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Sportstaatsminister: Merz sucht Nachfolger für Schenderlein
Sport · 28.08.2026 16:53

Sportstaatsminister: Merz sucht Nachfolger für Schenderlein

Kurz: Bundeskanzler Friedrich Merz hält den Posten der Sportstaatsministerin seit über einem Monat unbesetzt. Kritik an der Führungslosigkeit in der Olympia-Phase wäc

Was geschehen ist – die Kernmeldung

Inmitten einer politisch und sportlich hochsensiblen Phase hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für erhebliche Irritationen gesorgt. Vor gut einem Monat wurde die erfolgreiche Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein überraschend von ihrem Amt entbunden. Seit diesem Zeitpunkt, dem 27. Juli 2026, ist der Posten der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt vakant. Diese Position war erst vor etwa einem Jahr mit großem politischem Aufwand geschaffen worden, um den Sport direkt im Kanzleramt zu verankern und ihm eine zentrale Stimme in der Regierung zu verleihen. Dass das Amt nun ausgerechnet während entscheidender Weichenstellungen für den deutschen Spitzensport unbesetzt bleibt, stößt auf Unverständnis. Während das Kanzleramt betont, dass die Arbeit durch Fachreferate und die Abteilungsleitung fortgeführt werde, mehren sich die Stimmen, die von einem gefährlichen Führungsvakuum sprechen. Die Entscheidung von Friedrich Merz, die Amtsinhaberin ohne sofortige Nachfolgeregelung abzuberufen, wird in politischen und sportlichen Kreisen zunehmend als strategischer Fehler wahrgenommen, der die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung in sportpolitischen Fragen schwächt.

Die Einzelheiten der Ablösung

Die Abberufung von Christiane Schenderlein erfolgte am 27. Juli 2026. Die Sächsin, die als einzige ostdeutsche Ministerin im Kabinett von Friedrich Merz galt, wurde nach 14 Monaten im Amt von ihrer Aufgabe entbunden. Berichten zufolge erfuhr sie von dieser Entscheidung in einem Telefonat mit dem Bundeskanzler selbst. Merz soll ihr dabei versichert haben, dass die Entscheidung nicht auf ihre persönliche Leistung zurückzuführen sei. Stattdessen gab er das Ziel einer Neuausrichtung des Amtes aus. Der Kanzler äußerte den Wunsch nach einer Nachfolgeperson, die über einen höheren internationalen Bekanntheitsgrad verfügt. In diesem Kontext kursierte der Name Nadine Keßler, die ehemalige Weltfußballerin des Jahres 2014 und derzeitige Direktorin für Frauenfußball bei der UEFA. Medienberichten zufolge, darunter Informationen der Bild-Zeitung aus dem August, habe Keßler dem Kanzleramt jedoch eine Absage erteilt. Aktuell nimmt Babette Kibele, die Abteilungsleiterin für Sport und Ehrenamt, die Aufgaben in der Evaluierungskommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vertretungsweise wahr, um den Prozess der Olympia-Bewerbung nicht vollständig zum Stillstand zu bringen.

Hintergrund zur Entstehung der Position

Die Schaffung des Amtes einer Sportstaatsministerin war ein zentrales Projekt der Schwarz-Roten Regierung unter Friedrich Merz. Vor etwa einem Jahr wurde die Struktur eingeführt, um den Sport und das Ehrenamt aufzuwerten. Die Eingliederung in das Kanzleramt sollte sicherstellen, dass sportpolitische Themen direkt im Zentrum der Macht verhandelt werden. Das Versprechen lautete, dem Spitzen- und Breitensport mehr Gewicht zu verleihen und einen direkten Ansprechpartner für die Verbände zu installieren. Christiane Schenderlein, die zuvor keine ausgeprägte Vorerfahrung in der Sportpolitik vorweisen konnte, wurde als Überraschungsbesetzung gehandelt. Dennoch gelang es ihr, ein zentrales Vorhaben der Sportpolitik umzusetzen: das Sportfördergesetz. Während die vorangegangene Ampelregierung bei diesem komplexen Vorhaben über Jahre keine Einigung erzielen konnte, navigierte Schenderlein den Entwurf erfolgreich durch die parlamentarischen Hürden. Das Gesetz wurde am 10. Juli 2026 vom Bundestag verabschiedet und sieht unter anderem die Gründung einer Agentur für Spitzensport vor, deren Sitz in Leipzig geplant ist. Dieser Erfolg unterstreicht die Diskrepanz zwischen ihrer fachlichen Bilanz und der plötzlichen Entscheidung des Kanzlers, sie abzulösen.

