News aus aller Welt
Start
Experte: Kurswechsel Irans ist "Wunschdenken"
Schlagzeilen · 25.08.2026 01:56

Experte: Kurswechsel Irans ist "Wunschdenken"

Kurz: US-Präsident Trump verschärft den Druck auf Teheran durch neue Sanktionen. Nahostexperte Ali Fathollah-Nejad warnt jedoch: Ein Kurswechsel Irans bleibt Wunschde

Was geschehen ist: Die neue Strategie des wirtschaftlichen Drucks

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben unter der Führung von Präsident Donald Trump eine neue, massive Eskalationsstufe im Konflikt mit dem Iran eingeleitet. Nachdem bisherige militärische Maßnahmen nicht den erhofften Erfolg brachten, verlagert Washington den Fokus nun auf eine umfassende wirtschaftliche Offensive. Präsident Trump hat offiziell einen sogenannten "Wirtschaftskrieg" ausgerufen, um die Islamische Republik Iran durch gezielten finanziellen Druck in die Knie zu zwingen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Einnahmequellen des Landes, insbesondere jene, die den Revolutionsgarden zugutekommen, systematisch zu kappen. Die US-Regierung unter Finanzminister Scott Bessent hat angekündigt, dass diese Sanktionen eine breite Palette an Sektoren umfassen werden, darunter den Goldhandel, digitale Vermögenswerte, Technologiegeschäfte sowie die Bereiche Luftfahrt und Schifffahrt. Diese Strategie, die von US-Seite als eine Art "wirtschaftlicher D-Day" bezeichnet wird, soll den finanziellen Spielraum Teherans so weit einschränken, dass die Führung des Landes gezwungen ist, ihre bisherige Konfrontationspolitik aufzugeben. Die Ankündigung markiert eine Zäsur in der US-Außenpolitik, da sie über punktuelle Maßnahmen hinausgeht und auf eine vollständige wirtschaftliche Isolation des Staates abzielt, um das Regime von innen heraus zu destabilisieren und seine militärischen Kapazitäten zu schwächen.

Die Einzelheiten der Sanktionsmaßnahmen

Finanzminister Scott Bessent erläuterte die Stoßrichtung der neuen Sanktionen in einer Pressekonferenz am Montag, den 24. August 2026. Obwohl konkrete Details zu den einzelnen Durchführungsbestimmungen noch ausstehen, steht das Ziel fest: Alle potenziellen Finanzströme, die den Revolutionsgarden zugutekommen könnten, sollen unterbunden werden. Die USA drohen dabei nicht nur dem Iran direkt, sondern auch Drittparteien. Institutionen, die dem Iran dabei behilflich sind, die Sanktionen zu umgehen, müssen laut Washington mit dem Ausschluss aus dem globalen Dollar-System rechnen. Dies ist ein massives Druckmittel, da der Zugang zum US-Dollar für den internationalen Handel essenziell ist. Zudem sollen gezielt Unternehmen, Schiffe und Einzelpersonen sanktioniert werden, die den iranischen Ölhandel unterstützen. Diese Maßnahmen zielen direkt auf das Herz der iranischen Deviseneinnahmen. Während die USA den Druck erhöhen, bleibt die konkrete Umsetzung der Sanktionen eine Herausforderung. Die US-Regierung versucht, ein engmaschiges Netz zu knüpfen, das kaum Schlupflöcher lässt, doch die Komplexität globaler Handelswege macht die vollständige Kontrolle schwierig. Die Drohung, auch Verbündete des Iran oder Kooperationspartner in den Sanktionsprozess einzubeziehen, unterstreicht die Entschlossenheit der US-Administration, den wirtschaftlichen Druck auf ein historisches Maximum zu heben.

Hintergrund und bisheriger Verlauf

Die aktuelle Verschärfung ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist geprägt von einer Abfolge militärischer und diplomatischer Spannungen. Da militärische Optionen in der Vergangenheit nicht zu den gewünschten strategischen Ergebnissen führten, hat die US-Regierung unter Trump die ökonomische Kriegsführung als primäres Instrument gewählt. Der Iran sieht sich selbst in diesem Konflikt als Sieger. Die Führung in Teheran vertritt die Auffassung, dass die USA bislang keinen entscheidenden politischen oder strategischen Sieg erringen konnten. Diese Selbstwahrnehmung ist tief in der militärstrategischen Kalkulation des Regimes verwurzelt. Man glaubt in Teheran, durch die eigene Positionierung im Nahen Osten und die Kontrolle über strategisch wichtige Routen wie die Straße von Hormus über die besseren Hebel zu verfügen. Trotz der offiziellen Rhetorik gibt es innerhalb der iranischen Führung durchaus Stimmen, die die prekäre wirtschaftliche Lage anerkennen. So wies etwa Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf darauf hin, dass die ökonomische Situation des Landes äußerst besorgniserregend sei. Dennoch dominiert bei den sogenannten "Ultra-Hardlinern" die Ansicht, dass der Krieg fortgesetzt werden müsse, da eine ökonomische Dringlichkeit für eine Kapitulation oder ein Einlenken nicht gesehen werde.

