zu innenpolitischen Spannungen kommen könnte. Auch die Details der iranischen Raketenangriffe auf omanisches Territorium bleiben vage; es ist unklar, inwieweit diese Angriffe das Land bereits destabilisiert haben. Schließlich bleibt die Frage unbeantwortet, welche konkreten diplomatischen Kanäle zwischen Maskat und Washington derzeit überhaupt noch offen sind, um eine weitere Eskalation zu verhindern, oder ob die Kommunikation vollständig auf eine öffentliche Drohkulisse reduziert wurde.

Ausblick auf die weitere Entwicklung

Wie es weitergeht, hängt maßgeblich von den Entwicklungen auf der internationalen politischen Bühne ab. Die Verhandlungen zwischen Oman und dem Iran werden laut Expertenmeinungen als nachrangig betrachtet und sind direkt von den globalen Machtinteressen abhängig. Es gibt keine Anzeichen für eine baldige Entspannung; vielmehr deutet alles darauf hin, dass der Druck auf das Sultanat weiter zunehmen wird. Die Ankündigung Trumps, mit dem Land ebenso zu verfahren wie mit anderen, lässt befürchten, dass weitere Sanktionen oder gar militärische Drohgebärden folgen könnten. Termine für weitere Verhandlungsrunden oder diplomatische Treffen wurden nicht genannt. Die Situation bleibt hochgradig volatil. Für Oman bedeutet dies, dass es weiterhin in einem Zustand der Unsicherheit verharrt, während die Großmächte ihre Schachpartie um die Kontrolle der Straße von Hormus fortsetzen. Eine Rückkehr zur Rolle des neutralen Vermittlers erscheint unter den gegebenen Umständen derzeit ausgeschlossen, da das Territorium des Landes selbst zum Schauplatz der Auseinandersetzung geworden ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Sultanat seine Souveränität wahren kann oder ob es noch tiefer in den Konflikt hineingezogen wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/golestan-palast-in-teheran-mit-reflexionsbecken-32040770/ · Foto: Farnaz Kohankhaki
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/asien/oman-hormus-iran-100.html