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Studium und Ausbildung: Ist das Handwerk wieder cool?
Technik · 23.07.2026 21:33

Studium und Ausbildung: Ist das Handwerk wieder cool?

Kurz: Eine neue Bertelsmann-Studie deutet auf einen Wandel hin: Junge Menschen interessieren sich wieder verstärkt für die duale Ausbildung statt für ein Studium.

Ein Wandel in der Bildungslandschaft

Über zwei Jahrzehnte hinweg kannte die deutsche Bildungspolitik scheinbar nur eine Richtung: die Akademisierung. Die Zahl der Studierenden verdreifachte sich auf drei Millionen, während gleichzeitig die Studiendauer zunahm. Gymnasien bereiteten ihre Absolventen in immer größerer Zahl auf die Universität vor, was dazu führte, dass sich Hochschulen zunehmend wie Schulen entwickelten. Wer in dieser Zeit handwerkliche Unterstützung suchte, sah sich oft mit langen Wartezeiten konfrontiert.

Das Ende des Akademisierungswahns?

Der Begriff des „Akademisierungswahns“, geprägt durch den Sozialdemokraten Julian Nida-Rümelin, stieß lange Zeit auf erheblichen Widerstand. Doch aktuelle Daten der Bertelsmann-Stiftung deuten nun auf eine Trendwende hin. Laut der Untersuchung können sich 76 Prozent der befragten jungen Menschen eine Ausbildung vorstellen, während nur 67 Prozent ein Studium in Erwägung ziehen. Die Ausbildung wird dabei fast durchweg als solide Basis für den beruflichen Aufstieg wahrgenommen, und jeder siebte Befragte hebt die attraktiven Verdienstmöglichkeiten hervor. Die Zufriedenheit unter denjenigen, die bereits eine Ausbildung absolvieren, ist hoch; die meisten würden sich erneut für diesen Weg entscheiden.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Das Problem der Ausbildungsplätze

Obwohl das Interesse an einer Ausbildung wächst, klafft in der Praxis eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Bereits zwischen 2011 und 2021 stieg der Anteil der Abiturienten, die eine Ausbildung begannen, um 14 Prozent. Das eigentliche Hindernis ist jedoch nicht ein Mangel an Willen bei den Jugendlichen, sondern ein Mangel an verfügbaren Ausbildungsplätzen. Besonders für Hauptschüler und Jugendliche ohne Schulabschluss ist der Zugang zum Arbeitsmarkt schwierig, was diese Gruppen häufig in den Niedriglohnsektor oder in die Arbeitslosigkeit drängt.

Das Paradoxon des aktuellen Arbeitsmarktes zeigt sich deutlich: Einerseits blieben im vergangenen Jahr über 50.000 Stellen unbesetzt, andererseits fanden mehr als 80.000 Bewerber keinen Platz. Experten führen dies darauf zurück, dass Unternehmen bei der Auswahl zu stark auf Schulnoten fokussieren und die Motivation der Bewerber vernachlässigen. Viele Jugendliche mit schwächeren Abschlüssen sehen von einer Bewerbung von vornherein ab, da sie ihre Chancen als zu gering einschätzen.

Lösungsansätze und die Rolle der Technologie

Die Politik versucht gegenzusteuern. Eine gesetzlich verankerte Ausbildungsgarantie soll durch Mobilitätszuschüsse und außerbetriebliche Ausbildungsangebote unterstützen. Zudem empfehlen Experten vermehrt vorbereitende Praktika sowie assistierte Ausbildungsmodelle, um die Hürden für den Berufseinstieg zu senken.

Ein wesentlicher Treiber für einen tiefergreifenden Mentalitätswandel könnte jedoch der technologische Fortschritt sein. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändern sich die Anforderungen an viele Berufe. Während akademische Tätigkeiten, etwa im Bereich der Softwareentwicklung oder Übersetzung, zunehmend unter Druck geraten, könnten handwerkliche oder pflegerische Berufe an Attraktivität gewinnen. Das bisherige Narrativ, dass ein Hochschulabschluss der einzige Garant für eine erfolgreiche Karriere sei, verliert in einer komplexer werdenden Arbeitswelt an Überzeugungskraft.

Die Kritik an der Überakademisierung richtete sich dabei nie gegen das Studium an sich, sondern gegen die gesellschaftliche Fixierung darauf als alternativlosen Weg. Wenn nun ein Umdenken stattfindet, das die Ausbildung wieder als gleichwertige und erstrebenswerte Karriereoption begreift, könnte dies eine notwendige Korrektur für den Arbeitsmarkt bedeuten.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/schreibtisch-buro-schule-computer-20432872/ · Foto: Adam Sondel
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/studie-ausbildungsberufe-werden-beliebter-201058491.html