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TinyGPU v2.0: 240.000 Transistoren reichen für 3D-Grafik
Technik · 05.08.2026 10:39

TinyGPU v2.0: 240.000 Transistoren reichen für 3D-Grafik

Kurz: Das Open-Source-Projekt TinyGPU v2.0 beweist, dass 240.000 Transistoren für 3D-Grafik ausreichen. Die kleinste GPU der Welt rendert in Echtzeit.

Ein Meilenstein der Miniaturisierung

In einer Ära, in der moderne Grafikkarten mit Milliarden von Transistoren operieren, setzt ein neues Open-Source-Projekt ein bemerkenswertes Zeichen für Effizienz. Die TinyGPU v2.0, entwickelt von Pongsagon Vichit, ist nach Angaben des Entwicklers die kleinste funktionsfähige GPU der Welt. Mit einem Chip-Design, das lediglich rund 240.000 Transistoren umfasst, ist es dem Projekt gelungen, 3D-Grafik auf echter Hardware in Echtzeit darzustellen.

Zum Vergleich: Aktuelle High-End-Grafikbeschleuniger, wie etwa Nvidias Rubin-Architektur, nutzen mehr als 300 Milliarden Transistoren. Die TinyGPU bewegt sich in einer völlig anderen Größenordnung, demonstriert jedoch, dass die grundlegenden Prinzipien der Grafikberechnung auch mit einem minimalen Hardware-Aufwand umsetzbar sind.

Technische Umsetzung und Funktionsumfang

Die Realisierung des Chips erfolgte über das Community-Projekt Tiny Tapeout, das es ermöglicht, eigene ASIC-Designs (Application-Specific Integrated Circuit) fertigen zu lassen. Trotz der extrem begrenzten Ressourcen beherrscht die TinyGPU v2.0 wesentliche Funktionen, die man von klassischen Grafikkarten kennt:

* Transformation und Beleuchtung von 3D-Objekten

* Rasterisierung

* Backface Culling

* Flat Shading

* Einfaches Texture Mapping

Die GPU ist in der Lage, bis zu 1.000 Dreiecke gleichzeitig zu verarbeiten. Um den Bild- und Tiefenspeicher zu verwalten, greift der Chip auf externen QSPI-Speicher zurück. In der Praxis erreicht das System Bildraten zwischen 7,5 und 15 Bildern pro Sekunde, was für eine Hardware dieser Größenordnung eine beachtliche Leistung darstellt. Als Anwendungsbeispiele wurden bereits ein interaktiv steuerbares 3D-Modell sowie eine rotierende Erdkugel präsentiert.

Kontext und Einordnung

Das Ziel von Pongsagon Vichit ist nicht die Konkurrenz zu kommerziellen Herstellern wie Nvidia oder AMD. Vielmehr dient das Projekt als Demonstration der Machbarkeit: Es zeigt auf, wie eine vollständig programmierbare GPU mit minimalem Aufwand konzipiert werden kann. Der Funktionsumfang der TinyGPU v2.0 erinnert dabei an die Grafikhardware der späten 1990er Jahre.

Die Bedeutung des Projekts liegt primär in der wissenschaftlichen und technischen Neugier. Es verdeutlicht, wie effizient die Architektur einer GPU gestaltet werden kann, wenn man sich auf die wesentlichen Kernfunktionen beschränkt, anstatt auf schiere Rechenkraft durch Massenintegration zu setzen.

Ausblick: Die Entwicklung von TinyGPU v3.0

Das Projekt ist nicht mit der aktuellen Version abgeschlossen. Die Arbeiten an der nächsten Iteration, TinyGPU v3.0, sind bereits in vollem Gange. Laut dem Entwickler wurde das Design bereits für eine weitere Fertigungsrunde eingereicht, wobei mit einer Veröffentlichung Ende 2026 oder Anfang 2027 zu rechnen ist.

Die kommende Version soll auf rund 290.000 Transistoren anwachsen. Zu den geplanten Neuerungen gehören:

* Ein programmierbarer Pixel-Shader

* Optimierungen bei der Tiefenberechnung

* Verbesserungen beim Clipping

Als Inspiration für die v3.0 dient die legendäre Nvidia Geforce 3 aus dem Jahr 2001. Diese Karte war seinerzeit die erste Consumer-Lösung, die programmierbare Shader einführte. Mit diesem Schritt nähert sich das TinyGPU-Projekt weiter der historischen Entwicklung der Grafikbeschleuniger an und bleibt ein spannendes Beispiel für die Möglichkeiten des Open-Source-Hardware-Designs.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/technologie-computer-weiss-schwarz-4581613/ · Foto: Nana Dua
Quelle: https://www.golem.de/news/tinygpu-v2-0-240-000-transistoren-reichen-fuer-3d-grafik-2608-211611.html