Die betroffenen Akteure und Institutionen

An der aktuellen Debatte sind zahlreiche Akteure beteiligt. Auf politischer Ebene steht Bundeskanzler Friedrich Merz im Zentrum der Kritik, da er die personelle Entscheidungshoheit innehat und bisher keine Nachfolge präsentieren konnte. Innerhalb der CDU gibt es prominente Stimmen, die die Entscheidung hinterfragen; so bezeichnete Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer seine Parteikollegin Schenderlein als das erfolgreichste Kabinettsmitglied. Aus der Opposition kommt scharfe Kritik: Tina Winkelmann, sportpolitische Sprecherin der Grünen, warf der Regierung vor, den Sport im Stich zu lassen. Christian Görke von den Linken sprach von einem fatalen Signal. Auf sportfachlicher Seite ist Thomas Härtel, Präsident des Landessportbundes Berlin, einer der lautesten Kritiker, der die Vakanz als skandalös bezeichnet. Auch der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke äußerte sich ungeduldig und forderte eine schnelle Lösung, da der Kanzler in der Pflicht stehe, die personelle Führungskompetenz unter Beweis zu stellen. Die Evaluierungskommission, die über die Olympia-Bewerbung entscheidet, ist ebenfalls direkt betroffen, da sie nun ohne die politische Leitung durch die Ministerin auskommen muss.

Einordnung der aktuellen Lage

Einzuordnen ist die Situation als eine erhebliche Belastungsprobe für die deutsche Sportpolitik. Den Berichten zufolge hat sich der Bundeskanzler mit der Abberufung ohne einen Plan B in eine schwierige Lage manövriert. Die Tatsache, dass das Kanzleramt auf Anfragen lediglich auf die Notwendigkeit von Sorgfalt statt Zeitdruck verweist, wird von Beobachtern als Versuch gewertet, die eigene Handlungsunfähigkeit zu kaschieren. Die Sportpolitik befindet sich aktuell in einer kritischen Phase: Neben der Olympia-Bewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 steht die Implementierung des neuen Sportfördergesetzes an. Dies erfordert nicht nur administrative Arbeit, sondern auch politisches Gewicht, um die Interessen des Sports gegenüber anderen Ressorts zu behaupten. Dass ausgerechnet jetzt die politische Spitze fehlt, wird von Experten als Schwächung der deutschen Position wahrgenommen. Die Suche nach einer international bekannten Persönlichkeit, die zudem über das notwendige parlamentarische Geschick verfügt, erweist sich als deutlich komplexer, als es die ursprüngliche Entscheidung von Merz vermuten ließ.

Offene Fragen und Lücken

Der vorliegende Quelltext lässt eine Reihe von Fragen offen, die für das Verständnis der Vorgänge entscheidend wären. So bleibt unklar, wer Friedrich Merz bei der Personalentscheidung beraten hat und welche internen Gründe tatsächlich zur Abberufung von Schenderlein führten, wenn die fachliche Leistung laut Aussagen von Parteikollegen wie Kretschmer überdurchschnittlich war. Auch bleibt offen, welche anderen Kandidaten neben Nadine Keßler vom Kanzleramt kontaktiert wurden oder ob es überhaupt eine konkrete Shortlist für die Nachfolge gibt. Zudem ist nicht ersichtlich, welche Auswirkungen die Vakanz konkret auf die tägliche Arbeit der Fachreferate hat, abgesehen von der Vertretung durch Babette Kibele in der Evaluierungskommission. Es wird nicht beantwortet, ob der Zeitplan für die Gründung der Spitzensportagentur durch die fehlende Ministerin gefährdet ist oder ob hier bereits Verzögerungen eingetreten sind. Auch die Frage, ob Schenderlein selbst ein anderes Angebot erhalten hat oder ob sie vollständig aus der Regierungsverantwortung ausscheidet, bleibt unbeantwortet.

Wie es weitergeht

Der nächste entscheidende Termin ist der 26. September 2026. An diesem Tag findet in Baden-Baden eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes statt. Dort soll entschieden werden, ob Berlin, München oder Köln-Rhein-Ruhr als nationaler Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Spiele ins Rennen geht. Bis dahin muss die Evaluierungskommission ihre Arbeit abschließen und eine Empfehlung aussprechen. Ob bis zu diesem Termin eine neue Sportstaatsministerin oder ein neuer Sportstaatsminister ernannt wird, ist derzeit völlig offen. Das Kanzleramt hat signalisiert, dass man sich nicht unter Druck setzen lassen wolle und die Entscheidung mit der gebotenen Sorgfalt treffen werde. Bis auf Weiteres bleibt die Arbeit in den Händen der Abteilungsleitung und der Fachreferate. Die Sportwelt blickt nun gespannt auf die kommenden Wochen, in denen sich zeigen wird, ob Merz in der Lage ist, die Vakanz zeitnah zu beenden oder ob die Hängepartie den gesamten Bewerbungsprozess für Olympia weiter überschatten wird.

Bild: Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/leeres-de-kuip-stadion-in-rotterdam-an-einem-sonnigen-tag-33276897/ · Foto: Jan van der Wolf
Quelle: https://www.sportschau.de/der-bundeskanzler-verzettelt-sich-auf-dem-transfermarkt,sportstaatsminister-merz-schenderlein-dosb-100.html