Ein unerwarteter Kampf um die Existenz
Sportfilme folgen oft einem festen Drehbuch: Ein Underdog muss sich gegen alle Widerstände beweisen, eigene Dämonen besiegen und am Ende über sich hinauswachsen. Die ZDF-Produktion „Die Abräumer“ nimmt sich genau dieser bewährten Formeln an, verlagert das Geschehen jedoch in eine eher ungewöhnliche Kulisse: eine in die Jahre gekommene Bowlingbahn in Wuppertal. Im Zentrum steht Karo, gespielt von Bettina Lamprecht, deren Leben vor zwei Jahrzehnten durch ein sportliches Scheitern eine folgenschwere Wendung nahm. Nach einem verpatzten Wurf bei der WM-Auswahl, der die finanzielle Existenz ihrer Eltern ruinierte, hatte sie dem Sport abgeschworen.
Vom Alltag zur Rettungsmission
Jahre später führen Karo und ihre Mutter Gabi die Bowlingbahn als Pachtbetrieb weiter. Der Alltag ist von Routine geprägt, bis eine existenzielle Nachricht die Betreiberinnen erreicht: Der Verpächter ist verstorben, und die Halle soll innerhalb von acht Wochen verkauft und abgerissen werden. Um das Vorkaufsrecht wahrzunehmen, ist eine Summe von 700.000 Euro erforderlich. Da für einen Immobilienkredit ein hohes Eigenkapital von 75.000 Euro nötig ist, fasst Karo den Entschluss, am „Big Battle Bowl“ teilzunehmen. Das Preisgeld von 100.000 Euro stellt die einzige realistische Chance dar, die Halle zu retten.
Ein ungleiches Team im Training
Da Karo für den Wettbewerb Mitstreiter benötigt, formiert sie eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Neben ihrem Mitarbeiter Djamal gehören der Rentner Freddy und die eher zurückhaltende Shu zum Team. Die Vorbereitungsphase dient dem Film als Bühne, um gängige Sportfilm-Motive humorvoll zu persiflieren. Regisseur Torsten Wacker setzt dabei auf ironische Zitate: Selbst die ikonische Treppenlaufszene aus „Rocky“ findet ihren Platz, wird jedoch durch die Realität des Rentners Freddy, der den Aufstieg per Taxi absolviert, gebrochen.
Zwischen Klamauk und Charakterzeichnung
Die Besetzung, zu der unter anderem Hans-Joachim Heist – bekannt aus der „heute show“ – zählt, bringt eine komödiantische Note in das Geschehen. Der Film scheut sich nicht vor slapstickartigen Einlagen, etwa wenn bei einem Wettkampf mit unorthodoxen Methoden versucht wird, die Gegner abzulenken. Dennoch bleibt der Fokus auf der emotionalen Entwicklung der Protagonistin. Bettina Lamprecht gelingt es, die innere Zerrissenheit Karos darzustellen, auch wenn die Figur in manchen Momenten hinter dem humoristischen Treiben zurückbleibt.
Einordnung und Ausblick
„Die Abräumer“ versteht sich weniger als klassisches Sportdrama, sondern vielmehr als Persiflage, die das Pathos des Genres gezielt unterläuft. Während die Handlung an einigen Stellen in den Klamauk abgleitet, bietet sie dennoch eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit der Frage, wie viel Fremdbestimmung ein Leben zulässt. Für Zuschauer, die sich an einer vorhersehbaren Erzählweise nicht stören, bietet der Film eine kurzweilige Perspektive auf das Thema Scheitern und Neuanfang. Die Produktion ist in der ZDF-Mediathek abrufbar und wird am 26. August um 21.45 Uhr auf ZDFneo ausgestrahlt.