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Unternehmen fürchten US-Kill-Switch für kritische IT-Dienste
Technik · 07.08.2026 16:35

Unternehmen fürchten US-Kill-Switch für kritische IT-Dienste

Kurz: Unternehmen in Europa sorgen sich zunehmend vor einem US-Kill-Switch. Eine Studie zeigt, wie geopolitische Spannungen IT-Entscheidungen und Notfallpläne beeinfl

Die wachsende Sorge vor staatlicher Einflussnahme auf IT-Infrastrukturen

In der europäischen Wirtschaft wächst die Skepsis gegenüber der Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologieanbietern. Laut einer aktuellen Untersuchung des Anbieters Proton fürchten 74 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass US-Konzerne auf Anweisung der US-Regierung den Zugriff auf geschäftskritische IT-Dienste unterbinden könnten. Diese Befürchtung eines sogenannten „Kill Switch“ hat sich zu einem ernstzunehmenden Risikofaktor entwickelt, der in der Wahrnehmung der Entscheider mittlerweile auf einer Stufe mit klassischen Bedrohungen wie Ransomware-Attacken oder großflächigen Cyberangriffen steht.

Geopolitik als neuer Faktor bei der IT-Beschaffung

Die zunehmende Unsicherheit bleibt nicht ohne Folgen für die strategische Ausrichtung der IT-Abteilungen. Über die Hälfte der befragten Unternehmen (56 Prozent) gibt an, dass geopolitische Erwägungen mittlerweile eine direkte Rolle bei der Auswahl neuer Software- und Cloud-Anbieter spielen. Die Sorge ist nicht unbegründet, wenn man die potenziellen Folgen eines plötzlichen Dienstausfalls betrachtet.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Ausfalls

Die Abhängigkeit von zentralen IT-Plattformen ist so hoch, dass ein Totalausfall für viele Firmen existenzbedrohend wäre:

* **Betriebsstopp:** 54 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie ihre Geschäftstätigkeit bereits nach einem Tag einstellen müssten, sollte der Zugang zu kritischen Diensten wegfallen.

* **Finanzielles Risiko:** Rund 29 Prozent der großen Unternehmen beziffern den potenziellen wirtschaftlichen Schaden bei einem eintägigen Ausfall auf über 100.000 Euro.

Es ist jedoch anzumerken, dass es sich hierbei um Selbsteinschätzungen der Befragten handelt, die nicht auf gemessenen Daten beruhen. Zudem berichten 86 Prozent der Unternehmen von bereits erlebten IT-Störungen, wobei diese bisher primär auf klassische Ursachen wie technische Defekte oder Cyberangriffe zurückzuführen waren, nicht auf staatliche Eingriffe.

Vorbereitung auf den Ernstfall: Lücken im Business-Continuity-Management

Obwohl das Bewusstsein für das Risiko gestiegen ist, zeigt die Umsetzung von Notfallplänen noch deutliche Schwachstellen. Zwar verfügen 94 Prozent der Unternehmen über einen sogenannten Business-Continuity-Plan, doch die praktische Erprobung lässt zu wünschen übrig:

* **Mangelnde Tests:** Nur 44 Prozent der Unternehmen führen regelmäßige Tests ihrer Notfallpläne durch.

* **Informelle Ansätze:** 36 Prozent testen ihre Pläne gar nicht, während 13 Prozent lediglich auf informelle Vorkehrungen setzen.

Besonders kritisch ist die Absicherung einzelner Dienste. Während für die E-Mail-Infrastruktur immerhin 34 Prozent der Befragten eine Ausweichlösung bereithalten, ist die Kalender-Funktionalität mit lediglich 16 Prozent Absicherung ein besonders anfälliger Punkt in der IT-Architektur.

Strategische Konsequenzen und der Ruf nach Souveränität

Sollte es tatsächlich zu einer angeordneten Sperrung eines kritischen Dienstes kommen, zeigen sich die Unternehmen entschlossen: Zwei Drittel der Befragten würden in einem solchen Szenario einen sofortigen Anbieterwechsel in Erwägung ziehen. Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass eine echte Absicherung nur durch den Wechsel zu Anbietern möglich sei, die sich außerhalb der direkten US-Gerichtsbarkeit befinden.

Die Studie, für die 1500 Entscheider in IT- und Sicherheitsbereichen befragt wurden, verdeutlicht den Wunsch nach mehr digitaler Souveränität. Die Ergebnisse spiegeln eine zunehmende Vorsicht wider, bei der die technologische Abhängigkeit von einer einzigen Region als strategisches Geschäftsrisiko begriffen wird. Für Unternehmen bedeutet dies in den kommenden Jahren eine verstärkte Prüfung ihrer Lieferketten und die Suche nach resilienten, geografisch diversifizierten IT-Lösungen.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/weisse-und-blaue-kabel-2881233/ · Foto: Brett Sayles
Quelle: https://www.heise.de/news/Unternehmen-fuerchten-US-Kill-Switch-fuer-kritische-IT-Dienste-11403600.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag