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TV-Kritik Bas und Söder: Schickt das Sommerinterview in Rente
Kultur · 03.08.2026 08:45

TV-Kritik Bas und Söder: Schickt das Sommerinterview in Rente

Kurz: Die Sommerinterviews von ARD und ZDF wirken zunehmend wie inhaltsleere Pflichtübungen. Eine Kritik am starren Format und dem fehlenden Tiefgang der politischen

Das Sommerinterview: Ein Format ohne sommerliche Frische

Der Sommerurlaub dient für viele Menschen als Auszeit, um den Alltag hinter sich zu lassen und neue Perspektiven zu gewinnen. Idealerweise sollte das politische Sommerinterview eine ähnliche Funktion erfüllen. In einer Zeit, in der der parlamentarische Betrieb ruht und keine großen Gesetzesvorhaben anstehen, böte sich die Gelegenheit, den Fokus von der kleinteiligen Tagespolitik auf grundsätzliche Fragen zu verschieben. Doch statt eines inhaltlichen Mehrwerts offenbaren die aktuellen Formate von ARD und ZDF vor allem eine zunehmende Redundanz.

Wenn Routine die inhaltliche Tiefe ersetzt

Die jüngsten Auftritte von Bärbel Bas im ZDF und Markus Söder in der ARD verdeutlichen das Problem. Anstatt die Chance zu nutzen, die Persönlichkeiten hinter den Ämtern zu beleuchten oder übergeordnete politische Visionen zu diskutieren, verharren die Gespräche in einem starren Muster.

Die Struktur der Interviews folgt meist einem vorhersehbaren Dreischritt:

* **Tagespolitische Schnipsel:** Die Gäste werden mit aktuellen Diskursen konfrontiert, etwa zur Rentenpolitik oder zur Fünfprozenthürde, die oft keinen echten Erkenntnisgewinn bieten.

* **Innerparteiliche Kritik:** Die Moderatoren konfrontieren die Politiker mit parteiinternen Brandbriefen oder kritischen Stimmen aus der Basis, was meist in defensiven Ausweichmanövern endet.

* **Blick auf den Herbst:** Spekulationen über mögliche Wahlausgänge im September ersetzen die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Zukunft.

Verpasste Chancen in Duisburg und Berlin

Besonders das Beispiel von Bärbel Bas im ZDF zeigt, wie viel Potenzial ungenutzt bleibt. Das Interview fand im Stadion ihres Wahlkreises Duisburg statt. Anstatt die Biografie der SPD-Politikerin – ihren Aufstieg von der Hauptschülerin zur Ministerin – als Ausgangspunkt für eine tiefere Analyse zu nutzen, blieb das Gespräch an der Oberfläche. Auch die Kulisse des menschenleeren Stadions hätte als Metapher für politische Entwicklungen dienen können, wurde jedoch kaum in den Dialog integriert.

Die ARD wiederum hat sich mit der Verlegung des Sommerinterviews in ein Berliner Fernsehstudio endgültig von der Idee einer sommerlichen Auszeit verabschiedet. Das Format wirkt dort wie ein gewöhnliches Talk-Gespräch, das ebenso gut in den tiefsten Winter passen würde. Markus Söder präsentierte sich in diesem Setting ungewohnt reizbar und ohne den sonst üblichen humoristischen Einschlag, was das Gefühl der inhaltlichen Stagnation weiter verstärkte.

Die Zukunft des Formats

Die aktuelle Praxis erinnert an den Versuch, im Urlaub manisch am Laptop zu arbeiten, um die gewohnte Routine aufrechtzuerhalten. Wenn die Sendeanstalten keinen Mehrwert mehr bieten können, stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung dieser Formate. Die journalistische Aufarbeitung der aktuellen politischen Lage scheint in den herkömmlichen Talkshows besser aufgehoben zu sein.

Die Beobachter sind sich einig: Die Sommerinterviews in ihrer jetzigen Form produzieren kaum mehr als einige müde Agenturmeldungen. Sollten die Sender nicht bereit sein, das Format grundlegend zu reformieren und den Fokus auf die Menschen und ihre Überzeugungen zu legen, wäre es konsequenter, auf diese Lückenfüller ganz zu verzichten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/stadt-wahrzeichen-gebaude-architektur-25053933/ · Foto: detait
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/talkshow/soeder-und-bas-offenbaren-das-ganze-elend-der-sommerinterviews-accg-201089007.html