Druck auf den Weltverband wächst
Ein breites Bündnis aus Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und NGOs hat die FIFA dazu aufgefordert, ihre Strukturen grundlegend zu reformieren. Im Zentrum der Forderungen steht die Wiedereinsetzung eines unabhängigen Menschenrechtsbeirats. Dieses Gremium soll die FIFA-Führung sowie den FIFA-Rat künftig kontrollieren und sicherstellen, dass menschenrechtliche Standards im Weltfußball konsequent eingehalten werden. Die Sports and Rights Alliance, ein 2015 gegründetes globales Bündnis, sieht in der aktuellen Situation einen notwendigen Wendepunkt.
Historischer Kontext und frühere Erfahrungen
Die Forderung nach einem Kontrollgremium ist keineswegs neu. Während der ersten vier Jahre der Amtszeit von FIFA-Präsident Gianni Infantino existierte bereits ein unabhängiger Menschenrechtsbeirat (HRAB). Das Gremium wurde jedoch im Jahr 2020 aufgelöst, ohne dass die FIFA eine der von den Experten ausgesprochenen Empfehlungen umgesetzt hatte. Kritiker wie Ronan Evain von *Football Supporters Europe* betonen, dass ein reiner Führungswechsel innerhalb des Verbandes nicht ausreichen werde, um die strukturellen Defizite zu beheben.
Ein Fünf-Punkte-Plan für mehr Transparenz
Neben der Reaktivierung des Beirats hat das Bündnis einen Katalog mit vier weiteren zentralen Forderungen vorgelegt, um die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes zu stärken:
* **Reform der Ethik-Kommission:** Etablierung eines unabhängigen und transparenten Beschwerdeverfahrens unter Einbeziehung externer Experten.
* **Menschenrechtsstrategie:** Die formale Verabschiedung einer verbindlichen Strategie zur Wahrung der Menschenrechte.
* **Überprüfung der Gastgeberverträge:** Eine kritische Neubewertung aller zukünftigen Verträge mit Ausrichtern von Weltmeisterschaften.
* **Transparenz:** Ein offenerer Umgang mit der Öffentlichkeit und Medienvertretern.
Dringlichkeit durch kommende Weltmeisterschaften
Die Notwendigkeit für diese Reformen wird durch die anstehenden Großereignisse unterstrichen. Die Weltmeisterschaften 2030 in Marokko, Portugal und Spanien sowie das Turnier 2034 in Saudi-Arabien bergen nach Einschätzung von Amnesty International und der Sports and Rights Alliance erhebliche menschenrechtliche Risiken. Ein gemeinsamer Bericht der Organisationen dokumentiert diese Gefahren eindringlich.
Andrea Florence, Geschäftsführerin der Sports and Rights Alliance, unterstreicht, dass die aktuelle Krise als Katalysator genutzt werden müsse, um Menschenrechte fest im Kern des Weltfußballs zu verankern. Auch Steve Cockburn von Amnesty International appelliert an die FIFA-Mitglieder, sich nachdrücklich für Veränderungen einzusetzen. Ziel sei es, sicherzustellen, dass der Fußball sowohl als Sportart als auch als wirtschaftlicher Akteur eine positive Rolle in der Gesellschaft einnimmt.