Die Akteure und ihre Positionen

Im Zentrum der Analyse steht der Nahost- und Sicherheitsexperte Ali Fathollah-Nejad, Gründer und Direktor des "Center for Middle East and Global Order" (CMEG). Als deutsch-iranischer Politikwissenschaftler und Autor des Buches "Iran - wie der Westen seine Werte und Interessen verrät" beobachtet er die Entwicklungen mit kritischem Blick. Er betont, dass die iranische Führung, trotz der wirtschaftlichen Not, weiterhin auf Konfrontation setzt. Auf der anderen Seite steht die US-Regierung unter Präsident Trump und Finanzminister Scott Bessent, die den Kurs des "maximalen Drucks" vorgibt. Innerhalb Irans gibt es unterschiedliche Fraktionen: Während einige Funktionäre wie Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf die wirtschaftliche Notlage thematisieren, halten die Hardliner am Kurs fest. Präsident Peseschkian hat in einer Rede eingeräumt, dass das Land mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, etwa bei der Versorgung mit Wasser, Strom und Benzin. Die Regierung Peseschkian hat sich zum Ziel gesetzt, die Inflation zu senken und die Engpässe zu bekämpfen, doch der Spielraum ist durch die neuen Sanktionen massiv eingeschränkt. Die Bevölkerung ist dabei der Hauptleidtragende, da die Wirtschaftskrise durch die Sanktionen weiter verschärft wird.

Einordnung der Situation

Einzuordnen ist die aktuelle Lage als eine Pattsituation, in der beide Seiten auf ihre jeweiligen Stärken setzen. Fathollah-Nejad bewertet die Erwartung der US-Regierung, dass die Sanktionen kurzfristig zu einem Kurswechsel in Teheran führen könnten, als "Wunschdenken". Den Berichten zufolge ist die iranische Wirtschaft zwar durch Korruption, Vetternwirtschaft und eine kleine, machtmonopolisierende Elite hausgemacht in einer tiefen Krise, doch die Sanktionen verschärfen die Situation zusätzlich, insbesondere durch den Währungsverfall und die Inflation. Die Einschätzung des Experten legt nahe, dass das iranische Regime die ökonomischen Kosten als Preis für den Erhalt seiner Macht und seiner strategischen Ziele akzeptiert. Ein Kurswechsel ist demnach erst mittel- oder langfristig denkbar, wenn der Druck auf die Ölexporte – die zentrale Einnahmequelle des Regimes – so groß wird, dass die Stabilität des Systems gefährdet ist. Hierbei spielt China eine entscheidende Rolle, da das Land der größte Abnehmer iranischen Öls bleibt. Ob die Sanktionen tatsächlich funktionieren, hängt laut Fathollah-Nejad maßgeblich davon ab, ob die USA in der Lage sind, ihre Maßnahmen vollständig und weltweit durchzusetzen, ohne dass der Iran Schlupflöcher nutzt.

Offene Fragen und Unsicherheiten

Der Quelltext lässt einige zentrale Fragen unbeantwortet, die für die zukünftige Entwicklung des Konflikts von entscheidender Bedeutung sind. Zunächst bleibt unklar, wie genau die "neuen Sanktionen" technisch implementiert werden sollen, da Finanzminister Bessent hierzu keine Details nannte. Es ist offen, welche spezifischen Unternehmen oder Institutionen in anderen Ländern genau ins Visier genommen werden und wie die USA den Ausschluss vom Dollar-System gegen Drittstaaten rechtlich und praktisch durchsetzen wollen. Ebenso bleibt offen, wie China auf den erhöhten Druck der USA reagieren wird, da Peking eine Schlüsselrolle als Abnehmer iranischen Öls spielt. Eine weitere Lücke betrifft die tatsächliche interne Stabilität des iranischen Regimes: Es ist nicht klar, wie lange die "Ultra-Hardliner" ihren Kurs gegen den wachsenden Druck der Bevölkerung und die wirtschaftliche Not aufrechterhalten können, bevor es zu internen Verwerfungen kommt. Auch die konkreten militärischen Gegenmaßnahmen des Iran, etwa in der Straße von Hormus, bleiben hypothetisch, da der Experte zwar vor Störungen warnt, aber keine konkreten Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Eskalation nennt. Die Wirksamkeit der Sanktionen bleibt somit eine Variable, die von vielen unbekannten Faktoren abhängt.

Wie es weitergeht: Ausblick und Szenarien

Die weitere Entwicklung bleibt ungewiss. Laut Fathollah-Nejad ist eine Rückkehr zu einem großen, offenen Krieg unwahrscheinlich, da dieser für beide Seiten zu kostspielig wäre. Das realistischste Szenario seien weiterhin wiederkehrende militärische Handlungen in der Region. Die iranische Regierung wird versuchen, ihre Einnahmen durch Umgehungsgeschäfte zu sichern, während die USA versuchen, diese Wege durch die neuen Sanktionen zu blockieren. Ein entscheidender Faktor für die Zukunft ist, ob die USA ihre Sanktionen so effektiv implementieren können, dass sie die iranische Kriegsführung finanziell austrocknen. Die Vergangenheit, etwa die Sanktionen unter Barack Obama im Jahr 2015, hat gezeigt, dass wirtschaftlicher Druck durchaus zu Verhandlungen führen kann. Ob dies unter den aktuellen Bedingungen erneut gelingt, bleibt abzuwarten. Die iranische Führung setzt derzeit auf Gegendrohungen und Konfrontation. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der "wirtschaftliche D-Day" der USA tatsächlich die erhoffte Wirkung zeigt oder ob der Iran weiterhin in der Lage ist, den ökonomischen Druck durch die Unterstützung seiner Partner und die Ausnutzung von Schlupflöchern abzufedern. Die Situation bleibt hochgradig volatil und von gegenseitigen Drohgebärden geprägt.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/wahrzeichen-architektur-ich-rannte-teheran-12618166/ · Foto: Reza Tavakoli
Quelle: https://www.zdfheute.de/politik/ausland/usa-iran-wirtschaft-sanktionen-100.html